Beim Essen den Planeten schützen

Beim Essen den Planeten schützen
Foto: FOODerstand/ Alex Krause


Linsensuppe, Nudeln mit Ketchup oder Kartoffeln mit Fischstäbchen und Spinat: Na, ist dein Favorit dabei? Du, deine Familie, deine Freunde und deren Freunde – wahrscheinlich würden sich alle für etwas anderes entscheiden. Denn alle Menschen haben ihre eigenen, unterschiedlichen Essgewohnheiten, von denen manche gesünder und andere weniger gesund sind.

Die Lebensmittel, die du zu dir nimmst, können aber nicht nur beeinflussen, wie du dich fühlst – ob fit, energiegeladen oder vollgefuttert. Was wir essen hat Einfluss auf die ganze Erde! Deshalb ist das Motto des sogenannten Earth Day am heutigen Tag auch „Jeder Bissen zählt. Schütze, was du isst, schütze unsere Erde“. Was das genau heißt? Das erklärt dir Ernährungswissenschaftlerin Saskia Meyer. Sie ist unter anderem bei „Parents for Future“ aktiv – und setzt sich für nachhaltige Ernährung ein.

Saskia Meyer. Foto: FOODerstand/ Alex Krause

Interview

Was ist nachhaltige Ernährung?
Dabei spielen vier verschiedene Säulen eine Rolle: Deine eigene Gesundheit, die Gesundheit der anderen, die Gesundheit der Tiere und die des Planeten. Wenn all diese Punkte berücksichtigt sind, dann kann man von nachhaltiger Ernährung sprechen.

Wie erkennt man ungesunde Lebensmittel?
Vielleicht kennst du das: Wenn wir zum Beispiel Fast Food essen, fühlen wir uns manchmal, als würden wir krank werden und sind danach richtig kaputt. Das liegt daran, dass unser Immunsystem einen Teil der aufgenommenen Stoffe bekämpft. In vielen fertigen Lebensmitteln ist weißer Zucker, ein hoher Salzgehalt und wir essen viele Weißmehlprodukte, anstatt zum Beispiel Vollkornnudeln. Das ist für die erste Säule, deine eigene Gesundheit, auf Dauer nicht gut.

Foto: FOODerstand/ Alex Krause

Und wie sieht es mit den anderen Säulen aus?
Sie hängen zusammen: Viele Tiere werden zum Beispiel nur gezüchtet, damit wir sie essen können. Leider werden sie oft nicht artgerecht gehalten. Und natürlich brauchen die Tiere auch Futter! Dafür wird in anderen Ländern, vor allem in den USA, Brasilien und Argentinien die Pflanze Soja angebaut. Damit Platz für die riesigen Soja-Felder ist, werden die Amazonas-Regenwälder immer weiter gerodet oder abgebrannt. Dabei sind die wichtig für unser Klima, denn sie nehmen das klimaschädliche CO2 aus der Luft auf. Außerdem braucht man viel Wasser für den Futteranbau, das den Menschen vor Ort, die teilweise sehr arm sind, fehlt. Hoher Fleischkonsum ist also nicht gut für die Gesundheit der anderen, der Tiere und des Planeten.

Können auch Kinder schon auf Fleisch verzichten oder sich sogar rein pflanzlich ernähren?
Grundsätzlich: Ja! Vorausgesetzt natürlich, du bist gesund und musst in deiner Ernährung nicht auf besondere Dinge achten. Aber: Wichtig ist, dass man richtig gut informiert ist. Denn alle Lebensmittel, die man weglässt, muss man auch ersetzen, damit der Körper trotzdem mit ausreichend Nährstoffen versorgt ist. In Fleisch ist viel Eisen und Eiweiß enthalten, genauso aber auch in Hülsenfrüchten und Nüssen. Will man sich vegetarisch ernähren, muss man also darauf zurückgreifen. In Milch und Käse ist viel Calcium. Lässt man Milchprodukte weg, sollte man den Körper beispielsweise über calciumhaltiges Mineralwasser und grünes Gemüse wie Kohl und Brokkoli versorgen.

Gibt es Nährstoffe, die schwierig zu ersetzen sind?
Bei einer Ernährung, die nur aus Pflanzen besteht, wäre da noch das Problem mit dem Vitamin B12: Vor allem für Kinder ist das wichtig, damit sich das Gehirn richtig entwickeln kann. Es ist nur in tierischen Produkten enthalten. Wer kein Fleisch, keine Eier und keine Milch isst, muss B12 über Kapseln oder Tropfen zu sich nehmen. Außerdem sollte auf sogenannte langkettige Omega-3-Fettsäuren und Jod geachtet werden. Die gibt es in manchen Ölen und Salz. Wenn dich das genauer interessiert, fragst du am besten einmal deine Eltern und suchst mit ihnen Infomaterial heraus. Oder du fragst in der Schule, ob ihr euch mit dem Thema beschäftigen könnt.

Das Motto des Earth Day heute ist „Jeder Bissen zählt“. Was ist damit gemeint?
Stell dir ein Fließband vor: Darauf liegen zum Beispiel Fleisch und Produkte, die in Plastik eingewickelt sind. Sie fallen am Ende des Fließbands in Kisten, die zu Supermärkten gebracht werden. Wenn wir selbst im Supermarkt weniger davon kaufen, würde der Supermarkt weniger dieser Kisten bestellen. Dann stapeln sich am Ende des Fließbands die Kisten, bis die Firma irgendwann entscheidet: Wir produzieren weniger davon! „Jeder Bissen“ von uns kann also dazu beitragen, dass es dem Planeten besser geht.

Du lebst selbst vegan, isst also keine tierischen Produkte. Wäre unser Planet gerettet, wenn sich alle so ernähren würden?
Das wäre zu einfach formuliert. Auch exotische Früchte, wie zum Beispiel Avocados, haben einen hohen Wasserverbrauch beim Anbau und bei ihrem weiten Transport wird viel CO2 ausgestoßen. Wichtig ist die Balance: Wer regionales Gemüse und Obst isst, auf seinen Fleischkonsum achtet und darauf, weniger in Plastik verpackte Lebensmittel zu kaufen, der macht wichtige Schritte zu einer nachhaltigen Ernährung.

Das Interview führte Elisa Sobkowiak