Ohne Greenkeeper läuft nichts in der Bundesliga

Greenkeeper Georg Schmitz (Foto: Kathy Stolzenbach)
Greenkeeper Georg Schmitz ist so erfolgreich mit seiner Rasenpflege, dass er beim DFB-Wettbewerb auf Platz 1 landete. (Foto: Kathy Stolzenbach)

Der Ball rollt wieder. Die Sommerpause ist vorbei, die Fußball-Bundesliga ist in vollem Gange. Damit der Ball aber richtig gut rollen kann, kommt es auf den Rasen an. Ist dir schon mal aufgefallen, dass das Grün im Fußballstadion ein bestimmtes Muster hat? Und dass das Gras nach einer Partie ziemlich zerrupft aussieht? Wer kümmert sich darum, dass beim nächsten Spiel alles wieder saftig grün und eben ist? Duda verrät es dir – zusammen mit dem Chef der Greenkeeper von Bayer 04 Leverkusen.

Der Chef-Greenkeeper

Das Team von Georg Schmitz. (Foto: Kathy Stolzenbach)

Georg Schmitz ist 48 Jahre alt und arbeitet seit 21 Jahren für den Fußballverein Bayer 04 Leverkusen. Als Greenkeeper kümmert er sich um den Rasen im Stadion und auf den Trainingsflächen rundherum. Er hat ähnliche Aufgaben wie ein Platzwart. Allerdings kennt ein Greenkeeper sich noch besser mit dem Rasen im Profisport – Fußball, Golf, Hockey, Polo – aus.

Georg Schmitz ist seit 2014 Chef-Greenkeeper: Er leitet ein Team von 14 Greenkeepern, das für eine Fläche von insgesamt 70.000 Quadratmetern Rasen in und rund um die „BayArena“ zuständig ist. Schon sein Vater und sein Großvater arbeiteten als Gärtner für den Verein. Und natürlich war Georg Schmitz schon immer Bayer-Leverkusen-Fan.

Rasen mähen

Der Rasen wird jeden Tag gemäht, manchmal sogar zweimal. Mit einem normalen Rasenmäher würde das zu lange dauern. Denn das Spielfeld ist 105 Meter lang und 68 Meter breit. Die Greenkeeper benutzen einen Rasenmäher-Traktor. Sie mähen so, dass ein Schachbrettmuster im Rasen entsteht: Beim Mähen drückt die Maschine die Halme in eine Richtung platt. Wenn sie in die andere Richtung fährt, ist es umgekehrt. Für das Schachbrettmuster wird einmal längs und einmal quer gemäht.

Der Rasen wächst am Tag einen Zentimeter. Er wird täglich auf eine Länge von 23 Millimetern getrimmt. Am Tag eines Spiels wird der Rasen so gemäht, dass er pünktlich zum Anpfiff die gewünschte Länge hat. Der Trend geht zu immer kürzeren Halmen: Vor zehn Jahren noch waren es 28 Millimeter. Denn je kürzer der Rasen ist, umso schneller läuft der Ball.

Rasen wässern

Im Leverkusener Stadion gibt es elf Rasensprenger. (Foto: dpa)

Im Leverkusener Stadion gibt es elf Rasensprenger. (Foto: Kathy Stolzenbach)

Die Spieler mögen feuchten Rasen. Dann läuft der Ball schneller und ruhiger. Vor dem Spiel und in der Halbzeitpause wird das Gras deshalb bewässert. Sie sind im Boden versenkt und schießen auf Knopfdruck aus dem Boden heraus. In Leverkusen liegt übrigens nur Naturrasen im Stadion. Bloß am Spielfeldrand gibt es etwas Kunststoffrasen.

