Unkraut? Gibt es hier nicht!
Mitten in der Stadt, versteckt hinter hohen Häusern, liegt ein Gemüsegarten. In dem wächst alles wild durcheinander. Das ist Absicht.
Mitten in der Stadt, versteckt hinter hohen Häusern, liegt ein Gemüsegarten. In dem wächst alles wild durcheinander. Das ist Absicht.
Kohl, Butterblume, Erbse und Löwenzahn: In diesem Garten wächst alles beisammen. Denn hier mischen sich die Menschen nicht groß ein. Permakulturgarten heißt das. Die Pflanzen sollen möglichst so gedeihen wie in der freien Natur. Wie das funktioniert, lernen die 15-jährige Malinda und die ein Jahr jüngere Margarete in einem Praktikum in der Stadt Berlin.
Morgens heißt es erst einmal durch den Garten wandeln. Auf kleinen Wegen bewegen sich Malinda und Margarete durch die Beete. Sie schauen, was sich in den Stunden ihrer Abwesenheit getan hat. An den Stellen, an denen die beiden Schülerinnen gesät haben, sprießen zarte Pflänzchen aus der Erde. Endlich! Die Mädchen freuen sich. Was dort wächst, wissen sie jedoch nicht. Malinda stellt fest: „Das haben wir vergessen, ins Gartenbuch zu schreiben.“
„Es gedeiht vieles, was wir gar nicht gesät haben.“
„Das macht nichts“, sagt Anne Gudurat. Sie ist hier die Gärtnerin. „Weil unser Boden so reich an Nährstoffen ist, und wir alles wachsen und blühen lassen, gedeiht auch vieles, was wir gar nicht gesät haben.“ Das heißt, sie müssen ohnehin genau bestimmen, was hier aus dem Boden sprießt. „Noch sind die Pflanzen dafür zu klein“, sagt Anne Gudurat. „Aber in ein paar Tagen wissen wir Bescheid.“
Wenn die Keimlinge einmal bestimmt sind, wird entschieden: Bleiben sie an dieser Stelle oder werden sie an einen anderen Ort gesetzt. Pflanzen, von denen es schon zu viel im Garten gibt, kommen auf den Kompost oder als Mulch zerkleinert auf die Beete. Oder es wird Dünger daraus gemacht, indem die Pflanzen mit Wasser angesetzt werden. Diese Jauche hilft auch gegen Schädlinge wie etwa Spinnmilben und Blattläuse. Anne Gudurat erklärt: „Alle Pflanzen sind zu etwas nütze. Unkraut und Abfälle gibt es im Permakulturgarten nicht.“
Vom Garten in die Küche
Selbst der wild über den Boden rankende Giersch darf bleiben. „Der kommt in den Salat“, sagt Margarete. Von den Erzeugnissen aus dem Garten wird die Küche des „Café Botanico“ versorgt. Es gehört zum Garten.
Für das Café wollen sie jetzt die Kräuter für Limonade auswählen. „Was könnte das sein?“, fragt Anne Gudurat ihre Schülerinnen. „Melisse und Minze“, schlägt Margarete vor. „Und vielleicht auch Süßdolde“, sagt Malinda. „Habe ich noch nie ausprobiert“, erwidert die Gärtnerin. „Aber keine schlechte Idee.“
Margarete erntet an dem kleinen Teich im Garten Wasserminze. Die Gärtnerin zeigt ihr, wie sie die Stängel abschneidet: „Am besten über der Stelle, an der sich die Pflanze verzweigt.“ So kann die Wasserminze gut nachwachsen, und es ist immer genug für eine leckere Limonade da.
Von Karlotta Ehrenberg (dpa)






