Schafe im Wolfspelz?

Schafe im Wolfspelz?
Foto: Bernd Thissen/dpa

Kennst du das Spiel „Wer hat Angst vorm bösen Wolf“? Viele Menschen stellen sich diese Frage inzwischen wirklich. Denn der Wolf ist zurück in Nordrhein-Westfalen. Aber ist das Tier wirklich so gefährlich, dass du Angst haben musst? Und warum war er überhaupt so lange aus Deutschland verschwunden?

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Wieso ist der Wolf Thema?

Ursprünglich lebte der Wolf in Deutschland. Viele Menschen fühlten sich im Mittelalter aber von dem Tier bedroht – und schossen auf ihn. Den letzten deutschen Wolf töteten sie um das Jahr 1900. Außerdem jagten die Menschen viele Kaninchen und Rehe, so dass der Wolf nicht mehr genug Futter in Deutschland hatte. Die verbliebenen Wölfe zogen sich in den Osten von Europa zurück. Seit der Wiedervereinigung 1990 legt aber ein Gesetz fest, dass Wölfe nicht mehr erschossen werden dürfen. Deshalb können sich die Tiere wieder vermehren. Heute steht der Wolf unter strengem Naturschutz.

Wo gibt es Wölfe?

In den vergangenen 20 Jahren wurden in Deutschland immer öfter Wölfe gesichtet – zum Beispiel in den Bundesländern Sachsen oder Brandenburg. Wölfe gibt es vor allem in den östlichen Bundesländern, weil viele von Osteuropa nach Deutschland kommen. Jetzt aber sagen Experten vom Landesamt für Natur: Es gibt auch in Nordrhein-Westfalen wieder Wölfe. Im Oktober 2018 wurde ein erstes Wolfsgebiet ausgewiesen – so nennt man einen Bereich, in dem ein Wolf sich dauerhaft aufhält. Dieses Gebiet befindet sich rund um Schermbeck am Niederrhein. Ein zweites Wolfsgebiet kam im Dezember in der Senne bei Bielefeld hinzu. Auch hier soll eine Wölfin leben.

Warum gibt es viel Kritik?

Der Wolf braucht – wie jedes Tier – Nahrung. Wölfe fressen  vor allem andere Wildtiere, die sich mit ihm den Lebensraum teilen.  Manchmal aber auch Nutztiere, wenn diese nicht gut geschützt sind – und das gefällt den Menschen natürlich gar nicht. Wenn es also immer mehr Wölfe gibt, muss es Regeln für das Zusammenleben von Mensch, Wolf und Nutztier geben. Damit für Tierhalter kein Schaden entsteht und die Wölfe trotzdem hier leben können.

Foto: Bernd Thissen/dpa

Wie leben die Tiere?

In der Regel leben Wölfe wie in einer Familie. Ab einem Alter von zehn Monaten verlassen sie ihre Eltern und versuchen, eine eigene Familie zu gründen. Der Lebensraum eines Wolfes ist ungefähr 250 Quadratkilometer groß. Damit du dir das besser vorstellen kannst: Das entspricht einer Fläche von etwa 35.000 Fußballfeldern. Je weniger Nahrung der Wolf aber findet, desto größer wird auch sein Gebiet.

Musst du Angst  haben?

Selbst wenn du in einem der Wolfsgebiete lebst: Es ist eher unwahrscheinlich, dass du einem Wolf begegnest. Denn Wölfe meiden die Nähe von Menschen. Wenn die Tiere sehr jung sind, kann es aber sein, dass ihre Neugier größer ist als die Scheu vor Menschen. Das Landesamt für Natur rät: Falls du jemals einen Wolf siehst, solltest du  nicht versuchen, den Wolf anzufassen oder zu füttern. Außerdem solltest du nicht weglaufen, sondern dich langsam zurückziehen.

Von Elisa Sobkowiak