Warum wandern Dünen?

Warum wandern Dünen?
Sand, Sand, Sand: So sieht die große Wanderdüne auf Sylt aus. (Foto: dpa)

Häuser, die unter Sand begraben sind. Das hat es früher auf der Nordsee-Insel Sylt gegeben. Dafür verantwortlich waren Dünen, die wandern. Es gibt sie auch heute noch. Häuser begraben sie aber schon länger nicht mehr unter sich.

Sie wandert und wandert und wandert. Etwa drei bis vier Meter im Jahr. Moment mal. Drei bis vier Meter? Das ist ja nicht besonders weit. Die Wanderin, um die es hier geht, ist allerdings nicht auf Füßen unterwegs. Sie besteht fast komplett aus Sand! Es ist eine Wanderdüne auf der Insel Sylt.

Größte Wanderdüne Deutschlands

„Es ist die größte Wanderdüne, die es in Deutschland gibt“, sagt Diane Seidel. Sie lebt auf Sylt und erklärt Urlaubern die hügelige Dünen-Welt der Nordsee-Insel.

Jetzt steht sie auf einer Aussichtsplattform im Norden von Sylt. Von hier kann man die große Wanderdüne gut sehen: ein riesiger, weißer Sandberg, eingerahmt von Heidekraut. „Die Wanderdüne ist etwa anderthalb Kilometer lang“, sagt Diane Seidel. Und 500 Meter breit. Auf ihrem höchsten Punkt ist die Düne ungefähr 30 Meter hoch. „Insgesamt gibt es auf Sylt derzeit drei Wanderdünen“, sagt Diane Seidel. Aber warum wandern sie?

Wind, Pflanzen und loser Sand

Wie eine Düne entsteht und wandert (Grafik: dpa)

Damit Dünen überhaupt entstehen können, brauche es Wind und losen Sand, erklärt der Experte Jan Krause. „Auf Inseln wie Sylt kommt der Dünen-Sand aus dem Meer. Er wird vom Wasser an den Strand gespült. Wenn die Sandkörner trocken sind und nicht am Boden kleben, können sie vom Wind mitgetragen werden.“

Reicht die Kraft des Windes nicht mehr aus, um die Sandkörner zu tragen, setzen sie sich ab. Auch dann, wenn die Sandkörner auf ein Hindernis treffen, zum Beispiel kleine Pflanzen. Trägt der Wind immer mehr Sand dorthin, häuft er sich zur Düne auf.

Superkleine Dünen kann man schon hinter Muscheln finden. Damit Dünen richtig groß werden können, dauert es aber meist eine Weile. Häufig sieht man auf hellen Dünen lange, graugrüne Gräser. „Das ist Strandhafer“, erklärt Diane Seidel. Diese Pflanze hat lange Wurzeln. „Sie sind bis zu zwölf Meter lang und dringen tief in den Boden.“ Sie halten den Sand fest. Der Wind kann ihn nicht so gut weitertragen.

Sandkörner rollen – und wandern so

Diane Seidel kennt sich super mit Dünen aus. (Foto: dpa)

Das mit dem Wandern funktioniert dann so: Wenn ein leichter Wind weht, heben Sandkörner nicht vom Boden ab. Sie rollen nur. Bei einer größeren Düne rollen die Sandkörner von der Seite, von der der Wind kommt, zum hohen Kamm der Düne. Dort fallen sie auf die andere Dünen-Seite nach unten. Weil sich auf dieser Seite immer mehr Sand anhäuft, auf der anderen Seite aber immer mehr Sand abgetragen wird, verschiebt sich die Düne. Sie wandert.

Auf diese Weise haben Wanderdünen früher auf Sylt sogar Häuser unter sich begraben. Diane Seidel sagt: „Deshalb haben die Menschen dort schon vor einigen Hundert Jahren Strandhafer in großer Zahl angepflanzt, wenn die Dünen in die Nähe von Ortschaften kamen.“ Bei den drei Wanderdünen der Insel dauert das aber noch viele Jahre.

Von dpa