Gemeinsam rappen für den Zusammenhalt
Eine Gruppe von Rapperinnen und Rappern hilft Schulklassen, eigene Songs zu schreiben. Oft geht es darin um Mobbing oder Rassismus.
Kaum zu glauben, dass dieser Text in der Schule entstanden ist: „Das ist, wie wir sind, das ist unser Leben! So wie wir klingen, so wie wir reden. Heben ab wie Raketen in die Galaxie. Yeah! Das ist unsere Melodie.“ Die Klasse 7b hat einen eigenen Rap-Song geschrieben. Der Rapper Kompass MC hat die Schülerinnen und Schüler einer Förderschule in Berlin dabei unterstützt.
Vielen Kindern in der Klasse fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Oft herrscht Durcheinander. Die erste Idee, über Freundschaft zu rappen, will deshalb nicht so richtig klappen. Kompass MC schlägt deshalb vor: „Schreibt alle euren Namen, euer Alter, eure Hobbys und euer Lieblingstier auf einen Zettel.“ Dann überlegt sich der Profi mit jedem erste Zeilen für den Rap. Das sieht zum Beispiel so aus: „Jo, was geht ab? Hör zu, was ich sage! Jillian mein Name, bin jetzt 13 Jahre.“
Kompass MC arbeitet für die Organisation Kanzi. Die Gruppe von Rapperinnen und Rappern geht regelmäßig in Schulen und rappt mit den Kindern und Jugendlichen. Die eigenen Rap-Songs helfen ihnen zum Beispiel dabei, Fremdsprachen zu lernen. Oft geht es in den Songs auch um Themen wie Mobbing oder Rassismus. Mit Rassismus ist gemeint, wenn jemand unfair behandelt wird, nur weil er zum Beispiel eine bestimmte Hautfarbe hat oder Sprache spricht.
Richtig zusammenschweißen
Der Rapper sagt: Gemeinsam einen Song darüber zu schreiben, würde eine Klasse oft richtig zusammenschweißen. „Bei den Anti-Mobbing-Workshops merken die Kinder schnell, wie viel Kraft Worte haben. Dass die verletzen können oder jemanden aufbauen können“, sagt er. „Sie merken dann: Wow, ich habe selber schon mal jemanden gemobbt oder ich wurde mal gemobbt.“
Es komme oft vor, dass ihn Song-Zeilen der Schülerinnen und Schüler total beeindrucken, sagt der Musiker. „Es werden meistens sehr inspirierende Texte: Die Kinder sind motiviert, ihre eigenen Ziele im Leben umzusetzen und dass sie alles erreichen können, was sie
wollen.“
„Das macht Riesenspaß“
Der Workshop-Leiter versucht, möglichst wenig vorzugeben. In Gruppen lässt er die Teilnehmenden selbst Texte schreiben. Er beantwortet Fragen oder gibt Tipps. „Da geht es darum, dass die Zeilen so angepasst werden, dass sie genau auf den Beat passen. Oder dass man noch einen anderen Reim findet.“ Die einzige inhaltliche Vorgabe: Die Texte dürfen nicht beleidigen. Auch Gewalt, Waffen und Drogen sind als Themen tabu.
Kompass MC erzählt: „Meistens sagen die Kids am Anfang: ‚Rap? Das kann ich nicht!‘“ Sie würden aber schnell merken, dass sie das doch können. Er mag es, die Schülerinnen und Schüler aus ihrem Alltag zu holen und zu beobachten, was sie sich Tolles einfallen lassen. „Das macht mir einen Riesenspaß.“
Von Katharina Köhler (dpa)





