Weihnachtsgeschichte 2: Eine kunterbunte Herberge

Weihnachtsgeschichte 2: Eine kunterbunte Herberge
Beim Bauen der Kulisse kommt einiges Durcheinander. (Foto: dpa)

Die Kinderbuch-Macher Rüdiger Bertram und Heribert Schulmeyer haben nur für euch eine Weihnachtsgeschichte geschrieben. An jedem Advents-Wochenende erfahrt ihr auf der Kinderseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, wie es mit Tom und dem Krippenspiel weitergeht. Ab Mittwoch gibt es die Folge dann auch online zu lesen. Hier ist der zweite Teil:

Dieses Jahr ist die Adventszeit für unsere Klasse etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil wir uns weniger prügeln oder wegen der Kekse, die unsere Lehrerin Frau König mitbringt, sondern weil wir für unsere Eltern in der Aula ein Krippenspiel aufführen. Da zeigen wir, wie Jesus geboren wird. Also die Geburt zeigen wir natürlich nicht. Jesus wird ja von Annas Puppe gespielt. Aber alle anderen Rollen spielen wir selber und ich bin der Wirt von der Herberge, in der kein Platz mehr für Maria und Josef ist.

„Zuerst bauen wir die Kulissen“, hat unsere Lehrerin gesagt.

„Was sind Kulissen?“, wollte Frank wissen.

„Das weiß doch jeder!“, habe ich gerufen. Aber das war gelogen, ich wusste es auch nicht, hatte mich aber nicht zu fragen getraut.

„Kulissen nennt man, was man auf der Bühne sieht“, hat Frau König uns erklärt. „Der Stall und die Herberge zum Beispiel.“

Dass mit dem Kulissen bauen fanden wir eine gute Idee. Zu Ostern haben wir in der Schule mal Ostereier aus bunter Pappe gebastelt. Die sahen toll aus, nur ein bisschen viereckig. Aber das machte nichts, die rollten nämlich nicht weg und viel besser stapeln konnte man die auch.

Frank und ich sollten die Herberge bauen. Die sollte so groß wie ein Haus werden und wir durften dafür sogar mit einem Hammer Nägel ins Holz schlagen.

„Du hältst den Nagel und ich schlage feste mit dem Hammer drauf“, habe ich zu Frank gesagt.

„Spinnst du, Tom?! Wir machen es umgekehrt“, hat Frank geantwortet.  Da haben wir uns geprügelt, aber nicht besonders doll, denn es ist ja schließlich Advent und da soll man freundlich zueinander sein.

Weil wir uns nicht einigen konnten, wer hämmert und wer den Nagel hält, haben wir beschlossen, dass wir das Holz lieber kleben. Das hat auch super geklappt. Pech war nur, dass ich mir mit der Hand aus Versehen durch die Haare gestrichen habe. Da sind meine Finger kleben geblieben. Frank hat gelacht und da habe ich meine freie Hand schnell auf seinen Kopf gelegt. Frau König hat dann eine Schere geholt, um uns freizuschneiden.

„Halb so schlimm“, hat unsere Lehrerin gesagt. „Frank bekommt für die Aufführung sowieso eine Perücke mit blondem Engelhaar und du setzt einfach eine Mütze auf.“

Da war ich froh, dass ich nicht auch so eine Perücke tragen musste wie Frank. Weil wir mit unserer Herberge fertig waren, haben wir uns die Kulissen der anderen angeschaut. Kati, Anna und Achmed hatten mir ihrem Stall noch gar nicht angefangen. Kati und Anna wollten nämlich einen riesigen Pferdestall bauen, aber Achmed lieber so einen kleinen Kaninchenstall.

Am Ende waren Frank und ich die einzigen, die fertig waren. Da waren wir ganz stolz. Aber nur kurz. Weil der Kleber nicht gehalten hat, ist unsere Herberge nämlich wieder eingestürzt. Frau König hat geseufzt und gesagt: „Das mit dem Bauen lassen wir lieber. Wir nehmen einfach die Kulissen vom letzten Theaterstück.“

Das letzte Stück haben die Viertklässler aufgeführt und das war „Pippi Langstrumpf“. Die Villa Kunterbunt war eine klasse Herberge für unser Krippenspiel und die Hütte, in der Pippis Papa auf der Südseeinsel lebt, war ein super Stall. Das Beste aber war, dass alles schon fertig war. Da mussten wir gar nichts mehr tun und konnten in aller Ruhe Kekse essen.

Von Rüdiger Bertram (Text) und  Heribert Schulmeyer (Illustration)

Hier findest du alle Teile der Geschichte sortiert:

Teil 1: Ein Baby in der Hauptrolle Teil 2: Eine kunterbunte Herberge Teil 3: Ein langer Satz Teil 4: Ein neues Ende

Mehr über die Macher:

Interview mit unseren Geschichten-Erfindern