Was passiert eigentlich in einem Klärwerk?

Das Maskottchen der Wasserschule des Klärwerks in Stammheim kennt alle Geheimnisse des Klärwerks. (Foto: Wasserschule)
Das Maskottchen der Wasserschule des Klärwerks in Stammheim kennt alle Geheimnisse des Klärwerks. (Foto: Wasserschule)

„Als Erstes Hände waschen!“ Das hörst du sicher oft, wenn du nach Hause kommst. Aber hast du dich schon einmal gefragt, was eigentlich mit dem Seifenwasser passiert, nachdem es im Abfluss verschwunden ist? Oder wo das schmutzige Wasser der Toilette hinfließt, wenn du auf die Spülung gedrückt hast? Es wird in einem Klärwerk gereinigt. Aber wie funktioniert das eigentlich?

Besuch im Klärwerk

So sieht es im Klärwerk aus. Was in den Röhren passiert, erfährst du in der neuen "Duda". (Foto: Rakoczy)

So sieht es im Klärwerk aus. Das Klärwerk in Stammheim ist so groß wie 72 Fußballfelder. (Foto: Rakoczy)

In Köln wird jeden Tag frisches Wasser benutzt: etwa 150 Liter pro Person. Zum Beispiel zum Duschen und Zähneputzen, Wäschewaschen oder für die Toilette. Ist das Wasser einmal schmutzig, kann man es nicht mehr trinken: Das Abwasser fließt durch den Abfluss oder von der Toilette durch Rohre in die Abwasserkanäle, die unter Häusern und Straßen verlaufen. Auch das Regenwasser gelangt von den Straßen durch Gullys in die Kanäle.

Das dreckige Wasser ist für die Umwelt nicht gut, deshalb wird es in den fünf Kölner Klärwerken gereinigt, ehe es in den Rhein fließen kann. Das größte Klärwerk in Köln ist in Stammheim, es ist so groß wie 72 Fußballfelder. Hier sitzt auch die Wasserschule Köln, in der Kinder alles über das Thema Wasser erfahren. Duda hat sich mit der Leiterin Veronika Dunkel getroffen und sich von der Biologin erklären lassen, wie ein Klärwerk funktioniert.

Achtung, Müffel-Alarm!

Im Rechen bleibt alles möglich hängen, was die Leute in die Toilette werfen. (Bild: Rakoczy)

Im Rechen bleibt alles möglich hängen, was die Leute in die Toilette werfen. (Bild: Rakoczy)

Durch die Abwasserkanäle fließt das Schmutzwasser zum Klärwerk: Hier kommt alles an, was in Toiletten und Abflüsse gespült oder mit dem Regen in die Kanalisation geschwemmt wurde. Abfall stinkt und deshalb kann es hier schon mal müffeln. Als Erstes befördern große Pumpen das Schmutzwasser zu Rechen. Die funktionieren wie ein Sieb: Es bleiben zum Beispiel Feuchttücher, Klopapier und Essensreste hängen. Das alles wird entwässert und in die Müllverbrennungsanlage gefahren. „Am Schmutz im Rechen kann man die Jahreszeit ablesen“, verrät Veronika: „Im Herbst viel Laub und zu Karneval Konfetti!“ Das Wasser fließt weiter in den Sandfang, wo Sand und kleine Steine, die im Wasser mitschwimmen, herausgefiltert werden. Nach dem Trocknen kann man den Sand zum Beispiel für den Bau neuer Straßen benutzen.

Wie die Heinzelmännchen

Das Wasser im Nachklärbecken sieht fast schon wieder sauber aus. Hier sinkt der Schlamm zu Boden. (Foto: Rakoczy)

Das Wasser im Nachklärbecken sieht fast schon wieder sauber aus. Hier sinkt der Schlamm zu Boden. (Foto: Rakoczy)

Wenn du an Bakterien denkst, fallen dir vielleicht erst mal fiese Krankheiten ein, die man dadurch bekommen kann. Aber es gibt auch fleißige Bakterien, manche helfen zum Beispiel dabei, Abwasser wieder sauber zu machen. Nachdem es von grobem Dreck und Sand gesäubert wurde, ist es nämlich noch längst nicht sauber. Es schwimmen darin unter anderem noch Lebensmittelreste von Soßen, Fett oder Zucker, und auch Urin. „Die Bakterien des Klärwerks sind unsere fleißigsten Mitarbeiter. Sie futtern sich am Schmutz im Wasser richtig voll“, erklärt Veronika, „aber alles schmeckt ihnen auch nicht“. Zum Beispiel mögen sie kein Fett: Das wird mit einem Gerät aus dem Wasser geschöpft, das einen lustigen Namen trägt: Schwimmschlammschnecke. Sie sieht aus wie eine riesige Schraube, die sich im Wasser dreht und an der so das Fett hängenbleibt.

