Die schnüffelnden Heldenratten von Angola
Im Land Angola sind nach einem Bürgerkrieg noch viele Landminen unter der Erde verbuddelt. Jetzt helfen Ratten, diese zu erschnüffeln – und retten damit Leben.
Raul Ilidio und seine Ratten sind ein super Team. Genauer genommen ist der Mann aber nur der menschliche Arbeitspartner der Riesenhamsterratten. Denn die meiste Arbeit machen die Tiere selbst: Mit ihren feinen Nasen erschnüffeln sie Sprengstoff. Und der steckt in Landminen im Land Angola an vielen Stellen unter der Erde. Die Landminen wurden dort im Süden Afrikas während eines Bürgerkriegs vor mehr als 20 Jahren verbuddelt. Wenn man darauf tritt, explodieren sie. So sind in Angola schon zehntausende Menschen von Landminen verletzt oder getötet worden.
Die Ratten haben einen so guten Geruchssinn, dass sie die Landminen erschnüffeln können. Dafür lässt Raul Ilidio die Nager jeden Tag an einer Leine ihre Arbeit erledigen. Dabei sind sie extrem schnell. Innerhalb einer halben Stunde suchen sie ein Gebiet ab, für das ein Mensch zwei Tage braucht. Außerdem sind die Ratten zu leicht, um Landminen auszulösen. So können sie Menschen eine sehr gefährliche Arbeit abnehmen, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben.
„Absolutes Vertrauen“
Die Ratten seien so gut trainiert, dass ihnen keine Fehler passierten, sagt Raul Ilidio. Deswegen habe er keine Angst im Minenfeld zu arbeiten. „Ich habe absolutes Vertrauen in meine Ratten.“
Tierführer wie Herr Ilidio müssen ihre Tiere auch gut kennen und wissen, wann sie müde sind. Das ist wichtig, denn die Arbeit ist sehr gefährlich und ein Fehler kann Leben kosten. Denn hat eine Ratte eine Landmine entdeckt, wird diese von Spezialkräften ausgebuddelt und entschärft.
Sind die Gebiete von dem Sprengstoff befreit, können Bauern dort wieder unbesorgt ihre Felder anlegen. Oder Frauen Feuerholz sammeln und Kinder in der Natur spielen. Darum werden die nach Landminen schnüffelnden Ratten in Angola auch Heldenratten genannt. Raul Ilidio hat als kleiner Junge den Bürgerkrieg in Angola miterlebt. Die Angst vor Landminen gehörte zu seiner Kindheit. „Ich kenne zwei Leute, die Opfer von Landminen geworden sind“, erzählt er. Als sein Onkel starb und die Familie sein Grab grub, stießen sie auf eine Landmine. „Das hat uns alle in Angst und Schrecken versetzt“, erinnert er sich. Seitdem wusste Herr Ilidio: Wenn er erwachsen ist, will er dazu beitragen, dass sein Land von Landminen befreit wird. Und Ratten mochte er schon immer.

Raul Ilidio bereitet eine der Ratten auf ihren Einsatz auf einem Minenfeld vor. Foto: Kristin Palitza/dpa
Wie Ratten ausgebildet werden
Landminen zu erschnüffeln, ist keine leichte Aufgabe. Bis eine Riesenhamsterratte dafür gut genug trainiert ist, vergehen sechs bis acht Monate. Erst dann kann sie auf einem Minenfeld zum Einsatz kommen. Und so läuft ihre Ausbildung ab:
Zuerst werden die Ratten als Babys an Menschen und ihre Geräusche und Gerüche gewöhnt. Trainer tragen sie dafür vorsichtig herum.
Danach lernen sie den Zusammenhang zwischen einem Klick-Geräusch und einer Belohnung kennen. Erfüllen die Nager kleine Aufgaben, hören sie einen Klick und bekommen Futter. So werden sie motiviert, die Aufgaben zu erledigen.
Zum Schluss lernen die Nager den Geruch von Sprengstoff kennen. Sie müssen ihn von anderen Gerüchen unterscheiden können. Erkennen sie den Sprengstoffgeruch, sollen sie stehen bleiben und am Boden kratzen. Dann wissen die Menschen Bescheid: An dieser Stelle ist eine Mine vergraben. Ob sie ihre Arbeit noch richtig draufhaben, wird regelmäßig getestet.
Von Kristin Palitza (dpa)





