Was siehst du?

Was siehst du?
Von diesen Farbstiften sehen manche Menschen nur einen Teil der Farben. Foto: Stefanie Paul/dpa

Ob im Fußballstadion, im Supermarkt oder im Schuhgeschäft: Markus Stahmann kann Farben nicht richtig sehen. Er hat deswegen oft ziemlich schwer.

Markus Stahmann liebt Fußball. Häufig fällt es ihm allerdings schwer, Fußballspiele richtig zu genießen. Das hat mit den Trikots der Mannschaften zu tun. Markus Stahmann hat eine Farbseh-Schwäche. Das bedeutet, bestimmte Zellen in seinen Augen funktionieren nicht richtig oder fehlen. Deshalb kann er die Farben Grün und Rot nicht voneinander unterscheiden. Man spricht dann auch von einer Rot-Grün-Schwäche.

Markus Stahmann sieht die Welt anders als die meisten Menschen. Er hat eine Farbseh-Schwäche. Foto: Markus Stahmann/dpa

Deswegen wird es für Markus Stahmann richtig schwierig, wenn seine Lieblingsmannschaft SV Werder Bremen in grünen Trikots aufläuft und das gegnerische Team in Rot. Dann sieht der Fan so gut wie keinen Unterschied. Für ihn sehen die Spieler auf dem Platz fast alle gleich aus. „Ich beschreibe das immer als eine Farbe, die nur etwas heller oder dunkler ist“, erklärt er.

„Ich kenne es nicht anders“

Markus Stahmann wurde mit der Farbseh-Schwäche geboren. So wie die allermeisten, die davon betroffen sind. „Ich kenne es also nicht anders. Im Alltag merke ich aber, dass ich die Welt doch krass anders sehe als die anderen“, sagt er.

Im Supermarkt zum Beispiel leuchten die Anzeigen an den Kassen meist rot und grün. Grünes Licht bedeutet, die Kasse ist geöffnet. Rotes Licht zeigt an: Kasse geschlossen. Für Menschen mit Farbseh-Schwäche sieht beides aber gleich aus. Sie erkennen nicht, ob die Kasse nun offen oder geschlossen ist.

Symbole sind wichtig

„Deshalb ist für uns immer ein zweites Symbol oder zweiter Hinweis wichtig. Etwa ein Pfeil oder ein Blinken“, erklärt Markus Stahmann. „Wenn eine Information nur über die Farbe geteilt wird, wird es sehr schwierig.“
Vor rund zwei Jahren hat Markus Stahmann einen Verein gegründet. Damit will er anderen Menschen mit Farbseh-Schwäche helfen und mehr auf das Thema aufmerksam machen. Denn heilen kann man diese Schwäche nicht.

Manche Menschen erkennen kaum einen Unterschied zwischen Rot und Grün. Rot-Grün-Schwäche nennt sich das. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Es gibt aber verschiedene Hilfsmittel für den Alltag, zum Beispiel eine App für das Handy. Das Programm soll Farben erkennen. „Dabei kommt es aber oft stark auf das Licht an. Deshalb funktionieren die Apps nicht immer richtig“, erklärt Herr Stahmann. Je nachdem wie das
Licht einfällt, kann etwa ein Stoff mal blau, schwarz oder lila schimmern.

Helfen spezielle Brillen?

Auch Brillen mit speziellen Gläsern sollen helfen, die Farben besser voneinander zu unterscheiden. Die sieht Markus Stahmann aber skeptisch. Denn es gebe zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen und Belege für die Wirksamkeit, sagt er.

So bleibt ihm oft nur eins: Ein Foto machen, an Freunde oder Familie schicken und fragen: Was ist das für eine Farbe? Denn einmal hätte sich Markus Stahmann beinahe pinkfarbene Schuhe gekauft. Die
 entsprechen seinem Geschmack so gar nicht.

Von Stefanie Paul (dpa)