Wenn Kinder zu viel leisten wollen

Wenn Kinder zu viel leisten wollen
Auf Tiktok und anderen Plattformen präsentieren sich einige Leute als besonders leistungsbereit. Das ist aber nicht das echte Leben, sagt eine Fachfrau. Foto: Robert Michael/dpa

In sozialen Medien präsentieren sich manche Leute, wie sie pausenlos rackern und dadurch angeblich super erfolgreich und glücklich sind. Aber ist das wirklich so toll?

Früh aufstehen, viel Sport, viel Arbeit, wenig Pausen. So präsentieren manche Menschen ihren Alltag in Videos zum Beispiel auf Instagram und Tiktok. Dabei vermitteln sie ihren Zuschauerinnen
und Zuschauern oft die Botschaft: Wenn du permanent schuftest, wirst du mega erfolgreich und es geht dir super.

Auch Jugendliche machen solche Videos. Ein typisches Video sähe dann vielleicht so aus: Früh aufstehen, lernen, Schule, Hausaufgaben, trainieren, pauken, schlafen gehen. Keine oder kaum Zeit mit Freunden
oder Familie verbringen.

Videos im Netz: Leistung für Anerkennung

Professorin Julia Linke ist Kinder-Psychologin. In ihrem Beruf beschäftigt sie sich mit den Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen von Kindern. Sie meint: „Oft erkennen wir nicht, dass diese Videos nur Geschichten sind und nicht das echte Leben“. Dadurch könne man übertriebene Vorstellungen von Leistung entwickeln, erklärt die Expertin.

Wer sich zu viel vornimmt, fühlt sich irgendwann überfordert. Foto: Nicolas Armer/dpa

Sie fügt hinzu: „Gemäßigter Leistungsdruck ist nichts Schlechtes. Er setzt Energie frei, die helfen kann schneller oder effektiver zu arbeiten“. Was sie jedoch an solchen Videos stört: „Kinder lernen
dadurch, dass sie extreme Dinge machen müssen, um liebenswert zu sein.“ Das stimme natürlich nicht: denn Kinder seien liebenswürdig,
egal, was sie leisten.

Folgen und Warnsignale

Die falschen Vorstellungen, die durch solche Videos entstehen, können sogar zu Problemen führen. „Wenn der dadurch erzeugte Leistungsdruck dazu führt, dass wir uns Ziele vornehmen, die wir gar nicht bewältigen können“, erläutert die Fachfrau. Der Aufgabenberg werde dann immer größer, genauso wie die Sorgen und Anspannungen. Und schließlich könne es passieren, dass man permanent erschöpft, traurig oder hoffnungslos werde.

Dafür gibt es schon frühe Anzeichen, sagt Julia Linke. „Das können Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen sein. Aber auch wenn man bemerkt, dass man ständig gereizt und nicht mehr belastbar ist, wenn die eigenen Gedanken nur noch um die Aufgaben kreisen, sollte man sich
Hilfe suchen.“ In Gesprächen kann man herausfinden, welche Ziele wirklich wichtig sind für einen. Eltern, Lehrer oder Therapeuten könnten auch helfen, die vorgenommenen Ziele in kleinere Schritte 
aufzuteilen. (dpa)