Serie: Verliebtsein 1

Serie: Verliebtsein 1
Verliebtsein ist das schönste Gefühl der Welt. (Bild: Thinkstock)

In unserer neuen Serie geht es ums Verlieben und das Gegenteil: Liebeskummer

Teil 1: Interview mit Liebeskummer-Coach Carola Sander „Was passiert mit uns, wenn wir uns verlieben?“

Frau Sander, woher weiß ich, ob ich verliebt bin?

CAROLA SANDER Das äußert sich bei jedem etwas anders. Aber meistens gehören folgende Anzeichen dazu: Der Magen kribbelt – die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Das Herz rast – man ist sehr aufgeregt. Und hat extreme Glücksgefühle sobald der oder die Angebetete anwesend sind. Körper, Seele, Verhalten, alles spielt ein bisschen verrückt.

Ist Verliebtsein wie Verrücktsein?

SANDER : Es ist für gewisse Zeit wie ein körperlicher und seelischer Ausnahmezustand, wie im Rausch. Das liegt an den Hormonen, die der Körper dann ausschüttet. Sie wirken wie eine Droge. Man ist vollkommen fixiert auf die eine Person, denkt an nichts anderes, ist völlig euphorisch, also übertrieben gut gelaunt, extrem selbstbewusst und zuversichtlich.

Und wo ist der Haken? Drogenräusche sind ja nicht gerade gesund.

SANDER : Das Problem ist, dass man den Blick für die Realität verliert, wenn man vollkommen fixiert ist auf eine Person. Schaut man durch die rosarote Brille, übersieht man leicht die Fehler des anderen. Oder Dinge, die einen stören. Trifft vielleicht Leute oder tut Dinge, die nicht gut für einen sind.

 Ist das nicht normal, dem anderen gefallen zu wollen?

SANDER : Das Problem ist, dass man nicht mehr auf sich und seine Bedürfnisse achtet und Dinge vernachlässigt, die einem wichtig sind – die eigene Familie zum Beispiel, Freunde oder Hobbys. Sich so zu verhalten, wie man denkt, dass es der andere erwartet, ist generell nicht gut.

Was sollte ich stattdessen tun, dass ich ihm auffalle?

SANDER : So sein, wie du bist. Dich so kleiden, wie es deinem Typ entspricht. Das tun, was du selber gerne tust. Das ist nicht nur der oder dem Angebeteten gegenüber fair, es zahlt sich auch für dich aus. Wenn man sich verstellt, verliebt sich der andere in ein Bild, nicht in die Person, die man ist. Zum einen hält man es nicht lange durch, sich zu verstellen. Zum anderen ist derjenige, der einen nicht so liebt, wie man ist, auch nicht der richtige Partner.

Woher weiß ich, ob mein Schwarm der Richtige für mich ist?

SANDER: Viele meinen: Gegensätze ziehen sich an. Meine Meinung ist: Gemeinsame Interessen und ein gemeinsamer Freundeskreis sind bessere Voraussetzungen. Ich rate, nahestehende Personen zu fragen, ob die- oder derjenige die oder der Richtige ist. Freunde oder Eltern haben einen neutralen Blick – und eben nicht die rosa Brille auf.

Und wenn ja, soll ich ihm verraten, dass ich verliebt bin – oder soll ich ihn zappeln lassen?

SANDER: Ich bin dafür, offen über seine Gefühle zu sprechen, auch wenn das Mut kostet.

Ich bin schüchtern, könnte es ihm nicht meine Freundin stecken?

SANDER: Davon halte ich nichts. Es schafft beim anderen keine vertraute Atmosphäre, wenn die Freundin über alles Bescheid weiß. Und romantisch ist es auch nicht. Besser: Selber ansprechen, aber nicht sofort. Vorher sollte man Zeit gehabt haben, die begehrte Person kennenzulernen, bei gemeinsamen Unternehmungen oder beim Sport. Der richtige Zeitpunkt ist ein ruhiger, zweisamer Moment – also nicht vor der Clique oder auf dem Schulflur.

Das Gespräch führte Caroline Kron

 

Zur Person: Carola Sander ist Liebeskummer-Coach. Sie berät auch Jugendliche in Sachen Liebe.

Infobox: Und darum leidest du bei Liebeskummer

Ein bisschen wie Entzugserscheinungen wie bei Rauchern, wenn sie kein Nikotin mehr bekommen, ist das, was in unserem Körper passiert, wenn wir Liebeskummer haben. Weil dann die positiven Glückshormone und die Endorphine weniger und andere Hormone, die zum Beispiel für Trauer und Wut zuständig sind, stärker produziert werden. Also fühlen wir uns schlecht, abgeschlagen, wenig schön, haben manchmal keinen Hunger, keinen Antrieb und sind lustlos – wir leiden an Herzschmerz. Das bedeutet Stress für den Körper, der die Hormon-Steuerung im Gehirn aus dem Takt bringt – und uns viel weinen lässt.

Das passiert im Körper, wenn du verliebt bist

Wenn man verliebt ist, fühlt man sich, als würde man auf einer Wolke schweben – alles erscheint wunderbar. Wie das kommt? Das liegt an der Chemie in unserem Körper. Genauer: An den Hormonen, die für all unsere Gefühle zuständig sind. Das Stresshormon Adrenalin sorgt für unsere Aufregung, ein Glückshormon verbessert die Stimmung und Endorphine lösen Euphorie aus und lindern Schmerzen. Im Gehirn von Verliebten passieren seltsame Dinge. Es werden Teile außer Kraft gesetzt, die für das Gedächtnis, für Aufmerksamkeit und Angst zuständig sind. Deshalb können wir nicht klar denken – und sehen alles positiv und furchtlos.

 

zur Folge 2 der Serie >