An der Grenze gestoppt

An der Grenze gestoppt
Flüchtlinge wärmen sich an einem Feuer am Ufer des Grenzflusses Evros. Foto: Ahmed Deeb/dpa

Vielleicht hast du die Bilder gesehen: Menschen, die sich Zelte aus Holz und Plastik gebaut haben und in der Nähe eines Flusses ausharren. Diese Menschen warten. Und zwar darauf, dass sie aus der Türkei nach Griechenland reisen dürfen, in die Europäische Union. Der türkische Präsident hat am Wochenende gesagt, die Grenze zwischen den Ländern sei offen.

Wo kommen die Menschen her?

Die meisten Menschen stammen aus Syrien. Dort gibt es schon seit neun Jahren Krieg. In den vergangenen Wochen sind die Kämpfe im Norden von Syrien wieder heftiger geworden. Deswegen sind viele über die Grenze in die Türkei geflohen. Doch viele der Wartenden sind schon seit Monaten oder sogar Jahren in der Türkei. Es sind auch Flüchtlinge aus Afghanistan und anderen Ländern dabei. Die Menschen leben in ihrer Heimat oft in Armut oder erleben Gewalt.

Migranten gehen in der Nähe des Grenzüberganges in Edirne eine Straße entlang. Foto: Emrah Gurel/AP/dpa

Warum wollen die Menschen in die Europäische Union?

Bislang lebten viele der Flüchtlinge in türkischen Lagern. Dort sind sie sicher vor Krieg und Gewalt. Gut geht es ihnen dort aber nicht. Oft arbeiten sie unter ungerechten Bedingungen, um sich und ihre Familien zu versorgen. Deshalb versuchen die Menschen, nach Griechenland einzureisen, also in die Europäische Union (EU). Zu dieser Gruppe gehören 27 Länder, unter anderem Deutschland. Die Leute hoffen, dass es ihnen dort besser geht. Von Griechenland aus wollen viele in andere europäische Länder weiterziehen.

Warum wollen die Flüchtlinge gerade jetzt über die Grenze?

In den vergangenen Jahren waren viele Flüchtlinge aus der Türkei mit kleinen Booten über das Mittelmeer nach Griechenland gekommen. Manche hatten auch versucht, die Grenze an Land zu überqueren. Im Jahr 2015 waren so sehr viele Flüchtlinge in die Europäische Union gekommen. Weil die Politiker verhindern wollten, dass noch mehr Menschen kommen, haben sie 2016 ein Abkommen mit dem türkischen Präsidenten geschlossen: Die Türkei soll verhindern, dass Flüchtlinge nach Griechenland reisen. Dafür bekommt die Türkei Geld von der EU, um die Flüchtlinge zu versorgen. Doch am Samstag sagte der türkische Präsident: „Die Tore sind offen.“ Viele finden nun: Die Türkei erpresst die EU. Sie lässt die Menschen über die Grenze, weil sie mehr Geld aus Europa möchte.

Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa

Wie ist die Lage an der Grenze?

Doch eigentlich ist die Grenze gar nicht offen. Deswegen sitzen nun viele Flüchtlinge fest: Sie befinden sich auf einem Stück Land an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland. Griechenland lässt die Menschen nicht einreisen. Sie werden mit Gewalt zurückgehalten. Die Türkei wiederum lässt sie nicht zurückkommen. Und die Flüchtlinge hoffen so sehr, doch in die EU reisen zu können, dass sie nun warten.

Wie geht es weiter?

Gestern sind wichtige Politiker aus der EU nach Griechenland gereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Angela Merkel sagte, sie könne verstehen, dass die Türkei mehr Unterstützung brauche, aber die Flüchtlinge dürften deswegen keinesfalls leiden. Das fordern auch unabhängige Hilfsorganisationen. Wie es genau weitergeht, müssen nun die Politiker entscheiden.

Von Angela Sommersberg (mit dpa)