Wachsen Haare schneller, wenn man sie öfter schneidet?
Schnipp schnapp! Beim Friseur hat die Schere viel zu tun. Manche denken: Wenn man die Haare oft schneidet, wachsen sie schneller. Doch das stimmt nicht.
Wir kämmen und föhnen sie, manche binden ihre Haare zusammen und andere rasieren sie ab. Vor allem aber lassen die meisten Leute sie regelmäßig schneiden. Dabei hält sich eine Behauptung hartnäckig: Wenn man öfter Haare schneidet, wachsen sie schneller. Aber stimmt das wirklich?
Die Antwort: Nein, das ist nur ein Mythos. Wahrscheinlich haben manche Menschen das Gefühl, vollere Haare zu haben, wenn sie beim Friseur waren. Ein neuer Haarschnitt richtet vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit auf die Haare. Aber das Schneiden hat keinen Einfluss aufs Wachstum.

Wenn man Haare abschneidet, wachsen die anderen danach nicht schneller. Foto: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dp
Hornfäden ohne Leben
Die Hautärztin Natalie Garcia Bartels beschäftigt sich viel mit Haaren. Sie erklärt, warum diese nicht schneller oder langsamer wachsen, nur weil man sie schneidet: „Haare sind tote Hornfäden, die kein Leben mehr in sich haben. Sie haben keine lebendigen Gefäße oder Zellen und daher kein Leben in sich.“ Haare können auf ein Schneiden also nicht reagieren. „Das merken wir am einfachsten daran, dass Haareschneiden nicht wehtut“, sagt die Ärztin.
Wenn man über das Wachstum von Haaren spricht, ist es auch wichtig zu wissen, wo Haare überhaupt wachsen. Die Expertin sagt: „Haare wachsen unter der Haut im sogenannten Haarfollikel. Dieser Follikel ist ein kleines Mini-Organ, das einen toten Hornfaden produziert und nach oben aus der Kopfhaut schiebt.“ Das ist dann das Haar.
Feine Spitzen
Der Gedanke, dass Haare nach dem Schnitt schneller wachsen, hat vor allem mit dem Fühlen zu tun. Die Ärztin vergleicht das mit einem Pinsel: „Wenn man einen Pinsel an der Spitze anfasst, fühlt er sich sehr fein an. Schneidet man ihn aber weiter oben durch, fühlt es sich nach einer größeren Fläche an“, erklärt sie. Das Gleiche passiere, wenn wir unsere Haarspitzen vor und nach einem Haarschnitt anfassen würden.
Im Laufe unseres Lebens verändern sich die Haare. Sie altern mit uns, erklärt die Ärztin. Die Haare bei älteren Menschen wie den Großeltern hören zwar nicht auf zu wachsen. Aber: „Die Haarfollikel haben nicht mehr die Kraft wie früher und bilden kürzere und feinere Haare“, sagt die Ärztin. Manche hätten dann nur noch „Babyhaare“. (dpa)




