Im U oder lieber an Gruppentischen?

Im U oder lieber an Gruppentischen?
In der Schule wollen viele neben der besten Freundin oder dem besten Freund sitzen. Foto: Arne Dedert/dpa

Egal, ob Schulkind oder Lehrkraft: Bei der Sitzordnung in der Schule hat wohl jeder Vorlieben und Lieblingsplätze. Drei Lehrkräfte erklären, welche Gedanken sie sich dazu machen.

Wenn ein neues Schuljahr beginnt, ändert sich oft einiges: Vielleicht gibt es einen neuen Klassenraum. Vielleicht kommen neue Kinder dazu. Häufig gibt es auch eine neue Sitzordnung. Lehrkräfte unterscheiden nach unterschiedlichen Gründen, wie eine Klasse im Raum sitzen soll. 
Maximilian Wesch unterrichtet Englisch und Geografie an einem Gymnasium in Berlin. Er mag in seinen Klassen am liebsten die normale Reihenordnung. „Also drei Gänge quasi: Fenster, Mitte und Wandreihe mit jeweils Zweiertischen.“ Es spare Platz, sagt er. In seinen Klassen sind häufig mehr als 32 Kinder. Außerdem lässt sich diese Sitzordnung leicht umbauen. „Bei mir wird relativ viel spontan hin- und hergeschoben. Es werden kleinere Gruppen gebildet, es werden Gruppentische gebildet, es finden auch Stunden statt, wo gar nicht mit Tischen gearbeitet wird, sondern in einem freien Arbeiten, im Stehen oder mit Bewegung“, erklärt Herr Wesch.

Was nicht funktioniert, wird geändert

Der Lehrer überprüft regelmäßig, ob die Sitzordnung funktioniert. Tut sie es nicht, ändert er sie. Er erklärt, dass er die Schülerinnen und Schüler beim Lernen an unterschiedlichen Plätzen im Klassenraum erleben möchte. So bekäme er verschiedene Eindrücke und könne den Schulkindern mehr Chancen bieten.

An Gruppentischen kann man gut zusammenarbeiten. Foto: Hannah Luisa Burmeister

Isabell Pencz stimmt da zu: „Natürlich sollen sich die Kinder wohlfühlen. Aber für uns Lehrer ist es vorrangig, dass die Kinder so gut wie möglich lernen können, und danach wählt man die Sitzordnung aus“, sagt die Mathelehrerin. Sie unterrichtet an einer Grundschule in Bargteheide im Norden von Deutschland.

Wenig Ablenkung ist wichtig

Frau Pencz hat keine Lieblingssitzordnung. Sie guckt sich an, was für eine Lerngruppe die Klasse ist. „Es gibt Lerngruppen, wo die Kinder wunderbar in Gruppentischen zusammensitzen können, ohne dass sie sich beim Lernen behindern. Und es gibt Lerngruppen, wo das eben überhaupt nicht funktioniert, wo jede kleinste Ablenkung das Lernen verhindert.“ Bei so einer Lerngruppe stellt Frau Pencz die Tische wie ein U auf. So haben die Kinder jeweils links und rechts nur einen
Sitznachbarn und sitzen mit der Seite oder gerade nach vorn zur Lehrkraft.

Wenig Ablenkung findet auch Ulrike Jacobs-Staack wichtig, gerade bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern. Sie ist Englischlehrerin an einer Gemeinschaftsschule in Eckernförde im Norden von Deutschland. Bei ihren Sitzordnungen achtet sie auch darauf, dass sie für alle gut sichtbar ist und ansprechbar für Hilfe. Manchmal entscheiden auch Einschränkungen der Kinder über den Sitzplatz. Zurzeit hat Frau Jacobs-Staack drei Kinder in ihrer Klasse, die eine Sehschwäche haben. In dem Fall ist klar: Sie brauchen einen Sitzplatz ganz vorn vor der Tafel.

Von Hannah Luisa Burmeister (dpa)