Sprechblockaden – Stottern ist kein Grund, sich zu schämen

Sprechblockaden – Stottern ist kein Grund, sich zu schämen
Eine Karte zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober wird in der Beratungsstelle "Sprechraum" vor ein "Guten Tttttttttag". Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Vielleicht gibt es in deiner Schulklasse jemanden, der irgendwie anders redet als alle anderen Kinder. Wenn derjenige einen Satz sagt, wiederholt er mehrere Wörter direkt hintereinander, manchmal auch nur einige Silben. 

Und vielleicht hast du dann auch schon mal gedacht: „Warum sagt er denn alles so oft, ich habe ihn doch längst verstanden.“ Man nennt das auch Stottern. Und die betroffenen Personen können nichts dafür, dass sie so reden. Wir erklären dir heute am Welttag des Stotterns, woran das liegt – und wie du dich am besten verhältst, wenn jemand stottert oder du vielleicht selbst betroffen bist.

Das Wort „stottern“ im Duden. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Was ist Stottern?

Stotternde Menschen wiederholen also unfreiwillig viele Worte, die sie sagen möchten. Sie haben eine sogenannte Blockade in ihrem Redefluss, und das, obwohl sie genau wissen, was sie sagen wollen. Sie können den Satz trotzdem nicht störungsfrei aussprechen.

Je nach Gefühlslage kann sich das Stottern verändern – wenn du in der Schule aufgerufen wirst und dadurch gestresst und aufgeregt bist, kann es zum Beispiel schlimmer werden. Viele Stotternde haben deshalb Angst vor solchen Sprech-Situationen, weil sie befürchten, ausgelacht zu werden. Manche versuchen ihr Stottern auch zu verstecken, indem sie zum Beispiel viele Füllwörter in einem Satz sagen. Falls du selbst stotterst, bist du damit nicht alleine: Die „Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe“ sagt, dass alleine in Deutschland insgesamt 800 000 Menschen stottern. 

Woher kommt das Stottern?

Aber woran liegt das? Das können Experten leider immer noch nicht genau beantworten. Meist beginnen Kinder schon im Alter von zwei bis fünf Jahren mit dem Stottern. Bei einigen verschwindet es auch einfach wieder.

Die Personen, die aber dauerhaft stottern, gehen damit ganz unterschiedlich um. Sie sind nicht zwangsweise schüchterner oder ängstlicher, und auf keinen Fall weniger intelligent als andere. Dieses Vorurteil haben nämlich viele! Stottern ist eine Störung des Sprechablaufs – hat aber nichts mit dem Charakter oder der sonstigen Person zu tun.

In der Logopädischen Praxis Heidrun Otto wird bei einer Stotter-Therapie mit dem Mund und der Zunge der Laut „L“ geformt. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Was hilft gegen Stottern?

Logopäden oder sogenannte Sprachheilpädagogen können mit verschiedenen Übungen dabei helfen, dass das Stottern besser wird oder sogar ganz verschwindet. Vielen geben diese Tipps auf jeden Fall ein besseres Gefühl und Selbstbewusstsein. Denn schämen muss sich wirklich niemand dafür, wenn er oder sie stottert – auch wenn es leider vorkommt, dass die Betroffenen sich reflexartig zurückziehen und lieber kaum bis gar nicht sprechen, als deshalb Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Informationsmaterial der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe (BVSS), dem Interessenverbund stotternder Menschen in Deutschland. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Wie sollte ich mich verhalten?

Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich einfach: Ganz normal! Wenn du mit einem stotternden Kind oder Erwachsenen redest, lasse die Person ausreden und verbessere sie nicht. Denn das würdest du ja auch nicht wollen, wenn du selber stottern würdest, oder? Gib der Person also einfach etwas Zeit.

Übrigens: Rechtlich gesehen gilt Stottern als eine Sprechbehinderung. Das klingt jetzt erstmal schlimmer, als es ist, kann dir aber vielleicht helfen – denn wenn du selber stotterst, kannst du deinen Lehrer darauf aufmerksam machen, dass du zum Beispiel bei mündlichen Prüfungen ein Recht darauf hast, mehr Zeit zu bekommen. Denn das ist nur fair im Vergleich zu anderen Kindern, die nicht stottern.

Ed Sheeran (Foto: dpa)

Wusstest du,…

…dass auch einige Prominente stottern? Zum Beispiel die Schauspielerin und Sängerin Marilyn Monroe, die aber schon verstorben ist. Oder der britische Sänger Ed Sheeran, der als Kind Probleme mit dem Stottern hatte. Vor einigen Jahren sagte er dazu: „Wenn ihr Eigenschaften habt, die euch von anderen abheben, dann macht euch das als Person interessanter.“ Ein schöner Gedanke, oder?

Von Elisa Sobkowiak