„Schneewittchen“ kurz und knapp

Einmal können die Zwerge ihr Schneewittchen retten: Sie schneiden den Riemen durch, mit dem die böse Königin Schneewittchen zugeschnürt hatte. (Foto: dpa)
Einmal können die Zwerge ihr Schneewittchen retten: Sie schneiden den Riemen durch, mit dem die böse Königin Schneewittchen zugeschnürt hatte. (Foto: dpa)

„Schneewitchen“ ist ein sehr berühmtes Märchen von den Gebrüder Grimm. Bekommst du die Geschichte noch zusammen?

Schneewittchen

Das Märchen beginnt mit der Beschreibung der Königin, die an einem Fenster saß und nähte. Der Fensterrahmen war von schwarzem Ebenholz. Sie stach sich in den Finger und drei Tropfen Blut fielen in den Schnee. Weil das Blut im weißen Schnee so schön aussah, dachte die Königin: „Hätt`ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz aus diesem Rahmen.“

Bald bekam sie ein Kind, das genau so aussah. Es wurde darum Schneewittchen genannt. Die Königin starb. Und ihr Mann nahm sich eine neue Frau. Diese war stolz, übermütig und eitel. Jeden Tag trat sie vor den Spiegel und sprach: „Spieglein, Spieglein an der Wand, Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Und der Spiegel antwortete: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“

Doch auch Schneewittchen wurde immer schöner. Als sie sieben Jahre alt war, trat die Königin wieder vor den Spiegel und stellte ihre Frage. „Frau Königin, ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr“, sagte der Spiegel. Die Königin war wütend neidisch und fing an, Schneewittchen zu hassen. Sie bauftragte einen Jäger, der Schneewittchen töten sollte. Er ging mit ihr in den Wald. Als er allerdings ihr Herz durchbohren wollte, fing Schneewittchen an zu weinen und sagte: „Ach, lieber Jäger. lass mir mein Leben! Ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heimkommen.“ Weil Schneewittchen so schön war, tötete er sie nicht.

Schneewittchen wusste nicht, wie sie alleine im Wald überleben sollte. Es fand ein Häuschen, in dem alles klein war und ganz sauber. Auf einer weißen Tischdecke standen sieben Teller mit sieben Gläsern und sieben Mal Besteck. Schneewittchen hatte großen Hunger und nahm sich von jedem Teller ein bisschen. Dann legte Schneewittchen sich ins Bett und schlief ein. Am Abend kamen die Bewohner des Hauses wieder: sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie erkannten, dass jemand von ihrem Essen gegegssen hatte: „Wer hat auf meinem Stühlchen gegessen“, fragte der erste. „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“, fragte der zweite. Und so ging es weiter. Sie sahen auch alle, dass jemand in ihre Bett gelegen hatte. Im siebten Bett entdeckte der Zwerg Schneewitchen.

Als Schneewitchen am nächsten Tag aufwachte, erzählte sie den Zwergen ihre Geschichte. Die wollten, dass Schneewitchen bei ihnen bleibt. So hielt Schneewitchen das Haus der Zwerge in Ordnung und lebte mit ihnen zusammen. Im Schloss allerdings fragte die Königin wieder den Spiegel, wer denn die Schönste im Land sei. „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Schneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist tausendmal schöner als ihr“, antwortete der Spiegel. Die Königin schmiedete einen neuen Plan, wie sie Schneewittchen töten wolle. Sie verkleidete sich als Verkäuferin und klingelte bei Schneewitchen im Haus der sieben Zwerge an der Tür. Schneewittchen erkannte sie nicht und ließ sie rein. Die Alte verkaufte Schneewittchen einen Schnürriemen, den sie ihr gleich um die Hüften legte. Sie schnürte ihn so fest, dass Schneewittchen keine Luft mehr bekam und sie tot umfiel.