Rasen reparieren

Wenn 22 Fußballer mit Stollen an den Schuhen auf dem Rasen herumlaufen, sieht der anschließend ziemlich mitgenommen aus. Nach einem Spiel haben die Greenkeeper also eine Menge zu tun. Mit speziellen Geräten in unterschiedlichen Durchmessern – Stopfensetzer – heben sie rund um eine beschädigte Stelle ein kreisförmiges, vier Zentimeter tiefes Stück heraus. Von einer riesigen Ersatz-Rasenfläche neben dem Stadion holen sie ein genauso großes Stück und setzen es im Stadion an der kaputten Stelle wieder ein. Dann gießen sie etwas Wasser darauf – und schon ist das Loch nicht mehr zu sehen. Bis zu 200 solcher Trittschäden müssen die Greenkeeper nach einem Spiel reparieren. Vor dem Tor können die kaputten Stellen zwei mal zwei Meter groß sein.

Würde keiner den Rasen pflegen, sähe er so aus. (Foto: Kathy Stolzenbach)

Auch in der Halbzeit sind sieben Rasenmeister im Einsatz: Jeder ist für jeweils zwei Rasenbahnen zuständig. Mit Stöcken gehen sie über das Grün, heben beschädigte Stellen an und treten sie mit den Füßen fest. Der Rasen wird übrigens in Schwerin extra nach speziellen Vorgaben gezüchtet. Alle zwei Jahre wird er komplett ausgewechselt. Momentan wächst in Schwerin also schon der Rasen, der in der Zukunft einmal in Leverkusen liegen wird. 18 Monate dauert es, bis der ausgesäte Rasen bespielbar ist. Er wird in 1,20 Meter breiten und zwölf Meter langen Bahnen ausgerollt.

Der Boden unter dem Rasen

Es kommt auch auf den Boden an, der unter der Rasendecke liegt. 60 Zentimeter tief ist die Schicht unter dem Grün, die unter anderem aus Kies und Sand besteht. Wichtig ist, dass Regen schnell versickert. Damit das gut klappt, sind verschiedene Geräte im Einsatz. Ein Tiefenlockerer beispielsweise lockert den Boden mit 14 Zentimeter langen Spitzen, die von einer Walze blitzschnell in die Erde gestochen werden. Das rattert ganz schön laut! Ungefähr alle zwei Wochen wird der Boden auf diese Weise belüftet. Die Experten nennen das Aerifizieren. Mit einem sogenannten Vertikutierer regelmäßig werden Moos und vertrocknetes Gras aus dem Boden entfernt. Pro Spielfeld kommen da fünf Anhängerladungen zusammen.

Regen und Kälte

Die stressigste Zeit für Greenkeeper Georg Schmitz ist übrigens nicht der heiße Sommer, sondern die kältere Jahreszeit. Ab Oktober wird der Rasen mit riesigen Lampen beleuchtet, damit er auch mit weniger Sonnenlicht gut wächst. Eine Lichtanlage wiegt 2,3 Tonnen. Das schwere Gewicht ist natürlich nicht gut für den Rasen.

Alle 48 Stunden wird die Anlage deshalb von der einen Seite der Spielfläche auf die andere versetzt. Im Winter wird der Rasen im Stadion und auf den Trainingsplätzen beheizt, damit er nicht einfriert. Das Schlimmste für den Greenkeeper ist übrigens, wenn es einen starken Platzregen kurz vor oder während dem Spiel gibt. Schnee ist nicht so schlimm, denn den kann man wegschippen.

Der beste Rasen der Liga

Georg Schmitz und sein Team können sich über den Titel „pitch of the year“ freuen: In der vergangenen Saison hat die Deutsche Fußball-Liga die „BayArena“ als „Bundesliga-Spielfeld des Jahres“ ausgezeichnet. Auf dem zweiten und dritten Platz folgen Bayern München und Borussia Dortmund. Nach jedem Spiel bewerten die Kapitäne beider Mannschaften und der Schiedsrichter den Rasen. Außerdem fließt das Urteil einer Jury der Deutschen Rasengesellschaft in die Bewertung mit ein.

VON KATHY STOLZENBACH