Mund auf!
So hat Finn seine Angst vorm Zahnarztbesuch verloren
Finn (7) ging es früher wie vielen Kindern: Er ließ sich gar nicht gerne in den Mund schauen, vor den Kontrollterminen war ihm bange. Heute freut er sich geradezu darauf. Seine Mutter braucht jetzt mit dem Auto fast eine halbe Stunde, um ihn in die Zahnarztpraxis zu bringen. „Aber ich würde auch noch weiterfahren. Wäre er seine Angst nicht losgeworden, hätte er sein ganzes Leben lang Probleme.“ Duda war dabei, als Finn seine Zahnärztin Dr. Juliana Janssen besucht hat. Und die hat noch ein paar Tipps, wie eure Zähne gesund bleiben.
Finns Geschichte
„Vor vier Jahren hatte ich totale Angst vorm Zahnarzt“, erinnert sich Finn. Inzwischen aber hüpft der Junge ganz selbstverständlich auf die Behandlungsliege. Damals hatte Finn große Schmerzen. Aber die Hauszahnärztin aus der Nachbarschaft, zu der alle aus Finns Familie gingen, kam bei ihm nicht weiter. Im Internet stieß die Mutter auf die „Zahnkinder“ in Sülz. Mit einer Operation nahmen sie Finn die Zahnschmerzen. Und Angst hat er auch nicht mehr.
Alles kindgerecht
Finn kann nicht genau in Worte fassen, was bei den „Zahnkindern“ anders ist als in der alten Praxis. Seine Mutter sagt: „Die Zahnärztinnen haben hier mehr Geduld und sehr viel Verständnis. Alles ist wahnsinnig kindgerecht.“ Gerade für Kinder, die schon einmal schlechte Erfahrungen bei einem nicht so feinfühligen Zahnarzt gemacht haben, ist das wichtig. Wer die Praxis betritt, muss die Schuhe ausziehen. Das ist sauberer und vor allem gemütlicher. Statt Warteraum gibt es ein Spielzimmer mit Bällebad, Büchern, einer Tafel zum Malen und Holzspielzeug. Jedes Behandlungszimmer hat eine andere Farbe, von grün bis pink. Da steht statt des Behandlungsstuhls eine Liege. Die lädt zum spielerischen Draufklettern ein und schafft eine Stimmung, in der sich die Kinder wohlfühlen, sagt Juliana Janssen.
Positives verstärken
Nach einem erfolgreichen Termin bekommt Finn eine Münze, um sich am Automaten auf dem Flur einen Flummi zu ziehen. Ab und zu muss eine Behandlung abgebrochen werden, weil sie für das Kind zu anstrengend wird. Die Belohnung gibt es trotzdem. „Wir wollen es ja nicht unter Druck setzen, sondern das positiv verstärken, was es gut gemacht hat.“ Bei der Behandlung beschreibt die Ärztin anschaulich, was passiert. „Wenn ich den Zahn saubermache, rumpelt das im Mund. Daher erkläre ich: ‘Das wird jetzt so ähnlich wie bei dem Gerät von der KVB, mit dem die Schienen saubergemacht werden.’ Die meisten verstehen das.“
Negatives ausblenden
Die „Zahnkinder“ bieten den kleinen Patientinnen und Patienten vieles, um sie ein wenig von der eigentlichen Behandlung abzulenken. An der Decke ein Fernseher, wo Zeichentrickfilme laufen. Eine Sonnenbrille hilft, wenn das Behandlungslicht zu grell ist. Wem der Bohrer zu laut ist, der kann sich Watteröllchen in die Ohren drehen. Begriffe, die Angst machen, sind vor den Kindern verboten. „Begriffe wie ‘Spritze’ und ‘Betäubung’ gibt es bei uns nicht. Wir sagen: ‘Ich pumpe in deinem Mund einen Schlafsaftballon auf, um deinen Zahn schlafen zu legen’“, erklärt die Zahnärztin.

Dr. Juliana Janssen (links) und Dr. Kristin Briegleb betreiben die Praxis. Bild: Stefano Chiolo (www.chiolonia.de)
Julianas Zahn-Tipps
Ernährung: Möglichst selten Süßes. Nicht zwischendurch naschen, Zähne brauchen Pausen. Auch Fruchtzucker (in Obst) kann zu Karies führen – also auch bei Obstsnacks Pausen einhalten. Am besten nur Wasser trinken: Selbst stark verdünnte Saftschorle ist zuckerhaltig.
Zähneputzen: Immer mit fluoridhaltiger Zahnpasta (darauf sollten eure Eltern beim Einkaufen achten). Beim Putzen der KAI-Technik folgen: zuerst Kauflächen schrubben, dann Außen- und Innenflächen. Bis zum achten Geburtstag sollten die Eltern nachputzen.
Zahnseide: Nutzen, sobald die Zähne eng genug beieinanderstehen.
Das sind die Zahnkinder
Dr. Juliana Janssen und Dr. Kristin Briegleb lernten sich kennen, als sie an der Kölner Universität studierten. Nachdem beide eine Weiterbildung in Kinderzahnheilkunde gemacht hatten, eröffneten sie Anfang 2020 gemeinsam die „Zahnkinder“. Heute arbeiten fünf Zahnärztinnen in der Praxis. Die ist eigentlich für Kinder bis 14 Jahren gedacht, aber manchmal werden Ausnahmen gemacht.






