Wie „sprechen“ Tiere miteinander?

Hunde tauschen über ihren Durf Informationen aus. Sie stammen von den Wölfen ab – und die leben in Rudeln. Es ist daher wichtig, dass die Tiere Informationen richtig verstehen. (Fotos: Thinkstock dpa)
Hunde tauschen über ihren Durf Informationen aus. Sie stammen von den Wölfen ab – und die leben in Rudeln. Es ist daher wichtig, dass die Tiere Informationen richtig verstehen. (Fotos: Thinkstock dpa)

Wir Menschen sprechen über alles Mögliche miteinander: Wenn wir Hunger haben. Die Hausaufgaben nicht verstehen. Unser erstes Fußballtor schießen. Aber wie machen das eigentlich Tiere? Sprechen sie auch miteinander?

„Kommunikation ist lebensnotwendig. Alle Tiere kommunizieren auf die ein oder andere Weise miteinander“, sagt Oliver Krüger. Er ist Professor für Verhaltensbiologie an der Uni Bielefeld. Kommunikation nennt man den Austausch von Informationen. Tiere können zwar nicht so sprechen wie wir, aber sie unterhalten sich mit Hilfe von Lauten, Düften, Aussehen, Körperhaltung – und sogar elektrischen Signalen. Sie machen das nicht unbedingt aus den gleichen Gründen wie du, wenn du von deinem Tor erzählen möchtest. Tiere kommunizieren etwa, um einen guten Partner anzulocken, andere vor Feinden zu warnen oder auch um zu zeigen, dass sie einander mögen.

Hund

Hund1„Hunde unterhalten sich intensiv über Düfte“, sagt Oliver Krüger. Du hast bestimmt schon gesehen, dass Hunde sich und ihre Umgebung beschnüffeln. Ein Tier kann aus der speziellen Duftnote eines anderen Hundes unter anderem ablesen, wie alt dieser ist, welches Geschlecht er hat, ob er neu in der Gegend ist und  ob er ihm sympathisch ist. Aber Hunde kommunizieren auch über Laute und Körperhaltung: Zähnefletschen bedeutet „ich bin aggressiv“, Schwanzwedeln „ich freue mich“. „Der Hund stammt von den Wölfen ab – und die leben in Rudeln. Da ist es wichtig, dass die Signale genau sind und es keine Missverständnissen gibt.“

Fregattvogel

FregattvogelDer männliche Fregattvogel hat dunkles Gefieder und einen roten Ballon am Hals. Wenn er ein Weibchen sucht, setzt er sich an einen Brutplatz und bläst den Kehlsack auf – bis er etwa so groß ist wie zwei  Milchtüten, sagt Krüger. „Die Weibchen fliegen über die Nistplätze und suchen sich ein Männchen aus. Je intensiver das Rot ist, desto toller ist das Männchen.“ Denn: Der Fregattvogel kann wie viele andere Lebewesen den Stoff Carotinoid nicht selbst herstellen. Er muss ihn aus der Nahrung aufnehmen. Je roter der Ballon ist, desto stärker ist das Männchen – und desto begehrter bei den Weibchen. Denn die wollen ja starke Väter für ihre Kinder.

Wal

WalManche Wale sind Einzelgänger. Wenn sie sich treffen wollen, müssen sie über weite Strecken miteinander kommunizieren. Aber auch Wale in Gruppen müssen Informationen austauschen. Das machen sie über Laute, die als Schallwellen durch das Wasser getragen werden. „Die Töne können wohl über eine Entfernung von bis zu 3000 Kilometern weit reichen“, sagt Oliver Krüger. Das geht, weil der Wal die lautesten Töne im Tierreich ausstößt. Männliche Buckelwale etwa sind bekannt für ihren Gesang, mit dem sie Weibchen anlocken. Auch Delfine kommunizieren unter Wasser. Forscher gehen davon aus, dass jedes Mitglied in der Gruppe auf einen ganz bestimmten Pfiff hört – also eine Art Namen hat.

Kuckuck

Kuckuck„Der Kuckuck täuscht mit verschiedenen Kommunikationsmitteln“, sagt Oliver Krüger. Die Kuckuckseltern legen ihr Ei in das Nest eines fremden Vogels. Wenn das Kuckuckskind geschlüpft ist, schmeißt es die anderen Eier aus dem Nest und muss dafür sorgen, dass seine Zieh-Eltern es gut versorgen. „Deswegen tut der Kuckuck so, als wäre er das richtige Küken: Er macht den Gesang der anderen Art nach und zwar so laut, als wären noch alle Küken im Nest“, erklärt Oliver Krüger. Außerdem sperrt es den Schnabel weit auf und zeigt seinen roten Rachen – ein Zeichen für großen Hunger. Nur, dass der Rachen beim Kuckuckskind immer rot ist. Ein kleiner Betrüger.

Von Angela Sommersberg