Ausbrecher mit acht Armen

Ausbrecher mit acht Armen
Dieser Oktopus versucht, ein Glas zu mit Krabben zu öffnen. Viele Oktopoden schaffen es, so ein Glas zu öffnen. Die Tiere gelten als ziemlich clever. (Foto: dpa)

Hank ist ein Ausbruchskünstler. Der Oktopus entwischt seinen Wärtern immer wieder.  Hank spielt eine wichtige Rolle im neuen Kinofilm „Findet Dorie“. Wir  haben mit dem Meeresbiologen Robert Marc Lehmann über die Unterwassertiere gesprochen.

Tierart und Lebensraum

Oktopus und Krake sind zwei Namen für dasselbe Tier. Ein Tintenfisch hingegen ist ein anderes Tier. Doch auch er gehört zu der Gruppe der Kopffüßer. Als Kopffüßer werden Weichtiere im Meer bezeichnet, deren Arme am Kopf hängen. Als Weichtiere haben sie keine Knochen. Oktopusse sind mit Muscheln verwandt. Sie leben in fast allen Meeren. Meistens schwimmen sie, aber manche laufen auch über den Grund. Kraken kommen in allen möglichen Größen vor. Der Pazifische Riesenkrake wird mehr als fünf Meter groß. Der Blauringelkrake wird nur 20 Zentimeter groß.

Der Körper

Welcher ist wohl der Lieblingsarm? (Foto: dpa)

Welcher ist wohl der Lieblingsarm? (Foto: dpa)

Wie der Name schon sagt – „octo“ ist griechisch und bedeutet „acht“ – haben die Tiere acht Arme. „Oft haben sie einen Lieblingsarm, den sie besonders häufig benutzen“, sagt der Meeresbiologe. An den Armen sitzen zwei Reihen mit Saugnäpfen. Damit können sie ihre Beute festhalten. Sie fressen alles, unter anderem Krebse und Hummer. Der Riesenkrake jagt sogar Haie! Die Tiere haben aber nicht nur acht Arme, sondern auch drei Herzen. Eines ist das Hauptherz. Die beiden Unterstützungsherzen helfen, das Blut durch den Körper zu pumpen.

Paarung

Kraken sind Einzelgänger. Sie töten und fressen sich sogar gegenseitig. Sie kommen nur zur Paarung zusammen. Das Weibchen legt Eier, aus denen mindestens 100 Jungtiere schlüpfen. Mutter oder Vater brütet die Eier aus. Das kann einige Monate dauern. Das eine Tier stirbt kurz nach der Paarung, das andere nach dem Brüten. Die Mini-Kraken sind ganz  auf sich allein gestellt. Oft überlebt nur ein einziger. Oktopusse werden nur ein bis drei Jahre alt.

Schlaue Ausbrecher

Oktopusse sind sehr intelligent und lernfähig. „Sie können sich Dinge von anderen Tieren und Menschen abgucken und nachmachen“, sagt Robert Marc Lehmann. Sie können sich in enge Spalten  zwängen und  tatsächlich fast überall ausbrechen.  „Sie heben den Deckel eines Aquariums an und schieben ihn weg. Sie können Abflüsse und Pumpen verstopfen. Ständig  lassen sie sich etwas Neues einfallen.“ Weil die Tiere so schlau sind und viel Platz brauchen, rät der Meeresforscher davon ab, sie zu Hause zu halten und auch sonst irgendwo im Zoo oder Aquarium.

Gut getarnt

Hank im Film "Findet Dorie" (Foto: dpa)

Hank im Film „Findet Dorie“ (Foto: dpa)

Oktopusse sind nicht nur gute Ausbrecher. Sie können sich auch super tarnen, indem sie ihre Farbe ändern. Das ist ein komplizierter Vorgang: Die Tiere haben spezielle Farbzellen. Über diesen liegen Muskelzellen, die sich zusammen ziehen. Je mehr sie das tun, desto intensiver wird die Farbe, in der der Oktopus erscheint. Es gibt sogar Arten, die nicht nur ihre Farbe, sondern auch ihre Form verändern. „Der Mimic-Oktopus kann sich in andere Tiere verwandeln. In eine Flunder oder in den giftigen Rotfeuerfisch“, sagt der Biologe.

Tinte als Waffe

Nicht alle Oktopusse sind giftig. Aber alle können bei Gefahr Tinte abgeben. „So vernebeln sie ihrem Jäger die Sicht. In der Tinte ist ein Stoff, der die Seh- und Geruchsnerven der Räuber betäubt. Der kann sich dann nicht mehr orientieren und der Oktopus kann abhauen“, sagt Robert Marc Lehmann. Kraken sind wahnsinnig schnell. Sie nutzen das Rückstrahlprinzip: Der Oktopus saugt Wasser ein, spuckt es durch den Mund wieder aus – und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometer pro Stunde!

Der Film

„Findet Dorie“ ist die Fortsetzung von „Findet Nemo“. Paletten-Doktorfisch Dorie sucht ihre Eltern. Leider funktioniert ihr Gedächtnis nicht gut. Sie kann sich nicht erinnern, woher sie stammt. Ihre Unterwasserfreunde helfen ihr.

Von Kathy Stolzenbach