Mutige junge Frau

Mutige junge Frau
Statue der Jeanne d'Arcs in Paris, Frankreich. Foto: Getty Images

Sie sah anders aus als andere Frauen. Und interessierte sich auch für andere Dinge, obwohl das nicht alle gut fanden. Und als junges Mädchen kämpfte sie sogar schon im Krieg! Es geht um Jeanne d’Arc – oder auch die „Heilige Johanna“. Heute vor vielen, vielen Jahren ist sie verstorben. Wir erklären dir, wer sie war und wie sie gelebt hat.

Bild: Wikipedia

Die Vorgeschichte

Erst einmal hört sich alles ganz gewöhnlich an: Jeanne d’Arc wuchs in recht einfach Verhältnissen auf, ihre Eltern waren Bauern. Aber: Sie wurde im Jahr 1412 geboren, also mitten im Hundertjährigen Krieg, der zwischen England und Frankreich herrschte. Warum die beiden Länder stritten? 1328 war der französische König Karl IV. gestorben. Und weil er keine Kinder hatte, war sich niemand einig über seinen Nachfolger. Jetzt wird es kompliziert: Der damalige König von England, Eduard III., wollte den Thron für sich beanspruchen – weil er der Sohn von Isabelle von Frankreich war. Und sie wiederum ist die Tochter eines ehemaligen französischen Königs gewesen. Puh! Kein Wunder, dass Frankreich das nicht so toll fand. Der Streit wurde immer schlimmer, 1337 begann der Krieg. Mit dem Ergebnis: England konnte Teile Frankreichs für sich gewinnen und den französischen König entthronen.

Die Vision

Aber nun zurück zu Jeanne d’Arc: Mit zwölf Jahren hatte sie eine besondere Vision. Darin sind ihr drei Personen erschienen – der Erzengel Michael, die Heilige Katharina von Alexandria und Margareta. In dieser Vision baten die drei Jeanne d’Arc, die Engländer aus Frankreich zu vertreiben und dafür zu sorgen, dass der rechtmäßige Thronfolger siegt. Weil Jeanne sehr gläubig war, nahm sie die Vision sehr ernst und schaffte es nach mehreren Versuchen, den König davon zu überzeugen, dass sie selbst dazu beitragen könne, die Engländer aus Frankreich zu vertreiben. Vermutlich verhalf ihr auch ein Legende dazu, dass der König ihr Glauben schenkte. Denn in dieser heißt es, dass das Land Frankreich von einer Jungfrau gerettet werden würde. Warum sonst sollte der König einem so jungen Mädchen eine so große und gefährliche Aufgabe anvertrauen?

Krönung der Jeanne d’Arc. Bild: Wikipedia

Der Kampf

Also kämpfte Jeanne. Und wie! Ihr wurde eine richtige Rüstung angefertigt, sie bekam sogar einige Soldaten untergestellt, die mit ihr zusammen arbeiteten. Weil sie vor allem die Stadt Orléans versorgen sollte, wird sie auch heute noch manchmal Jeanne von Orléans genannt. Bei einem der Kämpfe wurde Jeanne einmal auch schwer verletzt – aber sie kämpfte mutig weiter. Und siegte in der Hinsicht, als dass der rechmäßige König – Karl VII. – schließlich auch inthronisiert wurde. Bei der Zeremonie durfte Jeanne sogar die Siegesfahne halten.

Das Vorbild

Leider ist die Inthronisierung aber nicht das glückliche Ende der Geschichte um Jeanne d’Arc. Denn der König wandte sich von ihr ab, obwohl Jeanne doch weiterhin dafür sorgen wollte, die Engländer aus Frankreich zu vertreiben! In der Zeit, in der der König ihr das untersagte, konnten sich die Gegner, die sogenannten Burgunder, rüsten. Und die nahmen schließlich Jeanne d’Arc gefangen. Schwere Vorwürfe wurden gegen Jeanne d’Arc erhoben: Sie sei eine Hexe und Ketzerin – Ketzer nannte man damals Menschen, die Gott und die Kirche bestritten. Den man glaubte Jeanne nicht, dass sie die Engländer im Auftrag der drei Heiligen vertreiben wollte. Das Gericht entschied gegen Jeanne d’Arc – und sie wurde am 30. Mai 1431, also heute vor 589 Jahren als „Hexe“ auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Einige Jahrzehnte später räumte man ein: Sie wurde unschuldig hingerichtet. Und die tapfere, mutige Jeanne d’Arc wurde heiliggesprochen. Bis heute gilt sie für viele Frauen weiterhin als Vorbild.

Von Elisa Sobkowiak