Harry Potter drei ist für Jugendliche
Die ersten beiden Harry-Potter-Filme hast du vielleicht schon gesehen. Doch ab Film drei wird es kritisch: Denn der ist erst ab zwölf Jahren freigegeben.
Ein kleines Viereck auf dem Cover verrät dir, ab welchem Alter du einen Film schauen darfst. Das Viereck kann weiß, gelb, grün, blau oder rot sein. Die Zahl im Inneren sagt dir, wie alt du sein musst, um den Film sehen zu dürfen. Bei den ersten beiden Harry-Potter-Filmen ist ein gelbes Viereck zu sehen. Du musst also mindestens sechs Jahre alt sein. Bei den anderen ein grünes – für die musst du zwölf Jahre alt sein. Die gleichen Regeln gelten fürs Kino. Doch wer entscheidet das eigentlich? Michael Schmidt prüft solche Filme bei der FSK – der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Im Gespräch erklärt er dir, wie er entscheidet, welcher Film für welches Alter zugelassen wird und ob er den ganzen Tag nur Filme anschaut.
Interview
Wer prüft eigentlich die Filme, die ins Kino kommen?
Michael Schmidt: Die FSK prüft Kinofilme, aber auch Filme für DVD und Bluray sowie Trailer, Werbefilme und das Bonusprogramm auf DVDs. Insgesamt gibt es 186 Prüferinnen und Prüfer in Deutschland. Die arbeiten alle ehrenamtlich. Verschiedene Institutionen benennen diese Menschen. Sie sind also aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, wie der Politik oder der Kirche. Ich bin aber, sozusagen als Vertretung der Bundesländer, eine Ausnahme und mache das hauptberuflich. Wenn wir einen Kinofilm prüfen, sehen wir uns den zu fünft an. Dafür gibt es sogar ein Kino im Haus der FSK. Danach diskutieren wir darüber. Das kann auch schon mal eine Stunde lang dauern.
Wie wird die Altersfreigabe entschieden?
Darüber stimmen wir nach der Diskussion über den Film ab. Die Mehrheit entscheidet. Für die Altersfreigabe gibt es also keine festen Kriterien, die abgehakt werden. Wir diskutieren vorher über die wichtigen Aspekte, wie: Welche Inhalte werden im Film gezeigt und wie werden sie dargestellt? Gibt es zum Beispiel gewaltvolle Szenen oder wird jemand bestraft, wenn er etwas Schlimmes gemacht hat? Welche Wirkung kann der Film auf Kinder haben?
Nehmen wir das Beispiel „Frozen“: Wenn Elsa gegen die Monster kämpft, kommt es auch zu gewaltsamen Szenen. Doch wenn man dies im Zusammenhang des Films sieht, überwiegen die starken Frauenfiguren sowie das Thema Freundschaft. Außerdem ist immer klar zu erkennen, wer die guten und wer die bösen Figuren sind. Deswegen ist der Film ab 0 Jahren freigegeben. Jeder Film wird ganz genau angeschaut und bewertet.
Müssen alle Filme geprüft werden?
An sich gibt es keine Pflicht zur Prüfung der Filme. Doch wenn ein Film nicht geprüft wird, kann er nur Erwachsenen gezeigt werden. Die Filmverleiher stellen also für jeden Film einen Antrag zur Prüfung bei der FSK. Insgesamt haben wir im Jahr 2019 über 500 Kinofilme und Tausend DVD-Filme geprüft.
Sollten sich Kinder und Eltern an die Vorschriften halten?
Ja, auf jeden Fall. Die FSK-Kennzeichnung ist keine Empfehlung. Wir setzen das Jugendschutzgesetz um. Das soll, wie der Name sagt, Kinder und Jugendliche vor Gefahren schützen. Deshalb ist die Altersfreigabe der FSK eine gesetzliche Vorgabe. Daran sollte man sich halten.
Bei Projekten mit Schülerinnen und Schülern fragen wir nach, ob jemand einen Film angeschaut hat, der eigentlich erst für Ältere freigegeben ist. Die Kinder berichten danach sehr oft, dass sie es lieber nicht gesehen hätten und den Film anderen in ihrem Alter nicht empfehlen. Es war also eine schlechte Erfahrung für sie. Wenn man sich immer wieder nicht an die Altersfreigabe hält, kann das auch dazu führen, dass Kinder im Alltag ängstlicher und schreckhafter werden.
Schauen Sie eigentlich den ganzen Tag nur Filme?
Wenn ein Ausschuss, also eine Gruppe zur Prüfung, zusammenkommt, schauen wir zwei oder drei Filme am Tag. Ich mache das zwei bis drei Mal in der Woche – also schaue ich manchmal bis zu neun Filme in einer Woche. Das ist natürlich nicht meine ganze Arbeit. Es ist eine spannende Herausforderung und macht natürlich Spaß, aber manchmal ist es auch schwer, eine Entscheidung zu treffen.
Das Gespräch führte Katharina Hensel






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