Aus dem Nichts entsteht ein Bild

Aus dem Nichts entsteht ein Bild
Dunkelkammer. Foto: Wikipedia

Gerade noch ist das Blatt nur weiß. Doch wie aus dem Nichts erscheint langsam ein Schwarz-Weiß-Bild. Es passiert, während das Blatt in einer Flüssigkeit schwimmt. Das Geheimnis hinter dieser kleinen Zauberei in der Fotografie sind Licht und Chemie. Der Ort dafür nennt sich Dunkelkammer. Dort kennt sich der Foto-Lehrer Arne Reinhardt gut aus. Wir haben ihn begleitet, während ein Bild entsteht.

Der Film aus der Kamera muss im Dunkeln eingelegt werden. Dann wird er in der Spule entwickelt. Foto: Ginette Hauflmann/dpa

Was passiert in der Dunkelkammer genau?

Zunächst braucht man einen Film aus einer Kamera, die keine digitalen Aufnahmen macht. Stattdessen werden die Bilder auf eine Art Streifen aus Kunststoff gebannt, den Film. Jedes Bild ist dabei kaum größer als eine Briefmarke.

In der Dunkelkammer geht es darum, diese Bilder auf spezielles Fotopapier zu übertragen und zu vergrößern. Fotopapier hat mehrere Schichten. Nur dort, wo Licht auf die Schichten trifft, verwandelt sich das Weiß zu Grau oder Schwarz. Weil man aber schlecht ganz im Dunkeln arbeiten kann, brennt in der Dunkelkammer eine rote Leuchte. Denn auf rotes Licht reagieren die Schichten nicht.

Der Vergrößerer wird von rotem Licht angestrahlt. Es ist das einzige Licht in der Dunkelkammer. Dort werden Fotos auf Fotopapier entwickelt. Foto: Ginette Hauflmann/dpa

Worauf muss man achten?

Zuerst geht es zum Vergrößerer: Das ist ein großes Brett mit einer Stange hinten. An der hängt ein Kästchen mit einer Lampe. Dort hinein kommt das Bild aus dem Film. Wird nun die Lampe des Vergrößerers eingeschaltet, erscheint das Bild auf dem großen Brett. Es ist schwarz-weiß. Arne Reinhardt stellt das Bild scharf und die Größe ein. Dann legt er ein Blatt Fotopapier auf das Brett. Nun endlich darf auch Licht durch den Film auf das Papier fallen.

Das richtige Zeitmanagement dabei ist sehr wichtig, erklärt der Foto-Lehrer. „Wenn man ein kleines Papier hat, dann kann so eine Belichtungszeit bei zehn Sekunden liegen.“ Ein großer Abzug hingegen kann schon Minuten dauern.

Foto-Lehrer Arne Reinhardt schaut sich in der Dunkelkammer am Vergrößerer ein Bild genau an. Foto: Ginette Hauflmann/dpa

Was bewirken die Flüssigkeiten?

Um das Foto auf dem Papier sichtbar zu machen, muss es entwickelt werden. Dazu wird das Blatt in eine Schale mit einer chemischen Flüssigkeit gelegt, dem Entwickler. Nun passiert das kleine Wunder: „Wie scheinbar aus dem Nichts entsteht plötzlich ein Bild. Und zwar an jeder Stelle gleichzeitig. Zuerst kommen die dunklen Stellen und dann kommen die Grautöne“, beschreibt der Foto-Lehrer den langen Entwicklungsprozess.

Foto-Lehrer Arne Reinhardt hält eine auseinandergebaute Kamera vor sein Gesicht. Foto: Ginette Hauflmann/dpa

Was passiert dann?

Ist das Bild gut erkennbar, wird es aus der ersten Schale in eine zweite gelegt. Darin befindet sich eine andere Flüssigkeit. Sie riecht ein wenig nach Essig und sorgt dafür, dass die Entwicklung des Fotos gestoppt wird. Sonst würde es mit der Zeit immer dunkler werden, so dass man irgendwann nichts mehr erkennt.

Danach kommt das Blatt in eine dritte Schale: das Fixierbad. Das macht das Foto haltbar. Sonst würde es bald wieder verschwinden. Das fertige Foto wird anschließend gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Und dann? Kann es endlich ins Fotobuch eingeklebt werden. (dpa)