Wenn Frauen wie Katzen gelockt werden
Blöde Anmachen, Hinterherpfeifen und üble Gesten: Viele Frauen und junge Mädchen haben das schon erlebt. Man nennt es Catcalling, also Katzen anlocken. Das hört sich nett an, ist aber gar nicht in Ordnung.
Es passiert plötzlich im Bus oder in der Bahn. Oder auch mitten auf der Straße. Man hört Pfiffe oder laute Kussgeräusche hinter sich. Dann kommen noch Sprüche zur Kleidung oder über den Körper hinzu. Meist kommen solche Anzüglichkeiten von fremden Männern. Einfach so.
Viele Frauen und jungen Mädchen haben so etwas schon mal erlebt. Manchmal passiert es auch Männern oder Jungen. Auch sie werden mit anzüglichen Sprüchen, Geräuschen und Gesten belästigt. Das hat einen speziellen Namen. Man nennt es „Catcalling“ (gesprochen: kät koling). Das Wort kommt aus dem Englischen. Übersetzt bedeutet es so viel, wie eine Katze anlocken oder herbeirufen.

Mit Kreide schreiben Frauen in verschiedenen Städten fiese Sprüche auf die Straßen. Sie wollen so auf das Problem Catcalling aufmerksam machen. Foto: Paul Zinken/dpa
Um auf das Problem aufmerksam zu machen, haben sich Frauen in der Stadt New York in den USA etwas einfallen lassen. Sie sammeln solche miesen Sprüche und schreiben sie mit bunter Kreide auf die Straße. Inzwischen gibt es solche Gruppen auch in vielen deutschen Städten, etwa in Berlin, Köln, Stuttgart, Hamburg oder Dortmund. Auf den Straßen steht dort nun zum Beispiel: „Ey Puppe! Willst du einsteigen?“ oder „Du bist hübsch. Schöne lange Haare. Schöne Brüste! Wohin gehst du?“
Das ist nicht in Ordnung
Die Frauen machen dann Fotos von den Sprüchen und stellen sie ins Internet. Ankreiden nennen sie das. Das Wort passt doppelt: Denn die Sprüche sind mit Kreide geschrieben, klar. Ankreiden bedeutet aber auch, jemandem etwas übelzunehmen. Damit wollen sie zeigen, dass so ein Verhalten nicht in Ordnung ist.
„Klar, das sind nur Sprüche. Aber ich glaube, viele wissen gar nicht, was die anrichten können“, meint auch Sarah. Der 18-Jährigen aus Köln wurde auch schon laut hinterher gepfiffen. Oder sie wurden blöd von der Seite angequatscht. Obwohl sie von ihren Erfahrungen erzählt, möchte sie lieber unerkannt bleiben.
T-Shirt statt Top
Sarah hat zum Beispiel bemerkt, dass sie bestimmte Orte mittlerweile lieber meidet. Denn sie fühlt sich dort nicht mehr wirklich sicher. Und auch die Art, wie sie sich anzieht, hat sich verändert. „Ich trage lieber weite T-Shirts anstatt Tops», erzählt sie.
Sarah ärgert sich aber nicht nur über die fiesen Anmachsprüche. Sie ärgert sich auch darüber, wie andere Leute darauf reagieren. „Wenn ich anderen von den Sprüchen erzähle, heißt es oft: Stell dich doch nicht so an. Oder das sei doch als Kompliment gemeint“, erzählt sie. „Für mich ist das aber alles andere als ein Kompliment.“
Von Stefanie Paul (dpa)
Cool bleiben trotz blöder Sprüche
Es passiert meist ganz schnell und wie aus dem Nichts: Zack, schon bekommt man einen fiesen Anmachspruch reingedrückt. Oft fühlt man sich davon überrumpelt. Vielleicht weiß man im ersten Moment gar nicht, wie man darauf reagieren soll.
Fachleute raten in so einem Fall: cool bleiben und Abstand halten. Den Sprücheklopfern sollte man am besten gar keine Aufmerksamkeit schenken. Und sich auch nicht auf ein Gespräch mit ihnen einlassen. Auf einen blöden Spruch sollte man also gar nicht erst antworten.
Bekommt man Angst oder fühlt sich bedroht, kann man andere Leute in der Nähe ansprechen und um Hilfe bitten. Oder man ruft die Polizei. Das geht unter der Nummer 110. (dpa)





