Rückwärtssalto und Drehung in der Luft

Rückwärtssalto und Drehung in der Luft
Annika Morgan und ihr Team beim Big-Air-Weltcup in Peking, China. Foto: Buchholz/FIS Snowboard/dpa

Annika Morgan steht ganz oben auf dem riesigen Stahlgerüst. Sie blickt mit einem mulmigen Gefühl nach unten. Vor ihr geht eine kurze, steile Piste los. Dann traut sie sich. Sie fährt auf ihrem Snowboard los und springt ab. In der Luft zeigt sie ein Kunststück und landet sicher auf den Füßen.

Annika Morgan traut sich, mit dem Snowboard über riesige Rampen zu springen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Annika Morgan ist 17 Jahre alt. Wenn es um solche Sprünge geht, ist sie eine der besten Snowboarderinnen der Welt. Mit dem Brett unter ihren Füßen springt sie über große Schanzen und zeigt schwierige Tricks. Die Sportlerin hat uns von ihrem besonderen Hobby erzählt.

Ab in die „große Luft“

„Am Anfang hat man schon ziemlich Angst, da runterzufahren“, erzählt sie. „Aber ich freue mich.“ Denn in diesen Tagen startet Annika bei den Olympischen Jugend-Winterspielen. Sie finden in diesem Jahr zum dritten Mal statt, hauptsächlich in den Alpen der Schweiz, aber auch in Frankreich. Der Wettbewerb ist am Donnerstag gestartet und geht noch bis übernächsten Mittwoch.

Die Schweizer Athletin Gina Zehnder entzündet den Kessel mit der olympischen Flamme während der Eröffnungszeremonie der Olympischen Jugend-Winterspiele 2020. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Die Disziplin, in der Annika am besten ist, heißt übrigens „Big Air“. Das ist Englisch und bedeutet „große Luft“. Tatsächlich fliegen die Snowboarder und Snowboarderinnen weit durch die Luft, ehe sie landen. Je schwieriger die Tricks sind, die sie bei dem Sprung zeigen, desto mehr Punkte bekommen sie. Bei ihren ersten Wettkämpfen im Weltcup in diesem Winter wurde Annika Morgan schon Siebte und Neunte.

Internat für Sportler

Die Schülerin kommt aus dem Bundesland Bayern. Sie hat bereits mit sechs Jahren mit dem Snowboarden angefangen. Mit ihrem Bruder Ethan lernte sie die ersten Tricks. Heute geht sie auf ein Internat, das extra für Sportler ist. Neben der Schule bekommt Annika Morgan auch Zeit zum Trainieren. Außerdem darf sie bei Wettkämpfen auch mal länger in ihrer Klasse fehlen.

Training auf Luftkissen

Wusstest du, dass Snowboarder wie Annika beim Training auf besonderen Luftkissen landen? Schließlich springen die Sportler bei ihren Wettbewerben über große Schanzen. Wenn man da stürzt, kann man sich heftig wehtun. Auf den Luftkissen ist das nicht schlimm. Wenn die Sportler neue Tricks lernen und nicht perfekt auf den Beinen landen, werden sie so weich abgefedert. Die Kissen nennt man „landing bags“. Das heißt übersetzt etwas wie Landebeutel.

Irgendwann können die Snowboarder darauf richtig landen. Erst dann trauen sie sich, ihre Tricks auch auf normalem Schnee ohne Extraschutz zu machen. Annika Morgan trainiert außerdem regelmäßig auf einem Trampolin. „Da gehe ich dreimal die Woche nach dem Unterricht hin“, sagt die Snowboarderin.

Annika Morgan fliegt mit ihrem Snowboard hoch durch die Luft. Foto: Buchholz/FIS Snowboard/dpa

60 Meter hohe Rampe

Das Reisen für die Wettkämpfe macht Annika großen Spaß. Anfang November war sie für ein paar Tage in Italien. Im Dezember reiste sie mit den besten deutschen Snowboardern in die chinesische Hauptstadt Peking. Bei der Gelegenheit konnte sie sich auch ein bisschen das Land anschauen. Sie besuchte zum Beispiel Sehenswürdigkeiten wie die berühmte Chinesische Mauer. In zwei Jahren werden in Peking die Olympischen Winterspiele ausgetragen. Die Rampe dort ist 60 Meter hoch – etwa so hoch wie der schiefe Turm von Pisa.

Eine Sache will Annika Morgan bis dahin noch lernen: den Sprung „Cab Double Underflip“. Dabei macht man in der Luft zwei Rückwärtssaltos nacheinander und dazu noch eine halbe Drehung. Auch dafür muss man ziemlich mutig sein.

Mit Traktoren und Lastwagen wird Schnee herbeigeschafft.Foto: Leandre Duggan/KEYSTONE/dpa

Schnee-Lieferung

Vielleicht hast du jetzt überlegt, wie die Olympischen Jugend-Winterspiele stattfinden können, ohne dass es in diesem Winter viel geschneit hat. Die Veranstalter wussten sich aber zu helfen: Mit Traktoren und Lastwagen wurden viele Ladungen Schnee herbeigefahren, zum Beispiel zur Langlauf-Strecke.

Neben Langlauf stehen auch weitere Sportarten auf dem Programm: zum Beispiel Skispringen, Eishockey, Eisschnelllauf, Rodeln, Snowboard oder Skifahren. Neben Annika nehmen noch 90 weitere Athleten aus Deutschland teil. Sie sind zwischen 15 und 18 Jahren alt. Fans können die Wettkämpfe kostenlos besuchen. Oder sie auf dem Olympia-Kanal live im Internet anschauen, ohne dafür in die Schweiz zu fahren: www.olympicchannel.com

Von Manuel Schwarz (dpa)