Warum dürfen Erzieher streiken?

Zwei kleine Kinder stehen am 18.05.2015 an der Tür eines wegen Streik geschlossenen Kindergartens in Leipzig (Sachsen).
Am Dienstag werden einige Kitas in Köln geschlossen bleiben. (Foto: dpa)

Hast du dein Fahrrad schon fit für den Frühling gemacht? Wenn nicht, solltest du das heute dringend nachholen. Denn morgen werden keine Straßenbahnen und nur wenige Busse in Köln und Umgebung fahren – da wirst du dein Rad wohl brauchen. Auch viele Kitas der Stadt Köln bleiben zu. Viele Mitarbeiter der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und auch Erzieher streiken. Was das ist, erfährst du hier.

Was ist ein Streik?

Bei einem Streik weigern die Mitarbeiter eines Unternehmens oder einer ganzen Berufsgruppe sich, zu arbeiten. Stattdessen demonstrieren sie. Ja, dass die Bahnen nicht fahren und die Kitas zu sind, nervt. Aber die Mitarbeiter machen das, weil sie mehr Geld verdienen möchten. Ein Beispiel: Du bekommst fünf Euro Taschengeld pro Woche. Dafür konntest du dir im vergangenen Sommer fünf Kugeln Eis kaufen. Doch dieses Jahr ist die Kugel teurer geworden, sie kostet 1,25 Euro. Diesen Sommer kannst du dir also nur noch vier Kugeln kaufen. Würdest du deine Eltern dann nicht auch um mehr Taschengeld bitten?

Aber nicht nur Eis, sondern alle möglichen Dinge werden immer teurer. Deswegen wollen Mitarbeiter mehr verdienen, damit sie weiterhin ihre Miete und ihr Essen bezahlen können. Sie bitten ihren Chef also um mehr Gehalt – doch der weigert sich. Wenn Mitarbeiter streiken, also nicht arbeiten, können sie ihren Chef unter Druck setzen. Wenn die Straßenbahn nicht fährt, können keine Tickets verkauft werden – das Unternehmen verdient nicht. Das zeigt: Die Angestellten einer Firma sind wichtig.

Können alle streiken?

Doch ganz so einfach ist es nicht. Für einen Streik gibt es klare Regeln. Zunächst einmal müssen die Mitarbeiter alles andere versuchen, bevor sie streiken. Also: Ganz viel mit dem Chef reden. Das morgen ist ein Warnstreik. Der dauert nur einige Stunden oder einen Tag. Er soll den Chefs zeigen: Wenn du nicht bald unsere Forderungen erfüllst, streiken wir richtig. Bei einem richtigen Streik arbeiten die Mitarbeiter so lange nicht, bis eine Lösung gefunden ist. In den meisten Fällen müssen die Mitarbeiter über einen richtigen Streik abstimmen. Die Chefs dürfen die Mitarbeiter nicht dafür bestrafen, dass sie streiken.

Was ist eine Gewerkschaft?

Es können natürlich nicht alle Mitarbeiter mit den Chefs verhandeln. Dafür gibt es die sogenannte Gewerkschaft. Das ist eine Gruppe von Leuten, die die Mitarbeiter vertritt. Das ist so ähnlich wie beim Klassensprecher: Der wird ja gewählt, um die Schüler der Klasse zu vertreten. Oft vertritt eine Gewerkschaft eine ganze Berufsgruppe. Es gibt eine Gewerkschaft für Ärzte, für Piloten, für Bahnfahrer und so weiter. Eine der größten Gewerkschaften heißt Verdi. Sie vertritt Menschen, die im „Öffentlichen Dienst“ angestellt sind, zum Beispiel Bahn- und Busfahrer, Erzieher, Müllmänner oder Krankenpfleger.

Was passiert morgen?

Zu dem Warnstreik morgen hat Verdi aufgerufen. Schon seit Wochen verhandelt die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern um mehr Geld für die Mitarbeiter. Bisher gab es kein Ergebnis. Nächste Woche wird wieder gesprochen. Um vorher noch mal Druck zu machen, gibt es den Warnstreik. Da machen auch viele Mitarbeiter der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und Erzieher der städtischen Kitas mit. Deswegen bleiben einige Kitas zu und es fahren den ganzen Dienstag lang keine Straßenbahnen. S-Bahnen und Züge fahren aber. Sie gehören nämlich zu einem anderen Unternehmen, das gerade nicht streikt.

Seit wann gibt es Streiks?

Streiks gibt es bereits sehr lange. Schon die alten Ägypter haben vor ungefähr 3000 Jahren gestreikt. Damals haben die Bauarbeiter eines Tempels mit der Arbeit aufgehört, weil sie tagelang kein Essen bekommen hatten.

Die Streik-Regeln, die wir heute kennen, gibt es seit etwa 150 Jahren. Den Arbeitern ging es damals sehr schlecht: Sie arbeiteten zwölf Stunden am Tag, hatten kaum Pausen oder Wochenende. Wenn sie krank waren, bekamen sie kein Geld. Irgendwann haben die ersten Arbeiter sich zusammengeschlossen und Gewerkschaften gegründet. Das gefiel den Chefs gar nicht: Sie bestraften diese Arbeiter und verboten die Gewerkschaften.

Doch dann machten immer mehr Arbeiter mit – die Gewerkschaften wurden mächtiger und organisierten Streiks. Jetzt verdienten die Chefs nichts mehr. Weil sie wollten, dass ihre Leute wieder zur Arbeit kamen, ließen sie sich auf Forderungen ein.

Dass deine Eltern heute feste Arbeitszeiten, Wochenende und bezahlten Urlaub haben, und dass sie auch Geld bekommen, wenn sie krank sind, verdanken wir also den mutigen Arbeitern und Arbeiterinnen, die für ihre Rechte gekämpft haben.

VON ANGELA SOMMERSBERG

 

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