Als die Politiker von Bonn nach Berlin zogen

Als die Politiker von Bonn nach Berlin zogen
Riesige Kisten mussten von Bonn nach Berlin geschafft werden. (Foto: dpa)

Warst du schon einmal in unserer Bundeshauptstadt? Heute ist das Berlin und die Stadt liegt rund sechs Stunden Autofahrt von Köln entfernt. Es gab aber auch mal eine Zeit, da hättest du für die Reise in die deutsche Hauptstadt nur wenige Kilometer weit fahren müssen – und zwar nach Bonn. In diesem Sommer vor 20 Jahren änderte sich das aber.

Wann war Bonn deutsche Hauptstadt?

Kölns Nachbarstadt Bonn wurde vor 70 Jahren zur Hauptstadt, im Jahr 1949. Vorher war es Berlin und zwar schon ziemlich lange. Denn schon 1709 wurde Berlin zur Hauptstadt des Staates Preußen – dieses Land lag damals auf einem Teil des heutigen deutschen Gebiets.

Warum brauchte Deutschland eine neue Hauptstadt?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in die Bundesrepublik und die DDR geteilt – Berlin lag genau auf der Grenze und wurde somit ebenfalls geteilt. Deshalb suchten die Politiker 1949 eine neue Stadt, die vorerst neue Hauptstadt werden sollte. Dort sollte dann die Regierung sitzen. Wenn Deutschland, also die Bundesrepublik und die DDR, wieder vereint sein sollte, würde Berlin wieder Hauptstadt werden – so war der Plan.

Wie wurde Bonn zur Hauptstadt?

Als eine neue Hauptstadt gesucht wurde, galt eigentlich Frankfurt am Main als Favorit, aber die Politiker im Bundestag entschieden sich für Bonn. Es heißt, dass sich vor allem der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer für Bonn einsetzte – er kam nämlich aus der Region. Die Politiker fanden aber auch gut, dass Bonn recht klein war – nach den Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945), die von Berlin aus befohlen worden waren, wollten die Deutschen lieber eine bescheidene, neue Hauptstadt. Außerdem  hatten vorher schon  wichtige politische Versammlungen in Bonn stattgefunden – und das hatte gut funktioniert. Am 3. November 1949 stimmte  der Bundestag für Bonn als neue Hauptstadt.

Was passierte nach der Wiedervereinigung?

1989 fiel die Berliner Mauer, Deutschland wurde wieder ein vereintes Land, die DDR gab es nicht mehr. Das bedeutete: Berlin wurde wieder Hauptstadt, oder? Obwohl das eigentlich so abgemacht war, stimmten die Politiker im Bundestag noch einmal darüber ab. Vor allem in Bonn und der Region gab es viele Proteste: Viele Menschen fürchteten um ihre Arbeitsplätze, die an den Standort einer Hauptstadt gekoppelt waren. Einige fanden aber auch, dass ein Umzug der Regierung und der Ministerien viel zu teuer war – immerhin mussten in Berlin zum Beispiel viele neue Gebäude für die Regierung gebaut werden. Trotzdem: 1991 stimmte der Bundestag für den Umzug von Bonn nach Berlin – mit knappen 338 zu 320 Stimmen.

Wann zog die Regierung dann um?

Eine Regierung kann nicht einfach ein paar Kisten packen, sie ins Auto stellen und umziehen – ein Hauptstadt-Umzug ist extrem aufwendig und muss gut  geplant werden. Drei Jahre nach der Abstimmung beschlossen die Politiker das sogenannte Bonn-Berlin-Gesetz: Damit regelten sie den Umzug und sagten zum Beispiel auch, dass sechs Ministerien ihren Hauptsitz in Bonn behalten sollten – und das ist bis heute so! Das Ministerium, das sich um  Umwelt und Naturschutz kümmert, oder jenes, das für Bildung und Forschung zuständig ist, sind zum Beispiel noch in Bonn. Mit dieser Regelung sollten Arbeitsplätze in der Stadt erhalten werden.  Allerdings sind die meisten Mitarbeiter der Ministerien heute in Berlin. Der wirkliche Umzug fand  dann erst 1999 statt.

Wie sinnvoll ist diese Regelung noch?

Die Politiker streiten immer wieder darüber, ob das Bonn-Berlin-Gesetz erneuert werden muss. Einige Politiker finden, dass es viel zu teuer ist, wenn Mitarbeiter immer wieder zwischen Bonn und Berlin pendeln. Stell dir mal vor: Im vergangenen Jahr sind die Politiker allein zwischen Bonn und Berlin etwa 115 000 mal geflogen.  Andere sagen, dass ein kompletter Umzug von Bonn nach Berlin viel teurer wäre – immerhin müssten dann neue Gebäude in Berlin gebaut werden. Deswegen sollen die Politiker sich in Zukunft auch häufiger in Videokonferenzen absprechen und nicht direkt fliegen. Denn das ist nicht nur teuer, sondern auch  schlecht fürs Klima.

Von Jennifer Wagner