Was ist ein Unverpackt-Laden?

Dinah Stark steht in ihrem Laden. In dem großen Glas in ihrer Hand befinden sich Lebensmittel. (Foto: Thilo Schmülgen)
Dinah Stark verkauft die Lebensmittel in ihrem Laden nur ohne Plastikverpackungen. (Foto: Thilo Schmülgen)

Bestimmt kennst du das: Wenn du einkaufen gehst, sind die meisten Dinge in Plastik oder in Dosen verpackt. Vielen Menschen gefällt das gar nicht. In Köln hat jetzt ein Geschäft eröffnet, bei dem man alles unverpackt kaufen kann. Wie das funktioniert? Lies selbst.

Dosen, Gläser und Säcke, gefüllt mit Nudeln, Getreide oder Gummibärchen stehen in den Regalen von „Tante Olga“. Das Kölner Geschäft ist kein gewöhnlicher Supermarkt. Es sieht dort eher aus wie in einem Tante-Emma-Laden. So hießen zur Zeit deiner Großeltern die kleinen Geschäfte, in denen man noch bedient wurde. Damals gab es noch keine in Plastik abgepackten Waren und keine Plastiktüten – und die gibt es bei „Tante Olga“ auch nicht.

In Berlin und Hamburg gibt es auch schon Unverpackt-Läden

Bunte Säulen mit allerlei Lebensmitteln - im Unverpackt-Laden in Köln steckt alles in Gläsern. (Foto: Thilo Schmülgen)

Wer sich hier Müsli oder Nudeln „zapfen“ will, muss nur einen Beutel oder ein Gefäß mitbringen und darunter halten. (Foto: Thilo Schmülgen)

Es ist Kölns erster Unverpackt-Laden. Olga und Gregor Witt haben ihn gemeinsam mit Dinah Stark vor mehr als einem Jahr in Köln eröffnet, weil sie finden, dass die Menschen keine Plastikverpackungen kaufen sollten, die dann ohnehin nur weggeschmissen werden.

„Früher haben wir unsere Lebensmittel in großen Säcken aus dem Großhandel gekauft und untereinander aufgeteilt, weil es einen Unverpackt-Laden noch nicht gab“, erzählt Dinah Stark. Dann beschlossen sie, einfach selbst so ein Geschäft zu eröffnen. Auch in anderen Städten in Deutschland gibt es bereits solche Geschäfte, zum Beispiel in Berlin oder Hamburg – trotzdem sind solche Läden immer noch eine Ausnahme. Hier erfahrt ihr, warum es gut ist, auf Plastik zu verzichten und wie das möglich ist.

Warum Plastik die Umwelt belastet

Plastik ist überall: Das Bonbonpapier, die Tüte aus dem Supermarkt, die eingeschweißten Bananen, die Zahnbürste – wenn du dich einmal umschaust, wirst du es überall entdecken. Wenn wir die leeren Verpackungen wegschmeißen, sind sie für unsere Augen zwar verschwunden. Die Welt aber hat noch lange etwas davon – eine Plastikflasche zum Beispiel braucht 450 Jahre, bis sie sich zersetzt hat. Denn leider wird nicht alles an Plastikmüll verbrannt oder recycelt, also wiederverwertet.

Auch im Meer landet davon ganz viel und schadet den Tieren und der Umwelt. In den Ozeanen befinden sich mittlerweile zwischen 100 und 142 Millionen Tonnen Abfall. Rund 80 Prozent davon ist Plastik. Doch es gibt eine gute Nachricht: Die europäische Union hat gerade beschlossen, das gesamte Verpackungsmaterial bis 2030 wiederverwertbar sein muss und kein Mikroplastik mehr verwendet werden soll.

Was genau ist Mikroplastik?

Gläser mit Lebensmitteln reihen sich im Unverpackt-Laden aneinander. (Thilo Schmülgen)

Wer im Unverpackt-Laden einkaufen geht, muss seine Verpackungen selbst mitbringen. (Thilo Schmülgen)

Selbst nach vielen hundert Jahren ist das Plastik zwar für uns nicht mehr sichtbar, aber trotzdem noch da. Plastik kann nicht wie etwa eine Apfelkitsche von kleinen Lebewesen gefressen und verwertet werden. Sondern es zersetzt sich nur in immer kleinere Teilchen. Wenn sie kleiner sind als fünf Millimeter, heißen die „Mikroplastik“.

