Sais Leben ist voller indischer Traditionen

Sais Leben ist voller indischer Traditionen
Sai trägt zum Tanzen oft indische Kleidung. Foto: -/privat/dpa

Die elf Jahre alte Sai lebt schon fast ihr ganzes Leben in Deutschland. Doch in ihrem Alltag findet sich viel aus dem Land Indien, zum Beispiel beim Essen, Tanzen und Beten.

Handbewegung sitzt. Sai lächelt das Publikum an und schwingt mit ihrem Rock im Takt. Besonders häufig zeigt sie Tänze aus dem asiatischen Land Indien, bei indischen Festen, im Tempel oder auf Partys.
Das ist kein Zufall. Zwar lebt Sai fast die meiste Zeit ihres Lebens in der deutschen Hauptstadt Berlin. Aber ihre Familie kommt aus Indien. Deswegen gibt es in ihrem Leben viele indische Traditionen. Zum Beispiel hebt sie eine Hand mit abgespreiztem Daumen und
abgespreiztem kleinen Finger, wenn sie ihrer Mutter zeigen will, dass sie etwas trinken möchte.
Zu Sais Alltag gehört es, jeden Morgen vor dem Hausaltar zu beten. „Immer am Donnerstag machen wir auch ein Aarti, bei dem wir eine Kerze vor dem Gott anzünden“, erzählt Sai. „Wir legen ihm auch Früchte und Blumen hin.“ Sie und ihre Familie sind Anhänger des
Hinduismus.

Sai und ihre Mutter Sona beten mehrmals am Tag vor dem Hausaltar der Familie. Foto: -/privat/dpa

Lieber nicht auffallen

Dann geht die Elfjährige in die Schule, nicht in ihrer Tanzkleidung oder sonstigen indischen Kleidern. Sie kleidet sich wie ihre Freundinnen in T-Shirt und Jeans oder Röcken. „Sonst würde ich zu sehr auffallen“, sagt Sai. Das möchte sie lieber nicht.
In der Schule isst Sai auch zu Mittag, aber nur so viel, dass gerade der Hunger weg ist. Denn wenn sie am Nachmittag nach Hause kommt, hat ihre Mutter noch ein Mittagessen gekocht. Dann gibt es leckere indische Speisen, zum Beispiel Dosa. Das sind riesige Pfannkuchen aus einem speziellen Reis-Hülsenfrüchte-Teig.
Sai und ihre Mutter sind sich in vielen Dingen einig. Zum Beispiel sind sie sehr gerne ein Teil der deutsch-indischen Kultur. Nur wenn es um das Essen in Deutschland geht, gehen ihre Meinungen manchmal auseinander. Zu Milchreis sagt Sai: „Reis und Milch passen doch gut zusammen!“ Ihre Mutter kann da nur den Kopf schütteln. Denn so eine Kombination kennt man in Indien nicht.

Treffen mit der Familie per Videoanruf

Jeden Sonntag trifft Sai die anderen Mitglieder ihrer Familie, leider aber nur am Bildschirm. Alle sprechen in einem Videoanruf miteinander. Nur ein- bis zweimal im Jahr fliegt Sai nach Indien und trifft die Verwandtschaft in echt.
„Ich liebe die indische Kultur, denn sie bedeutet für mich Familie“, sagt Sai. Sie sei natürlich auch sehr gerne in Deutschland zu Hause. Hier sind schließlich ihre Schule und ihre Freundinnen. Wie passend, dass Sai mehrere Sprachen spricht: Hindi und Kannada aus Indien sowie Deutsch und Englisch.
Einmal fragte ihre Mutter sie: „Wie glücklich bist du hier in Deutschland?» Sais Antwort: „Mittel-glücklich.“ Darauf die Mutter: „Und wie glücklich in Indien?“ Sai meinte: „Vollkommen glücklich.“

Von Doreen Garud (dpa)