Die verlassene Stadt

Die verlassene Stadt
Das Schatzhaus ist das bekannteste Bauwerk in Petra. Oben in der Mitte sieht man die Urne. Darin wurde früher Gold vermutet. Foto: Mohammad Abu Ghosh/XinHua/dpa

Wer den Kopf reckt, kann sie erkennen: die Einschusslöcher der Gewehrkugeln. Diese sollten die Urne zerstören, die dort oben in die Felswand geschlagen war. Eine Urne ist eine Art Gefäß. „Die Menschen haben auf die Urne geschossen, weil sie hofften, dass dort Gold herausfällt“, sagt der Archäologe Stephan Schmid. Aber: In der Urne war kein Gold.

Das Schatzhaus ist das bekannteste Bauwerk in Petra. Foto: Mohammad Abu Ghosh/XinHua/dpa

Was ist Petra?

Die Urne ist Teil einer prächtig verzierten Felswand. Sie steht in Petra. Das ist eine verlassene Stadt, in der vor mehr als 2000 Jahren die Nabatäer lebten. Petra war die Hauptstadt dieses Volkes. Heute liegt die Felsenstadt im Land Jordanien im Nahen Osten. Viele Bauwerke der Nabatäer sind noch erhalten. Denn die Menschen schlugen sie häufig direkt in die Felsen. Sie bauten so Tempel, ein Theater und viele Grabkammern. Später verputzten Arbeiter die Außenwände. Sie strichen also einen Belag darüber, der den eigentlichen Fels verdeckte.

Warum machte man das?

Das hatte zwei Gründe, erklärt Stephan Schmid. Erstens wollten die Menschen die bearbeiteten Felswände vor Wind und Regen schützen. Zweitens konnten die Nabatäer den Putz bunt bemalen und ihre Bauwerke noch schöner gestalten. „Da wurde richtig dick aufgetragen“, erklärt Stephan Schmid: „Quietschgelb, Schweinchenrosa, knalliges Blau, das alles kam dort vor.“ Heute kann man die Farben aber nicht mehr sehen.

Die Nabatäer bauten ihre Bauwerke direkt in die Felsen. Foto: Rebecca Krizak/dpa

Wie groß war Petra?

Stephan Schmid war schon so oft in Petra, dass er seine Besuche nicht mehr zählen kann. Er arbeitete dort an Ausgrabungen mit. „Petra war vor 2000 Jahren eine Großstadt“, erzählt er. Etwa 30 000 Menschen sollen dort gelebt haben.

Besonders war: Die Nabatäer bestatteten ihre Toten nicht außerhalb der Stadt, sondern nahe bei den Lebenden. Um das Felsengrab eines Familien-Oberhaupts reihten sich die Wohnbereiche und andere Gräber der Großfamilie. „Das ist ein Zeichen dafür, dass die Nabatäer ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit in ihren Familien hatten“, sagt Stephan Schmid.

Was weiß man noch nicht?

Forscher fanden eine Menge über Petra heraus. Aber es gibt noch Rätsel. Etwa die Frage, warum sich die Nabatäer ausgerechnet diesen Ort aussuchten. Sie bauten Petra in eine trockene Gegend, obwohl nur wenige Kilometer entfernt frisches Quellwasser vorhanden gewesen wäre. „Man musste dieses Frischwasser über mehrere Kilometer dort hinbringen“, sagt der Fachmann. Außerdem war Petra in manchen Monaten durch starke Regenfälle gefährdet. Deshalb mussten die Nabatäer aufwendig Dämme bauen und das Wasser in die Stadt umleiten. 

Heute tragen Kamele manche Touristen durch die Felsenstadt. Foto: Rebecca Krizak/dpa

Warum ist die Stadt verlassen?

Das könnte auch der Grund gewesen sein, warum das Volk die Stadt irgendwann aufgab. „Es war einfach zu viel Aufwand, dort ein angenehmes Leben zu führen“, sagt Stephan Schmid. Mit der Zeit vergaß man dann, was es mit Petra auf sich hatte. Erst als vor etwa 200 Jahren ein Mann aus dem Land Schweiz die Felsenstadt wiederentdeckte, wuchs das Interesse wieder. Und es besteht bis heute: Im vergangenen Jahr besichtigten etwa eine Million Menschen die Stadt Petra. (dpa)

Die Aussprache

Der Name der Felsenstadt erinnert viele an den Frauennamen Petra. Der Stadtname wird aber anders betont. Beim Vornamen Petra wird das E lang gezogen. Den Namen der Stadt dagegen spricht man mit einem kurzen E. Beide Wörter haben ihren Ursprung in der griechischen Sprache. Dort bedeutet Petra so viel wie „Fels“.

Von Rebecca Krizak