Auf Schatzsuche am Rhein

Auf Schatzsuche am Rhein
Foto: Csaba Peter Rakoczy

Langsam schreitet Markus Brüche am Rhein entlang, den Blick konzentriert auf den Sandboden gerichtet. Auf den Ohren trägt er Kopfhörer. In der Hand hält er einen langen Stab, den er gemächlich hin und her schwingt.

Schatzsucher und Sondengänger Markus Brüche auf Schatzsuche am Rhein. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Was er da tut? Das fragen sich die meisten Menschen, die ihn dabei beobachten. Die Antwort ist einfach: Er sucht einen Schatz. Den ersten hat Markus Brüche gefunden, da war er gerade einmal sieben Jahre alt. Wie viele er seitdem geborgen hat, das kann der 53-Jährige gar nicht sagen. Die Schränke in seinem Wohnzimmer sind jedenfalls voll von römischen Münzen, Krügen und anderen antiken Gegenständen. So viel Glück kann doch kein Mensch haben, denkst du jetzt vielleicht. Und das stimmt. Markus Brüche ist nämlich professioneller Schatzsucher. Um fündig zu werden, braucht er mehr als Glück. Eine richtige Ausrüstung zum Beispiel. Außerdem weiß er genau, wo er suchen muss. Immer dabei ist seine Hündin Luna. Obwohl sie leider keine Schätze erschnüffeln kann. Wir haben Markus Brüche begleitet und uns erklären lassen, wie das mit der Schatzsuche funktioniert

Schatzsucher-Ausrüstung. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Was braucht ein Schatzsucher?

Vor allem eine „Sonde“. Menschen, die damit nach Münzen suchen, nennt man deshalb auch „Sondengänger“, und das, was sie tun, „sondeln“. Die Sonde besteht aus einem langen Stab, der am unteren Ende eine runde Scheibe hat. Das ist der Metalldetektor. Er kann Metall aufspüren, das unter der Erde oder im Sand vergraben ist und gibt dann Töne von sich. Das Gerät ist per Funk mit Kopfhörern verbunden, die der Schatzsucher trägt. Wenn der Detektor an einer Stelle anzeigt, dass dort etwas Metallisches verborgen ist, kann Markus Brüche die Stelle mit seinem „Pin Pointer“ genauer orten, indem er ihn in die Richtung hält, in der er den Gegenstand vermutet. Der Pin Pointer sieht aus wie ein sehr großer Kugelschreiber. Außerdem braucht er natürlich einen Spaten, damit er graben kann. Gerade Anfänger buddeln natürlich auch schonmal Kronkorken oder anderen Müll aus.

Funkgerät. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Markus Brüches Geräte sind aber so gut, dass sie ihm anzeigen, welche Art Metall in der Erde vergraben ist und wie groß der Gegenstand ungefähr ist. So weiß er meistens, ob es sich lohnt, danach zu graben und vergeudet keine Zeit damit, alte Dosen auszubuddeln. Die Ausrüstung von Markus Brüche hat einen Wert von rund 2000 Euro. Wer Lust hat, die Schatzsuche einmal auszuprobieren, muss natürlich nicht so viel Geld ausgeben. Brüche rät Anfängern allerdings davon ab, die billigsten Geräte zu kaufen. „Sonst findet man nichts Richtiges und ärgert sich nur.“ Besser sei es, ein gutes Gerät gebraucht zu kaufen, das erkennen kann, um welches Metall es sich handelt und wie groß der Gegenstand ist. Was ein Schatzsucher außerdem braucht? Viel Geduld. Und ein wenig Glück ebenfalls.

Hund Luna

Hund Luna. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Wie kam Markus Brüche dazu, Schätze zu suchen?

