Wenn Felsen schmusen – Elbsandsteingebirge

Wenn Felsen schmusen – Elbsandsteingebirge
Blick auf die Basteibrücke im Nationalpark Sächsische Schweiz. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Einige Felsen sehen aus wie die Finger eines Riesen. Andere könnten versteinerte Köpfe sein. Und manche Felsen stehen so dicht beieinander, als würden sie miteinander schmusen. Diese lustigen Formen finden sich in einem Gebiet am Fluss Elbe. Ein Teil davon liegt im Osten von Deutschland, der andere Teil im Norden unseres Nachbarlandes Tschechien. Der Name des Gebietes ist lang: Elbsandsteingebirge.

Elbsandsteingebirge. Foto: Frank Exß/Sächsische Schweiz e.V./dpa-tmn

Was ist das für ein Gebirge?

Eigentlich ist das Elbsandsteingebirge gar kein Gebirge, sagt Christian Kubat. Er führt Schulklassen und andere Gruppen durch die Region. Er erklärt: Was für uns heute wie ein Gebirge aussieht, ist tatsächlich der langsam verschwindende Boden eines alten Meeres. Vor etwa 100 Millionen Jahren gab es an der Stelle nämlich ein Meer. „Bäche und Flüsse haben viel Sand in das Meer gespült und am Boden abgelagert“, erklärt Christian Kubat. Das Meer und der Sand selbst haben durch ihr Gewicht die einzelnen Körner ganz fest zusammengedrückt, bis alles zu einer dicken Platte wurde. 

Die Felsen im Elbsandsteingebirge sind bei vielen Kletterern beliebt. Foto: Doreen Garud/dpa

Wie ist es entstanden?

Später verschwand das Meer und die Sandsteinplatte kam an die Oberfläche. Mit der Zeit bekam die Platte Risse. „Dort gelangte Wasser und Eis rein und hat die Platte weiter kaputt gemacht“, sagt der Experte. Die interessanten Felsen, die wir heute sehen, sind das, was von der Sandsteinplatte übrig ist. Nach und nach gehe die Platte kaputt, sagt Christian Kubat. „Aber gerade das sieht wunderschön aus.“ Weil die Felsen im Bundesland Sachsen einige Leute an die Berge in der Schweiz erinnern, wird die Region auch Sächsische Schweiz genannt.

Im Elbsandsteingebirge kann man super wandern. Dabei kann man auch von Deutschland nach Tschechien laufen. Foto: Doreen Garud/dpa1

Verändern sich die Felsen?

Ja! Sie entwickeln sich ständig weiter: Wind und Regen waschen immer wieder Sandkörner weg. Und auch dort, wo viele Menschen entlang laufen, verschwindet der Felsen nach und nach. Aber das dauert viele Jahre. Um die sensible Landschaft im Elbsandsteingebirge zu schützen, wurde in dem Gebiet ein Nationalpark eingerichtet. Dort gelten besondere Regeln. Im Zentrum des Nationalparks muss man auf den Wanderwegen bleiben. „So kann man die Stellen schützen, an denen die Leute nicht langlaufen dürfen“, sagt Christian Kubat. Das Gebiet ist auch bei Kletterern beliebt. Auch sie dürfen nur auf bestimmte Felsen hochklettern und nicht überall, wo es möglich wäre.

Wie ist das Wetter?

In dieser besonderen Landschaft ist auch das Wetter speziell. Im Elbsandsteingebirge herrsche oft ein umgedrehtes Klima, sagt die Expertin Daphna Zieschang. „Oben ist es dann warm und unten kalt.“ Denn die Schluchten zwischen den Felsen sind oft so eng und tief, dass die Sonne fast nie hinein scheint. Im Gebirge ist das eigentlich anders herum.

In den ständig feuchten Schluchten fühlen sich Moose, Flechten und Farne wohl. „Wir finden mehr als 350 verschiedene Moos-Arten“, sagt Daphna Zieschang. Alles ist grün überwachsen. „Das sieht aus wie ein Reich der Gnome und Moos-Wichte.“

Leben hier auch Tiere?

Wer genau hinschaut, kann dort auch viele Tiere entdecken. An den Bächen leben etwa Eisvögel und Wasseramseln. Oben im Fels brüten Wanderfalken. Und aus Höhlen in alten Buchen schauen manchmal Raufußkauze heraus. Daphna Zieschang verrät, wie man sie sehen kann: „Da muss man ein bisschen Geduld haben und nicht allzu laut sein.“ (dpa)

Brandenburger Tor in Berlin. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Berühmte Gebäude aus Sandstein:

Sandstein gibt es in gelb, braun oder rot. Das sieht super aus. Deswegen benutzen Leute gerne Steine aus Sandblöcken, um damit große Gebäude wie Kirchen oder Rathäuser zu bauen. Auch aus dem Elbsandsteingebirge wurden lange Zeit große Steinblöcke herausgeschnitten: „Entlang der Elbe gab es rund 100 Steinbrüche“, sagt Christian Kubat. Daraus wurden einige berühmte Gebäude gemacht, etwa die Frauenkirche in Dresden oder das Brandenburger Tor in Berlin. Ja, du hast richtig gelesen, auch das Brandenburger Tor. Aber, ist das nicht weiß? Ja, ist es. Das liegt daran, dass die Erbauer das Tor vor mehr als 200 Jahren weiß gestrichen haben. Die Menschen sollten nämlich denken, dass es aus teurem Marmor besteht. Darunter verbirgt sich aber rötlicher Stein.

Von Doreen Garud