Handys aus dem Schlafzimmer verbannen

Handys aus dem Schlafzimmer verbannen
Der Kölner Kinderarzt Marcel Razzaghi. Foto: WDR/Karen Thilo

Bedingt durch das Coronavirus durfte lange niemand zur Schule gehen. Treffen mit Freunden und gemeinsames Spielen fielen auch aus. Aber abgesehen davon, dass dein Alltag dadurch vielleicht etwas ruhiger war: Ob du dich viel oder – wie vielleicht in den vergangenen Wochen – weniger bewegst, hat auch Auswirkungen auf deinen Körper und deine Gesundheit. Genau über dieses Thema haben wir mit Kinderarzt und Ernährungsmediziner Dr. Marcel Razzaghi aus Köln gesprochen. 

Bewegung ist gesund! Foto: Stephan Jansen/dpa Foto: Stephan Jansen/dpa +++(c) dpa – Nachrichten für Kinder+++

1. Bewegung

Vor allem, wenn dein Körper noch nicht ausgewachsen ist, hat Bewegung und Sport gleich mehrere Funktionen: Wenn du zum Beispiel in einem Schwimmverein bist, macht das nicht nur Spaß, sondern ist auch gut für dein Skelettsystem, die Bildung der Knochen und deine Muskulatur. Außerdem schützt Bewegung sogar vor Erkrankungen, sagt Marcel Razzaghi: „Wenn wir unseren Körper nicht ab und zu fordern und nur in dunklen, schlecht belüfteten Räumen am Handy sitzen, wird auch unser Immunsystem schwächer — also das Abwehrsystem des Körpers.“ Kinder, die regelmäßig Sport machen, sind also fitter. Außerdem kannst du dich besser auf Hausaufgaben und Lernen konzentrieren, wenn du vorher etwa eine Runde mit dem Rad gefahren oder mit deinen Eltern eine Runde joggen warst. „Wie viel Sport das richtige Maß ist, ist von Kind zu Kind unterschiedlich“, sagt der Kinderarzt. Das gilt auch für das andere Extrem „zu viel Sport“. Das wichtigste ist, dass es dir Spaß macht.

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2. Ernährung

Damit du gesund bleibst, reicht aber natürlich nicht nur Bewegung: Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. Laut dem Robert-Koch-Institut ist nämlich jedes siebte Kind in Deutschland übergewichtig. Und noch mehr Zahlen: Der KiKA hat eine Umfrage durchgeführt, nach der 90 Prozent der befragten Kinder gesagt haben, dass sie positive oder neutrale Gedanken mit Zucker verbinden — den man aber nur in Maßen essen sollte. „Für eine ausgewogene Ernährung sollte man wissen, dass es verschiedene Stoffgruppen gibt: Kohlenhydrate, also Nudeln, Kartoffeln oder Brot. Dann Eiweiße wie Fleisch und Fisch. Außerdem gesunde Fette und sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe — die sind in Gemüse enthalten. Von all diesen Stoffgruppen sollte man als Kind bestimmte Anteile essen. Und Süßigkeiten natürlich nur selten.“ Und wenn man bei den Hausaufgaben so unheimlich großen Süß-Hunger hat? Dann hat Marcel Razzaghi einen Tipp: „Fruchtzucker stillt diesen Appetit genauso. Also einfach ein Stück frisches Obst essen oder alternativ einen Getreideriegel.“ Du kannst deinen Alltag ja mal genau unter die Lupe nehmen: Gesund ist es auf jeden Fall, drei Hauptmahlzeiten zu essen und dazwischen zwei Mal einen kleineren Snack, wie eben Obst oder Gemüse — und natürlich ist auch mal ein Stück Kuchen erlaubt, solange das nicht zur Gewohnheit wird.

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3. Schlaf

Jetzt steht genug Bewegung und gesunder Ernährung also nichts mehr im Wege. Aber noch etwas ist wichtig: „Kinder bis zur weiterführenden Schule sollten im Idealfall neun Stunden pro Nacht schlafen“, sagt der Arzt. In vielen Fällen kämen junge Patientinnen und Patienten zu ihm, die berichten: Unter der Woche schlafen sie zwischen sieben und acht Stunden, am Wochenende aber dann bis zehn oder elf Uhr am Vormittag. „Dann wird durch langes Schlafen genau die Zeit versäumt, die am Wochenende für Kreativität und Spielen genutzt werden könnte“, sagt Marcel Razzaghi. Ein Tipp, wenn man unter der Woche in Gedanken noch bei den Lernsachen ist und nicht einschlafen kann: Ein medienfreies Schlafzimmer. Das heißt: Handy und Computer, mit denen vielleicht vorher noch für die Schule gearbeitet wurde, sollten aus dem Raum verbannt werden. Auch Musik oder spannende Hörspiele vor dem Schlafengehen seien keine gute Idee. „Die regen eher zu aufregenden Träumen an“, sagt der Kinderarzt schmunzelnd.

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4. Freunde

Im Moment siehst du deine Freunde wahrscheinlich wieder täglich in der Schule — und kannst auch draußen auf Abstand mit ihnen spielen. Denn auch soziale Kontakte sind wichtig für die Gesundheit. Nachrichten über das Handy oder Videoanrufe können die natürlich nicht ersetzen.

Der Kölner Kinderarzt Marcel Razzaghi. Foto: WDR/Karen Thilo

„Jedes Kind ist ein soziales Wesen, das gerne aktiv mit anderen zusammen sein möchte“, sagt auch Kinderarzt Razzaghi. Zusammen Musik machen, gemeinsame sportliche Aktivitäten oder mit seinen Freunden so richtig Langeweile haben und sich dann selbst etwas Spannendes ausdenken — auch das macht gesund und glücklich. „Dabei können auch die Eltern mithelfen: Indem sie ihren Kindern nicht jeden Nachmittag einen anderen Freizeit-Termin in den Kalender schreiben.“ „Gesund leben“ ist bis zum 25. September auch noch der Themenschwerpunkt des KiKA. Am kommenden Montagvormittag geht es etwa um eine von Dr. Razzaghis Patientinnen: Chiara hat Diabetes und muss genau darauf achten, was und wie viel sie isst. Los geht die Sendung um 6.55 Uhr im KiKA.

 

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