Vater, Mutter, Kind … Wolf!

Vater, Mutter, Kind … Wolf!
Foto: Heiko Anders/Nabu

In unserem Bundesland Nordrhein-Westfalen lebt jetzt eine Wolfsfamilie. Das beweisen Filmaufnahmen, die vor einigen Wochen gemacht wurden. Die Wölfe leben in den Wäldern rund um den Ort Eitorf. Das ist gar nicht so weit weg von Köln, nur etwa 50 Minuten fährt man mit dem Auto dorthin. Doch was bedeutet das?

Foto: Lino Mirgeler/dpa

Wo kommen die Wölfe her?

Eigentlich leben Wölfe schon immer in Deutschland. Früher gab es den Wolf fast überall auf der Nordhalbkugel – von Nordamerika über Europa bis nach Asien. Doch die Menschen haben die Wölfe gejagt und in vielen Regionen komplett ausgerottet. In Deutschland wurde der letzte Wolf vor mehr als150 Jahren erschossen. Seit dem Jahr 2000 leben aber wieder Wölfe in Deutschland. Sie kamen aus Polen zunächst in den Osten Deutschlands und sind mit den Jahren weiter nach Westen gewandert. In NRW haben die Tiere sich erst vor wenigen Jahren fest angesiedelt. Die Wolfsfamilie, die nun in Eitorf entdeckt wurde, ist die erste in NRW.

Was ist eine Wolfsfamilie?

Bei Wölfen ist die Familie so ähnlich organisiert wie bei Menschen: Es gibt Vater und Mutter, ältere und jüngere Kinder. Die Eltern bleiben meist ihr Leben lang zusammen und sind die Chefs der Familie. Jedes Jahr bekommt das Weibchen bis zu acht blinde Welpen. Nach zwei Wochen öffnen die Jungen ihre Augen, nach drei Wochen verlassen sie die Höhle. Wenn die Kinder ungefähr zwei Jahre alt sind, verlassen sie die Familie. Dann zieht jedes Tier alleine umher, sucht sich einen Partner und ein Gebiet, in dem es sich ansiedeln kann. Dieses Gebiet heißt Revier und ist etwa 250 Quadratkilometer groß. Zum Vergleich: Ganz Köln hat eine Fläche von 400 Quadratkilometern. Das Revier muss so riesig sein, damit der Wolf genug Futter findet.

Foto: Heiko Anders/Nabu

Was frisst ein Wolf?

Die Antwort ist einfach: Fleisch, Fleisch, Fleisch. Bei uns in Deutschland fressen Wölfe vor allem Rehe, aber auch Wildschweine und Hirsche. Und manchmal töten sie auch Schafe auf der Weide. Das ist ein großes Problem: Denn im Gegensatz zu Reh, Hirsch und Wildschwein gehören die Schafe ja einem Landwirt – und für den ist das ein großer Verlust. Das versteht der Wolf aber nicht. Deswegen ist es wichtig, dass Schäfer ihre Herden gut schützen. Zum Beispiel mit hohen Zäunen, durch die Strom fließt. Hilfreich ist auch ein Hütehund: Das sind große Hunde, die speziell dafür ausgebildet sind, auf Schafherden aufzupassen – und Angreifer wie den Wolf zu verjagen. Manche Landesregierungen geben den Landwirten etwas Geld, damit sie sich die Zäune oder Hunde besser leisten können. Denn es ist wichtig, dass Menschen und Wölfe gut zusammenleben.

Musst du Angst haben?

Trotzdem fragst du dich nun vielleicht: Ist es gefährlich, in den Wald zu gehen? Nein. Denn einerseits ist es sehr unwahrscheinlich, einem Wolf zu begegnen – dafür leben zu wenige in unseren Wäldern. Andererseits interessiert der Wolf sich nicht für uns: Wir sind für ihn keine Beute und wenn er Menschen sieht, entfernt er sich.

Sollte es doch mal dazu kommen, dass ein Mensch einem Wolf begegnet, sollte man sich ruhig verhalten, groß machen und langsam entfernen. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, den Wolf anzulocken, zu streicheln oder zu füttern. Denn der Wolf ist ein wildes Tier. Der Naturschutzbund sagt aber: Seit Wölfe wieder bei uns in Deutschland leben, hat es keine Situation gegeben, bei der sich freilebende Wölfe aggressiv gegenüber Menschen gezeigt hätten.

Von Angela Sommersberg