Als am Abend die Zwerge nach Hause kamen, erschracken sie. Sie hoben das tote Schneewittchen in die Höhe und schnitten den Schnürriemen entzwei. Da fing Schneewittchen wieder an zu atmen. Zu Hause im Schloss befragte die Königin wieder ihren Spiegel. Und der sagte ihr erneut, dass Schneewittchen „tausendmal schöner“ sei als sie. daraufhin machte die Königin einen giftigen Apfel. Sie verkleidete sich als Bauersfrau und ging wieder zu Schneewittchen. Als Schneewittchen in den Apfel gebissen hatte, fiel sie tot um. Und als die Königin abends wieder ihren Spiegel befragte, sagte der: „Frau Königin, ihr seid die Schönste im Land.“

Die Zwerge weinten um Schneewittchen. Aber sie konnten auch nichts finden, was sie vergiftet hatte. Weil Schneewittchen auch tot noch so schön war, legten sie sie in einen Sarg aus Glas. Sie setzten den Sarg hinaus auf den Berg und einer blieb immer bei Schneewittchen und bewachte sie. Schneewitchen lag lange in dem Sarg. Sie sah aber so aus, als ob sie schlafen würde. Da kam ein Königssohn vorbei. Der fand Schneewittchen so schön, dass er sie unbedingt bei sich haben wollte. Er ließ den Sarg von seinen Dienern davon tragen. Die Diener stolperten über einen Strauch. Da fiel das giftige Apfelstück aus Schneewittchens Mund. Und sie war wieder lebendig.

„Ich hab dich lieder als alles andere auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schloss, du sollst meine Gemahlin werden“, sagte der König. Bald sollte die Hochzeit stattfinden, zu der auch die böse Stiefmutter eingeladen war. Die hatte zuvor ihren Spiegel gefragt: „Die junge Königin ist tausendmal schöner als ihr“, hatte dieser gesagt. Und die Königin wollte unbedingt wissen, wer die junge Königin war.Als diese Schneewittchen erkannte, war sie sehr erschrocken und konnte sich nicht rühren. Für die böse Stiefmutter waren eiserne Pantoffeln über das Kohlefeuer gestellt worden. Die Königin musste in die rotglühenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.

Nacherzählt von Sybille Warnking

Der Hintergrund zu „Schneewittchen“

Das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen wird seit über 200 Jahren auf der ganzen Welt erzählt. Schneewittchen hat es in ähnlicher Form tatsächlich gegeben,glaubt Heimatforscher Eckhard Sander. Aber nicht mit schwarzen, sondern mit blonden Haaren.

Margaretha von Waldeck lebte im 16. Jahrhundert und war die Tochter des Grafen Philipp IV. von Waldeck-Wildungen. Ihrem Bruder Samuel gehörte eine Mine, in der an Zwerge erinnernde Arbeiter Kupfer abbauten. Margarethas Mutter starb nach der Geburt und Vater Philipp IV. nahm sich eine neue Frau, Margarethas Stiefmutter. Schon als Kind soll die blonde Margaretha außergewöhnlich schön und sehr klug gewesen sein. Gute Voraussetzungen, um einen Ehemann zu finden. Als junges Mädchen schickte man sie dazu an den kaiserlichen Hof nach Brüssel. Auf ihrem Weg überquerte sie das Siebengebirge – die berühmten sieben Berge. Die schöne Frau zog am Hof die Blicke der Männer auf sich. Prinz Philipp II. verliebte sich womöglich in sie. Doch die Liebesgeschichte von Margaretha hatte, im Gegensatz zu Schneewittchen, kein glückliches Ende. Phillip II. heiratete eine andere Frau. Mit 21 Jahren wurde Margaretha Opfer eines Giftanschlags und starb.

Von dieser tragischen Geschichte erfuhren die Gebrüder Grimm vermutlich durch mündliche Überlieferungen. Daraus formten sie die Geschichte von „Schneewittchen und den sieben Zwergen“. In der ersten Fassung ihres Märchens hat Schneewittchen wie ihr Vorbild blondes Haar.

Von Franziska Gajek