Für Rekorde um den ganzen Erdball

Für Rekorde um den ganzen Erdball
Zertifikat vom Guinness-Buch der Rekorde. Foto: Armin Weigel/dpa

Lena Kuhlmann. Foto: Guinness World Records

Die schnellste Schildkröte oder die schwerste Zitrone der Welt: Verrückte Guinness World Records-Titel gibt es viele.

An diesem Wochenende versuchen bei einem Marathon in Berlin wieder 15 Menschen, einen Weltrekord aufzustellen. Wir haben mit Lena Kuhlmann (33) gesprochen – die vor Ort entscheidet, ob ein Rekord geglückt ist.

Frau Kuhlmann, Sie sind die einzige Rekordrichterin Deutschlands. Würden Sie selbst gerne einen Rekord aufstellen?
Ich dürfte es gar nicht, denn es gibt niemanden, der mich unabhängig beurteilen kann. Wenn jemand aus meiner Familie teilnehmen wollen würde, dürfte natürlich auch ich nicht die Rekordrichterin sein. Wenn ich aber könnte, würde ich etwas im Bereich Geschicklichkeit machen. Marshmallows mit Essstäbchen fangen oder so. (lacht)

Lars trägt Schuhgröße 57. Damit hat er einen Rekord gebrochen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Das war großer Zufall. Ich saß bei meiner Mama zu Hause auf dem Sofa und habe Fernsehen geschaut. Da habe ich einen Bericht über einen anderen Rekordrichter gesehen, der über seine Arbeit erzählt hat. Daraufhin habe ich bei Guinness World Records angerufen und hatte das Glück, ausgewählt und in London als Rekordrichterin ausgebildet zu werden. Jetzt reise ich um die Welt und entscheide, ob ein Rekord aufgestellt oder ein alter Rekord gebrochen wurde.

Wie viele Rekordrichter gibt es?
Als ich Ende 2015 angefangen habe, gab es nur 40 Rekordrichter auf der Welt. Inzwischen sind es etwa 90. Aber um einen Rekord aufzustellen, ist es gar nicht zwingend erforderlich, dass ein Rekordrichter anwesend ist. Das ginge auch gar nicht bei den alleine 50 000 bestehenden Rekorden in unserer Datenbank. Mit genügend Beweismaterial, also zum Beispiel Videos, kann man den Rekord auch aus der Ferne von uns überprüfen lassen. Aber natürlich ist es schon etwas Besonderes, wenn jemand von uns vor Ort ist und den Rekord noch am selben Tag bestätigt.

Lena Kuhlmann und Matias Tosi, Leiter der Grünen Zitadelle und Initiator der Kampagne „Otto bricht Rekorde“, mit der Weltrekordurkunde vom Guinness-Buch der Rekorde für die weltweit längste Linie aus Vogelhäusern – mit 4389 Häuschen. Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Können Sie einen Rekord nennen, der Ihnen besonders in Erinnerung bleibt?
Es gab mal einen über die meisten Sitzsprünge auf einem Trampolin innerhalb einer Minute. Ein sechsjähriges Mädchen ist in Berlin gegen den bisherigen Rekordhalter angetreten, selbst professioneller Trampolinspringer. Das Mädchen hat 58 Sprünge geschafft, ihr Gegner „nur“ 53. Das war beeindruckend.

Hatten Sie schon mal Streit mit einem Rekordbewerber?
Die meisten nehmen es sportlich wenn es mal nicht klappt. Und ich biete mich auch immer als Buhmann an. Denn alle anderen, die da sind, sind ja intensiv involviert – für mich als Außenstehende ist es weniger schlimm, wenn es nicht klappt. Aber es gab tatsächlich mal eine Situation in Rumänien, die wollten die größte Unterrichtsstunde für Wiederbelebung organisieren. Leider fehlten Tausend Leute. Die waren dann tatsächlich etwas böse. Da bin ich dann auch schnell gegangen (lacht).

Fällt es Ihnen manchmal schwer, unparteiisch zu sein?
Es fällt mir nicht schwer, aber es ist immer wieder eine Herausforderung. Denn man ist ganz alleine und teilweise umgeben von tausenden Menschen, die alle einfach nur wollen, dass es klappt. Es gibt da eben zwei Seiten: Die persönliche Lena fiebert natürlich mit, aber gleichzeitig bin ich in meiner Rolle als Rekordrichterin dort, und dementsprechend stellt sich gar nicht die Frage, ob ich neutral oder unabhängig sein kann. Ich bin auch immer so konzentriert, dass gar kein Platz ist für andere Dinge oder Gefühle.

1400 Friseure schneiden für den Weltrekord gleichzeitig für mehr als fünf Minuten Haare und brechen damit den Rekord. Foto: Zhang Wenkui/SIPA Asia via ZUMA Wire/dpa

Bestimmt müssen Sie oft Fragen zu ihrem Job beantworten. Welche ist die Nervigste?
Journalisten stellen mir oft die Frage nach meinem Lieblingsrekord. Und die kann ich nicht beantworten, weil man keinen Rekord mit dem anderen vergleichen kann. Im Privaten ist die erste Reaktion oft, dass mir jemand etwas vorturnt und dann fragt, ob das jetzt ein Weltrekord war. Und nein, das ist es dann natürlich nicht!

Das Gespräch führte Elisa Sobkowiak