Ein Jahr im Rampenlicht – Die europäischen Kulturhauptstädte

Ein Jahr im Rampenlicht – Die europäischen Kulturhauptstädte
12.01.2019, Bulgarien, Plowdiw: Zwei Menschen lassen sich vor einem bunten Schild mit der Aufschrift "Zusammen" in der Stadt Plowdiw fotografieren. Foto: Uncredited/AP/dpa

Plowdiw und Matera sind dieses Jahr die europäischen Kulturhauptstädte. Was bedeutet das genau?

Heute kommen viele Musiker und Gäste zu einem Festival aus Licht und Musik zusammen, denn die italienische Stadt Matera eröffnet ihr Jahr als Kulturhauptstadt. So hat es auch schon die Stadt Plowdiw in Bulgarien am vergangenen Wochenende getan. Aber was heißt das überhaupt, Kulturhauptstadt zu sein? Kann das jede Stadt?

Was ist eine Kulturhauptstadt genau?

Seit 1985 bekommen ausgewählte Städte den Titel „Kulturhauptstadt Europa“ und dürfen sich dann für ein Jahr lang so nennen. Welche Städte das sind, entscheidet die Europäische Union. Alle 28 europäischen Mitgliedstaaten können Vorschläge machen. Eine Gruppe von Fachleuten entscheidet dann aus allen Bewerbungen, wer den Titel verdient hat. Das machen sie zum Beispiel daran fest, wie sich die jeweilige Stadt für Kultur engagiert und welche Arten von Malerei oder Tanz es in der Stadt gibt. Wichtig ist auch, dass die Stadt sich gut um alte Gebäude und ihre Bewohner kümmert. Und: Die Stadt muss beweisen, dass sie viel für Europa tut.

Wie lange dauert es, bis man Kulturhauptstadt ist?

Sechs Jahre vor dem jeweiligen Kulturhauptstadtjahr werden die Länder aufgefordert, ihre Bewerbung einzureichen. Vier Jahre vorher werden sie formell ernannt, um sich vorbereiten zu können. Weil im Jahr 2004 noch zehn weitere Länder in die Europäische Union eintraten und die Wahrscheinlichkeit für die vielen Städte damit weiter sank, Kulturhauptstadt zu werden, gibt es seit diesem Jahr jährlich immer zwei Kulturhauptstädte.

Was ist die Aufgabe von Kulturhauptstädten?

Die ausgewählten Städte sollen dazu beitragen, dass Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen sich austauschen und zusammenkommen. Durch den Titel werden die Städte meistens bekannter. Das bringt viel Geld ein. Auch, weil viele Touristen in die Stadt kommen. Von der Europäischen Union bekommen die jeweiligen Städte auch Fördermittel. Die Bewohner der Städte freuen sich meist riesig über den Titel. Seit 1985 haben insgesamt schon 50 Städte den Titel „Kulturhauptstadt“ getragen. In Deutschland waren es unter anderem Essen und Weimar. Ziel ist es, dass sich die Städte durch das besondere Programm in diesem einen Jahr auch weiter entwickeln. Wenn sie nicht mehr Kulturhauptstadt sind, soll es trotzdem weiter viel Kultur geben.

Auf der Multimediabühne im Stadtzentrum traten am Samstagabend 1500 Aktionskünstler unter dem Motto „Wir sind alle Farben“ auf. Foto: Uncredited/AP/dpa

Plowdiw
Plowdiw ist die zweitgrößte Stadt in Bulgarien und hat etwa 350 000 Einwohner. Plowdiw ist über mehrere Hügel angelegt und hat viele Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel ein altes, römisches Stadion. Mit der Stadt geht der Titel „Kulturhauptstadt“ außerdem zum ersten Mal nach Bulgarien. Plowdiw hat sich für das Jahr das Thema „Together“, also „Zusammen“, ausgesucht. Dazu wird es im Laufe des Jahres viele Veranstaltungen geben.

Entlang einer Fußgängerzone hängen Banner, die auf die Europäische Kulturhauptstadt hinweisen. Foto: Lena Klimkeit/dpa

Matera
Die Stadt liegt im Süden Italiens und hat 60 000 Einwohner. Italien ist schon seit 1958 in der EU Mitglied. Besonders bekannt ist Matera für seine Höhlen, die Sassi di Matera, die sogar zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Das heißt, dass die Höhlen so einzigartig sind, dass sie weltbedeutend sind. Das Jahr als Kulturhauptstadt Europa feiert Matera unter dem Motto „Open Future“, was auf Deutsch so viel heißt wie „Offene Zukunft“.

Von Elisa Sobkowiak