Zwei Wege zum NRW-Abitur

Zwei Wege zum NRW-Abitur
Foto: Armin Weigel/dpa

Zum Schuljahr 2019/2020 entscheidet sich jedes Gymnasium zwischen G8 und G9

In den deutschen Gymnasien gibt es bald eine große Veränderung. Vor rund zehn Jahren wurde das verkürzte Abitur eingeführt. Die Abkürzung „G8“ hast du vielleicht schon mal in den Nachrichten gehört: Sie bedeutet, dass Schüler nur noch acht statt neun Jahre zum Gymnasium gehen müssen. Zum neuen Schuljahr 2019/2020 kann nun aber jede Schule individuell entscheiden, ob ihre Schüler acht oder neun Jahre auf dem Gymnasium bleiben sollen, bevor sie Abitur machen. Aber warum wird das jetzt plötzlich wieder geändert?

Warum wurde G8 eingeführt?

Die Idee: Die Schüler sollten schneller mit der Schule fertig sein und den Unternehmen als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Das Abitur nach acht Jahren war im Osten Deutschlands früher normal. Daran wollten sich Politiker ein Beispiel für den Westen nehmen. Denn auch im Ausland sind die Schüler oft früher fertig mit der Schule – da wollte Deutschland mithalten. An dem Abitur nach acht Jahren gab es jedoch auch viel Kritik. G8-Gegner sagen, viele Schüler würden unter dem enormen Stress leiden, den die Verkürzung der Schulzeit mit sich bringt. Einige Stimmen werfen den Politikern vor, alles zu schnell umgesetzt zu haben, ohne dabei Rücksicht auf die Schüler zu nehmen. Außerdem waren durch G8 schon viele 17-Jährige mit der Schule fertig. In Deutschland können sie dann noch keinen Arbeitsvertrag unterschreiben und auch nicht allein Auto fahren.

Wie sah der Alltag mit G8 aus?

Gesetzlich ist festgeschrieben, dass Schüler bis zum Abitur eine bestimmte Stundenzahl in der Schule verbracht haben müssen. Deswegen haben G8-Schüler oft nachmittags Unterricht – denn sie haben ja ein Jahr weniger Zeit, um den gleichen Unterrichtsstoff zu lernen. Unter anderem wurden dadurch zum Beispiel die Freizeitaktivitäten der Schüler eingeschränkt. Wer Tennis, Fußball oder Handball spielte, konnte vielleicht nicht das Training besuchen, weil er oder sie noch an den Hausaufgaben gesessen hat. Auch für die Lehrer war die Umstellung auf G8 oft stressig – vor allem, wenn die Unterrichtsstunden für das Pensum nicht ausreichten.

Foto: Armin Weigel/dpa

Was heißt die Rückkehr zu G9?

Deshalb finden es viele gut, dass diese Zeit für viele Schüler nun vorbei ist und die Schulen selber über G8 oder G9 entscheiden dürfen. Bis auf die Fünftklässler, die jetzt  auf dem Gymnasium sind, werden aber alle noch das verkürzte „Turbo-Abi“ machen. Wichtig ist es, dass die Schüler bei G9 nicht mehr so gestresst sind und sich besser auf das Abitur vorbereiten können. Außerdem sollen die Schüler wieder mehr Freizeit haben. Wer mit 18 oder 19 Jahren Abitur macht, ist schließlich auch noch sehr jung.

Warum kein allgemeines G9?

Vielleicht fragst du dich jetzt, wieso das Schulministerium dann nicht einfach eine einheitliche Rückkehr zu G9 beschlossen hat. Das ist auch grundsätzlich erst einmal so. Jedes Gymnasium hat bis zum Schuljahr 2019/2020 aber die einmalige Chance, sich weiter für die G8-Strukturen zu entscheiden. Denn: Nicht alle finden G8 schlecht. Es gibt auch viele Schüler, Lehrer und Eltern, die die verkürzte Schulzeit gut finden. Wer studieren, eine Ausbildung machen oder reisen möchte, kann das früher tun. Einige Wissenschaftler sagen außerdem, dass nicht bewiesen ist, dass G8-Schüler wirklich mehr Stress haben. Das sei schließlich individuell. Spätestens zum neuen Schuljahr nach dem Sommer gilt dann: Eine Mehrheit von zwei Dritteln entscheidet an jeder Schule zwischen G8 und G9.

Von Pascal Gudioni und Yann Nguemo