Ostwind auf der lit.kid.Cologne

Ostwind auf der lit.kid.Cologne
Kinderreporter interviewen Lea Schmidbauer. Foto: Thilo Schmülgen

Wie Mika, Ari und Frau Kaltenbach aussehen, wissen viele Kinder. Aber wie sieht eigentlich Lea Schmidbauer aus, die Frau, die sich die Filme und Bücher über das Pferd Ostwind ausgedacht hat?

Das wissen alle Kinder, die am Donnerstag bei der Lesung „Ostwind – Der große Orkan“ auf der lit.kid.Cologne waren. Vorher haben unsere Kinderreporterinnen Marla und Helena Lea Schmidbauer noch zum Interview getroffen.

Haben Sie als Kind auch schon Geschichten geschrieben?
Nein, als Kind habe ich keine Geschichten geschrieben, da habe ich gemalt und mir Comics ausgedacht. Mein Vater ist Schriftsteller und deswegen hatte ich nie so Lust darauf, das gleiche zu machen wie er. Deswegen habe ich an der Filmhochschule studiert. Aber beim Film wollte nie jemand, dass ich den Ton mache – ich sollte immer die Geschichten schreiben. Und dann hat sich rausgestellt, dass ich das am besten kann – und dass mir das Spaß macht, wenn ich erzählen darf, was ich will.

Wie sind Sie darauf gekommen, „Ostwind“ zu schreiben?
Ich bin ja eigentlich gar keine Romanautorin, sondern Drehbuch-Autorin. Das heißt, ich schreibe Drehbücher für Filme. Irgendwann hat mich eine Filmfirma gefragt, ob ich für sie ein Drehbuch für einen Pferdefilm schreiben kann. Ich habe direkt gesagt: Ne, das kann ich mir nicht vorstellen. Die meinten aber, ich solle noch mal darüber nachdenken. Ich hab dann eine Nacht drüber geschlafen und da fiel mir ein, dass ich als Kind diese Ponyhof-Geschichten mit den Mädchen in rosa Leggings immer so doof fand, aber dass ich Abenteuer-Pferde-Geschichten cool fand. Also sowas wie Winnetou. Und dann dachte ich mir: Wenn ich so einen Pferdefilm schreiben dürfte, würde ich das machen. So hab ich mir den ersten „Ostwind“-Film ausgedacht.

Was ist beim Drehbuch-Schreiben denn anders als beim Roman-Schreiben?
Das ist schon sehr anders. Beim Drehbuch kannst du nur schreiben, was man sehen kann. Im Roman kann ich schreiben: „Sie war so traurig.“ Aber im Film muss die Figur irgendetwas tun, was zeigt, dass sie traurig ist. Beim Roman-Schreiben ist man freier, da kann man auch mal eine Landschaft richtig beschreiben. Ein Drehbuch ist eher so was wie eine Betriebsanleitung, so ähnlich wie bei einem Theaterstück. Da steht dann: „Außen, Tag, Herr Kaans Koppel. Mika steht am Zaun und sieht Ostwind, wie er über die Wiese auf sie zu galoppiert. Mika: Hallo Ostwind.“ Es ist natürlich toll, wenn man später den Film sieht und weiß, dass man sich das alles selbst ausgedacht hat.

Schreiben Sie immer am selben Platz?
Ja. Ich überlege mir zwar das ganze Jahr über schon, wie es mit Ostwind weitergeht, aber die Romane muss ich immer im Sommer schreiben. Die sollen nämlich im Herbst erscheinen. Ich fahre jeden Sommer in das Ferienhaus meiner Eltern, das ist ein alter Bauernhof auf dem Land. Meine beiden Pferde nehme ich mit, die stelle ich da in den Garten und dann schreibe ich überall im Haus – im Garten, auf der Terrasse, in der Küche, am Schreibtisch. Zehn Wochen später ist dann der neue Ostwind fertig. So sieht jedes Jahr mein Sommer aus. Das ist irgendwie schön, aber auch traurig, weil ich nie Sommerferien habe.

Reiten Sie selbst?
Ja, aber nicht besonders gut. Mit neun Jahren hatte ich Reitunterricht in so einer dunklen Halle mit Schulpferden, die im Kreis rumlaufen mussten. Das hat mich traurig gemacht, deswegen hab ich aufgehört. Mit 40 Jahren hab ich dann wieder angefangen.

Wegen Ostwind?
Nee. Aber durch Ostwind war das Pferdethema wieder in meinem Kopf. Eigentlich lag es an dem Nachbarhof meiner Eltern. Dort ist ein Gestüt, wo Islandponys gezüchtet werden und da bin ich während des Schreibens zum Entspannen hingegangen. Ich fand die Ponys so süß, sie sind so klein, dass man vor ihnen keine Angst haben muss. Und im Winter bekommen die ein dickes Kuschelfell und sehen aus wie große Stofftiere. Ich hab mir dann selbst zwei Islandponys gekauft.

Sind Sie auch schon mal vom Pferd gefallen?
Oh ja. Dreimal. Es war schrecklich.

Wo sind die Pferde, wenn Sie nicht auf dem Bauernhof sind?
Ich wohne ja in München und dann sind die Ponys in einem Stall in der Nähe. Da leben sie draußen in einer Herde und müssen nicht in Boxen stehen. Darum geht es mir auch bei Ostwind: Ich finde es schrecklich, wie Pferde manchmal gehalten werden. Das fand ich ja schon mit neun Jahren.

Wie geht es weiter mit Ostwind?
Zu dem Buch „Ostwind – Der große Orkan“, auf dem ich bei der lit.kid.Cologne gelesen habe, wird es im nächsten Frühjahr einen Film geben. Wir haben aber alle beschlossen, dass das der letzte Film sein wird. Ob ich mit den Romanen weitermache, weiß ich noch nicht. Wenn mir was Tolles einfällt, mache ich vielleicht weiter.

Aber wenn Sie noch einen Roman schreiben, könnte es sein, dass der doch noch verfilmt wird?
Klar kann das sein. Aber wir haben zusammen beschlossen aufzuhören und das ist in Ordnung so. Ich mache seit 2008 „Ostwind“, das sind elf Jahre. Das müsst ihr euch mal vorstellen. Deswegen brauche ich jetzt erstmal eine Pause.

Statements

Helena (11)
Helena fand die Lesung mit Lea Schmidbauer lustig. Eigentlich mag sie keine Pferdegeschichten. An „Ostwind“ gefällt ihr deswegen, dass es dort nicht nur um schöne Pferdehöfe und Reitturniere geht. Sie fragt sich, was wohl mit Ari passiert, wenn Mika zurückkehrt….

Marla (11)
Marla fand Autorin Lea Schmidbauer sehr nett. Sie ist großer Ostwind-Fan und hat alle Bücher gelesen und Filme gesehen. Sie findet die Geschichten spannend, vor allem die Verbindung zwischen Mika und Ostwind. Marla freut sich schon auf den nächsten Film.

Lea Schmidbauer. Foto: Thilo Schmülgen

Zur Person

Lea Schmidbauer (47) kommt aus München und hat an der Filmhochschule dort studiert. Sie hat schon Drehbücher für verschiedene Filme und Serien geschrieben – „Ostwind“ ist aber am bekanntesten. Es gibt bisher vier Filme und sechs Bücher. Der aktuelle Roman heißt „Der große Orkan“.