Ein Baum mit vielen Augen

Ein Baum mit vielen Augen
Die Waldohreule ist auf ihrem Ast gut getarnt. Foto: Philipp Brandstädter/dpa

Eulen bekommen wir Menschen nicht allzu häufig zu Gesicht. Einerseits leben sie oft im Wald und sind nachts aktiv. Außerdem sind sie dort nahezu lautlos unterwegs. Doch manche Vögel haben es sich auch in den Städten gemütlich gemacht.

Auf den ersten Blick wirkt die Eibe wie jeder andere Baum. Die rotbraunen Äste ragen in den Himmel. Ihre Zweige sind dicht mit Nadeln bewachsen. Nur der Dreck auf dem Boden sieht ungewöhnlich aus. Dann bewegt sich ein braunes, plüschiges Stück Ast. Das ist gar kein Ast! Auf dem Baum tut sich etwas. Plötzlich starren große Augenpaare hinunter. In der dichten Eibe wohnen mehrere Waldohreulen.

Wie viele Eulen kannst du entdecken? Foto: Philipp Brandstädter/dpa

Waldohreulen besetzen Bäume und dichte Sträucher zum Schlafen. Dort sitzen sie gut versteckt und oft in größeren Gruppen reglos beieinander und bleiben mucksmäuschenstill. So bleiben sie so gut wie unbemerkt.

Hervorragend getarnt

Die Eulen sind hervorragend in ihrem Wohn-Baum getarnt. Mit ihrem gedrungenen Körper und ihrem rotbraunen Gefieder wirken sie eher wie Extra-Äste. Erst wenn sie ihre gelben Augen aufreißen, sieht man die Tiere ganz genau. Dann kann man auch ihre putzigen Federohren erkennen, die von ihrem runden Kopf abstehen.

„Die Federohren können die Eulen anlegen oder in eine bestimmte Richtung lenken“, erklärt Eulen-Experte Ansgar Poloczek. „So wissen sie ganz genau, woher ein Geräusch kommt, etwa von Mäusen.“ Und auf diese kleinen Nager haben es die Eulen ganz besonders abgesehen. Nur selten fressen die Raubvögel auch mal einen kleineren Vogel oder ein größeres Insekt.

Wenn die Eulen jagen, gleiten sie dicht über dem Boden und halten Ausschau nach ihrer Beute. Dabei bleiben sie nahezu unbemerkt. „Einerseits sind Eulen nachtaktiv und jagen im Dunkeln“, erklärt der Fachmann. So können viele Tiere sie gar nicht erst sehen. „Außerdem fliegen die Eulen dank besonderer Federn an den Flügelspitzen quasi lautlos.“ Die Kanten dieser Federn haben so etwas wie Zähne. Dort kann die Luft hindurchstreichen, ohne ein Geräusch zu machen.

Wie viele Eulen kannst du entdecken? Foto: Philipp Brandstädter/dpa

Mäuse als Beute

Wenn eine Waldohreule eine Maus entdeckt hat, packt sie ihre Beute rasch mit ihren starken Krallen. Dann verschluckt sie sie. Die Haare und Knochen ihrer Beutetiere können die Waldohreulen jedoch nicht verdauen. Daher würgen sie regelmäßig einen Ballen mit den Überresten von Mäusen heraus. Diese grauen Ballen werden auch Gewölle genannt.

Das ist der graue Dreck, der unter einem Baum voller Eulen auf dem Boden liegt. Am Gewölle kann man am besten erkennen, ob eine Gruppe Eulen sich einen dicht bewachsenen Baum als Wohn-Baum ausgesucht hat.

Von Philipp Brandstädter (dpa)