Als Kind hat Markus Brüche zwei Schatzsucher im Park beobachtet und wollte wissen, was die dort machen. Sie haben es ihm nicht nur erklärt, sondern gleich auch ein paar Spielzeugautos für ihn im Sandkasten aufgespürt. „Da war mir klar: So ein Gerät brauche ich auch.“ An diesem Abend blieb der Siebenjährige lange wach im Bett liegen, bis sein Vater von der Arbeit nach Hause kam, um ihn um so ein Gerät zu bitten. Doch er wurde enttäuscht: Viel zu teuer, lautete die Antwort seines Vaters, der gar nicht recht wusste, was sein Sohn mit so einem Gerät wollte. Doch ein Freund seines Vaters bastelte dem traurigen Kind schließlich seine erste Sonde – aus zwei Frisbees, einer Gehhilfe und dem Trafo einer Spielzeugeisenbahn. Damit suchte Markus Brüche vor allem in Sandkästen auf Spielplätzen. Und fand so viel Kleingeld darin, dass er statt seiner fünf Mark Taschengeld plötzlich 20 Mark im Monat hatte – das sind etwa zehn Euro. Antikes findet sich in Sandkästen zwar eher nicht. Aber: „Nirgendwo verlieren die Leute so viele Münzen wie im Sand auf Spielplätzen“, sagt er.

Alter Krug. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Wie ist das, wenn man einen richtigen Schatz findet?

Markus Brüche geht nicht einfach raus und sucht drauflos. Er weiß genau, wo er suchen muss. Zum Beispiel schaut er sich alte Karten an, auf denen zu sehen ist, wo früher römische Siedlungen waren. Denn es ist wahrscheinlich, dass an diesen Orten dann auch noch Überreste aus dieser Zeit zu finden sind. In der Römerstadt Köln ist er da natürlich genau richtig. „Wenn ich losgehe, komme ich nicht nach Hause, ohne etwas gefunden zu haben“, sagt er stolz. Nicht immer bringt er etwas ganz Wertvolles mit nach Hause. Wenn er aber wirklich etwas Antikes wie eine Münze von den Römern gefunden hat, ist das ein großartiges Gefühl, sagt Brüche: „Man ist schließlich der erste, der sie nach 2000 Jahren in der Hand hält.“ Er kennt sich mittlerweile richtig gut aus und weiß, aus welcher Zeit ein Gegenstand stammt. Sein wertvollster Fund war ein Rasiermessergriff aus der Römerzeit, der etwa um 100 nach Christi Geburt gefertigt wurde und geformt ist wie ein Greif, also ein mythisches Wesen mit Löwenkörper und Adlerkopf. „In Deutschland ist er einzigartig“, sagt der Sondengänger.

Markus Brüches „Schatzkammer“. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Was passiert mit den Schätzen?

Wenn Markus Brüche so viele Schätze gefunden hat, müsste er dann nicht steinreich sein? Nicht wirklich. Denn wer einen Schatz findet, darf ihn nicht einfach behalten. Markus Brüche braucht eine offizielle Genehmigung, damit er in bestimmten Gebieten suchen darf. Was er findet, muss er beim Amt melden und dort abgeben. Die Funde werden anschließend untersucht. Ist etwas dabei, was wissenschaftlich wertvoll ist, bekommt er es nicht zurück. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Gegenstand neue Erkenntnisse darüber ermöglicht, wie die Menschen früher gelebt haben. Es landet dann im Museum oder wird weiter erforscht. Markus Brüche erhält nur einen Finderlohn. Manche Dinge darf er jedoch wiederhaben. Die darf er dann verkaufen oder behalten. Wie wertvoll etwas ist, hängt nicht nur damit zusammen, ob es aus Silber ist oder aus Gold. Sondern vor allem damit, wie alt es ist, wie häufig es existiert und was jemand bereit ist, dafür zu bezahlen. Deshalb kann unter Umständen eine Silbermünze viel wertvoller sein als eine Goldmünze. Markus Brüche sucht allerdings nicht nur antike Gegenstände. Manchmal beauftragen ihn auch Leute damit, Dinge für sie wiederzufinden. Zum Beispiel, wenn sie einen wertvollen Ring auf einer Wiese verloren haben.

Markus Brüche (53) ist Schatzsucher und Sondengänger. Eigentlich arbeitet er als Hausmeister in den Häusern, die er vermietet. Als er angefangen hat, gab es noch sehr wenige Sondengänger in Deutschland. Mittlerweile sind es jedoch Tausende.

Wenn du Markus Brüche bei der Arbeit zusehen willst, kannst du das über seinen Youtubekanal tun:
Markus Brüche. Der kölsche Schatzsucher. Das Original.

Von Jasmin Krsteski