Alles klar?

Beeindruckend: Das sind die Faultürme im Klärwerk. (Foto: Rakoczy)

Beeindruckend: Das sind die Faultürme im Klärwerk. (Foto: Rakoczy)

Anschließend fließt das Wasser in eines der runden Nachklärbecken: Hier sinken die vollgefutterten Bakterien in einer Art Schlamm zu Boden. Der wird mit einem Schieber vom Wasser getrennt. 24 Stunden braucht das Wasser für seinen Weg durch das Klärwerk, ehe es in den Rhein fließen kann. Es ist nun fast wieder ganz sauber und darf zurück in die Natur. Der übrig gebliebene Schlamm mit den Bakterien wandert in hohe Betontürme, die Faultürme heißen. „Auch winzige Bakterien können ganz doll pupsen“, sagt Veronika und lacht, „das riecht man ja im Klärwerk auch. Das Gute ist: Das Gas aus den Pupsen der Bakterien in den Faultürmen stinkt nicht und man kann sogar Strom daraus machen.“ Der Rest des gefaulten Schlamms wird getrocknet und in Kraftwerken verbrannt: So entsteht auch daraus Strom.

Das darf nicht in die Toilette!

Die Leiterin Veronika Dunkel der Wasserschule Köln erklärt, was nicht ins Abwasser gehört. (Foto: Rakoczy)

Die Leiterin Veronika Dunkel der Wasserschule Köln erklärt, was nicht ins Abwasser gehört. (Foto: Rakoczy)

„Köln war lange Zeit auf dem ersten Platz der Städte, wo zu viel Müll in der Toilette landet, der da gar nicht rein soll“, verrät Veronika, „Öl und Fett aus Bratpfannen, Wattestäbchen zum Ohrenputzen, schädliche Chemikalien oder Essensreste gehören nämlich in den Restmüll“. Der Grund: Zu viel Müll im Wasser kann Abwasserrohre verstopfen und Ratten anlocken. Außerdem macht er es den Klärwerken schwer, das Wasser wieder sauber zu bekommen. Und wenn das Wasser zu dreckig oder sogar giftig ist, schadet das der Umwelt.

Die Wasserschule

Die Villa Öki der Wasserschule bietet tolle Veranstaltungen für Kinder rund um das Thema "Wasser und Umwelt" an. (Foto: Rakoczy)

Die Villa Öki der Wasserschule bietet tolle Veranstaltungen für Kinder rund um das Thema „Wasser und Umwelt“ an. (Foto: Rakoczy)

Hier wird kein Deutsch oder Mathe gebüffelt: In der Kölner Wasserschule dreht sich alles ums Wasser, warum es so wertvoll ist und wie wir es schützen können. In der Villa Öki auf dem Gelände des Klärwerks in Stammheim können Vorschulkinder und Schulklassen Experimente machen, Filme schauen, über einen Lehrpfad gehen und ihr Wasser-Wissen im Quiz testen. Besonders spannend sind die Führungen durch das Klärwerk in Stammheim, wo Abwasser gereinigt wird, und durch das Wasserwerk Westhoven, wo Trinkwasser gewonnen wird. „Das wissen auch viele Erwachsene nicht, dass im Klärwerk aus dem Abwasser zwar sauberes Wasser, aber kein Trinkwasser gemacht wird. Trinkwasser kommt aus dem Wasserwerk“, erklärt Veronika. Gegründet wurde die Schule 2011 vom Verein Wasserforum, der Rheinenergie, die Köln mit Trinkwasser versorgt, und den Stadtentwässerungsbetrieben StEB, die sich ums Kölner Abwasser kümmern.

Wettbewerb „Wir machen blau“

Beim Schülerwettbewerb „Wir machen blau“ kannst du mit deiner Klasse oder AG etwas malen, basteln oder gestalten, Hauptsache es hat mit Wasser zu tun. Das Ganze schickt ihr bis zum 22. April an die Wasserschule. Es winken 200 Euro für die Klassenkasse und Turnbeutel voller Überraschungen. Mo, das Maskottchen der Wasserschule, drückt euch die Daumen! Wenn du mehr über den Wettbewerb und die Wasserschule wissen möchtest, schau rein auf: www.wasserschule-koeln.de

Von Doreen Reeck