Gleichzeitig wird immer weiter Plastik hergestellt – es gibt also immer mehr Plastik auf der Erde. Mikroplastik findet sich zum Beispiel im Wasser wieder und kann von Fischen und auch von uns aufgenommen werden. Was das für Folgen für die Gesundheit haben kann, wissen Wissenschaftler noch gar nicht so genau. Vielen Kosmetikprodukten, zum Beispiel Zahnpasta oder Peelings, werden extra winzige Plastikkügelchen zugefügt – sie sollen die Zähne weiß schrubben oder Hautschüppchen entfernen.

Einkaufen im Unverpackt-Laden

In dem Unverpackt-Laden „Tante Olga“ ist das Einkaufen etwas anders als im normalen Supermarkt. Wenn du zum Beispiel Gummibärchen kaufen möchtest, bringst du dir einen Behälter mit oder kaufst dort einen Stoffbeutel, den du immer wieder verwenden kannst. Dann kannst du dir so viele der losen Süßigkeiten aus der Dose nehmen, wie du haben möchtest. Die werden dann gewogen und bezahlt. Fertig abgepackte Mengen gibt es nicht.

In dem Geschäft bekommt man viele Dinge, die sonst aus Plastik sind, zum Beispiel aus Holz – Zahnbürsten, Lineale oder Füller zum Beispiel. Statt Babywindeln, die Plastik enthalten, gibt es hier Stoffwindeln zu kaufen. Und Shampoostücke, die aussehen wie ein Stück Seife, aber tatsächlich zum Haarewaschen da sind. Weil sie nicht flüssig sind, brauchen sie keine Plastikverpackung. Obst und Gemüse gibt es bei „Tante Olga“ aber nicht zu kaufen. Denn das kannst du eigentlich in jedem Supermarkt unverpackt einkaufen.

Tipps zum Plastiksparen

Auch wenn du nicht im Unverpackt-Laden einkaufst, kannst du darauf achten, an Plastikverpackungen zu sparen. Wenn du Obst oder Gemüse kaufst, kannst du zum Beispiel auf abgepackte Waren verzichten. Für lose Äpfel brauchst du auch nicht unbedingt eine Plastiktüte. Auch für Wurst und Käse an der Theke kannst du in vielen Geschäften selbst eine Dose mitbringen, damit die Ware nicht in Plastik abgepackt werden muss.

Viele Dinge kann man einfach selber machen anstatt sie einzukaufen, und dabei Plastik sparen. Zum Beispiel Peelings, in denen sonst bis zu 300 000 Mikroplastikteilchen pro Tube enthalten sein können. Wer zum Waschen feste Seife nimmt anstatt Duschgel aus der Plastikflasche, kann ebenfalls Plastik vermeiden. Wer wirklich ganz auf Plastik verzichten möchte, muss ziemlich beachten und vieles selbst machen – Frischkäse zum Beispiel. Du kannst aber auch schon viel tun, wenn du einfach darauf achtest, nicht bei jedem Einkauf eine Plastiktüte zu kaufen, sondern immer eine Stofftasche mitzunehmen, die du wieder verwenden kannst.

Rezept zum Selbstmachen von Frischkäse:

• Joghurt
• ein Mulltuch
• ein Sieb
• eine Schüssel

Und so geht´s:
Das Mulltuch ins Sieb legen und über eine Schüssel hängen. Dann den Joghurt ins Tuch geben und über Nacht austropfen lassen.

Noch mehr Unverpackt-Läden findest du hier:

Tante Olga Unverpackt
Berrenrather Straße 406, 50937 Köln

Veedelskrämer – Ehrenfeld unverpackt
Venloer Straße 270 / Eingang in der Körnerstraße, 50823 Köln

Freikost Deinet
Rochusstraße 266, 53123 Bonn-Duisdorf

Von Jasmin Krsteski