Schreiben war ihr Leben

Schreiben war ihr Leben
Enid Blyton schrieb mehr als 700 Bücher - alle für Kinder (Bild: Bassermann Verlag)

Enid Blyton war schon mit acht ziemlich genial. Sie musste eine Buchseite nur einmal lesen – und konnte sie auswendig aufsagen. Wort für Wort. Lieber aber schrieb sie selbst Gedichte und Geschichten, schon als Kind. Über ihr Leben und die Welt in ihrem Kopf.

Enid ging ins Internat

Wenn du Enid Blytons „Hanni und Nanni“-Bücher gelesen hast, kennst du einige Menschen aus ihrer Kindheit schon sehr gut: Die Zwillinge Hanni und Nanni oder die strenge Französischlehrerin, die den beiden schlechte Noten verpasst. Die gab es tatsächlich an Enid Blytons Schule – nur hat die Schriftstellerin ihnen in ihren Büchern andere Namen gegeben. Die St. Christophers Schule in England, auf die Enid Blyton als Kind ging, war ein Internat wie das von Hanni und Nanni. Nur Mädchen durften es besuchen.

Die wilde George (ganz rechts) aus den "Fünf Freunden" soll Enid selbst sein. (Bild: Bassermann)

Die wilde George (ganz rechts) aus den „Fünf Freunden“ soll Enid selbst sein. (Bild: Bassermann)

Auch sich selbst hat Enid Blyton in ihren Büchern versteckt. Nicht bei „Hanni und Nanni“, sondern in einer anderen ihrer berühmten Reihen: die „Fünf Freunde“. Georgina, die nur George genannt werden will und viel lieber ein Junge wäre, soll Enid als Kind sein. George ist dickköpfig und mutig. Mit ihren Freunden erkundet sie verlassene Inseln, Leuchttürme und Burgruinen. Dabei kämpfen sie gegen Diebe, Zauberer und Verbrecher-Banden.

Ein ganzes Leben lang dachte sich Enid Blyton Geschichten für Kinder aus. Jeden Tag schrieb sie viele Seiten. Mehr als 700 Bücher und 10 000 Kurzgeschichten hat sie veröffentlicht. Die wurden in so viele Sprachen übersetzt wie sonst bei fast keinem Schriftsteller: Kinder in mehr als 150 Ländern lesen sie, ob auf Französisch, Spanisch oder Griechisch – so wie du auf Deutsch.

Als Erwachsene erlebte Enid Blyton wenige Abenteuer. Sie schrieb ja den ganzen Tag. Deswegen hatte sie auch für ihre Familie oft nur wenig Zeit. Sie war zweimal verheiratet und bekam zwei Töchter. Für einige Jahre war Enid Blyton Lehrerin. Da soll sie ziemlich streng gewesen sein – ein bisschen so wie die Französischlehrerin bei Hanni und Nanni. Aber es hatte einen großen Vorteil, in ihrer Klasse zu sein: Die Schüler hörten ihre neuesten Abenteuer, lange bevor sie gedruckt wurden. Enid Blyton las sie im Unterricht vor und testete so, ob sie Kindern gefielen.

Klettern mit George

Als Enid Blyton mit 71 Jahren starb, konnte sie sich schon lange keine Gedichte mehr merken und auch nicht mehr schreiben. Sie war an Alzheimer erkrankt. Menschen mit Alzheimer können sich nur noch sehr schlecht an viele Dinge erinnern. Doch auch wenn Enid Blyton tot ist – in ihren Büchern wird sie immer ein Kind bleiben: Und wenn du willst, kannst du jederzeit mit George und den „Fünf Freunden“ auf einen Leuchtturm klettern oder eine verlassene Insel erkunden.

Von Annika Leister