Was ist in Chemnitz passiert?

Chef des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen
Fühlt sich falsch verstanden: Chef des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen(Foto: dpa)

Noch immer wird viel über die Ereignisse in Chemnitz gesprochen. Das Thema beschäftigt natürlich auch die Politiker. Seit einigen Tagen ist dabei ein Mann besonders in den Mittelpunkt gerückt: Hans-Georg Maaßen. Wir erklären dir, wer das ist und was er mit den Vorfällen in Chemnitz zu tun hat.

Der Auslöser: Was ist in Chemnitz passiert?

Seit zwei Wochen gehen in der ostdeutschen Stadt immer wieder Menschen auf die Straße. Viele von ihnen demonstrieren gegen Ausländer und Flüchtlinge. Auslöser war der Tod eines 35 Jahre alten deutschen Mannes. Er wurde bei einem Stadtfest in Chemnitz getötet. Die Täter sollen aus Syrien und dem Irak stammen. Einige Leute nehmen dieses Verbrechen nun zum Anlass, um gegen Menschen aus anderen Ländern zu hetzen. Solche Leute, die gegen Ausländer hetzen und sogar gewaltbereit sind, nennt man Rechtsextreme oder Neonazis. Sehr viele Menschen sind entsetzt über den Hass auf Ausländer. Sie organisierten Gegendemonstrationen und Veranstaltungen wie Konzerte. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Angriffe als „Hetzjagd“.

Die Videos: Echt oder Gefälscht?

Am Rande der Demonstrationen in Chemnitz spielten sich zum Teil erschreckende Szenen ab: Rechtsextreme verfolgten ausländisch aussehende Menschen, drohten ihnen Gewalt an, attackierten sie zum Teil. Von diesen Szenen gibt es Videos. Über sie wird viel diskutiert. Denn manche Leute glauben, dass die Videos gar nicht echt sind. Sie sind überzeugt: Die Videos wurden gefälscht, die Angriffe auf Ausländer gab es nicht. Es ist gar nicht so einfach herauszufinden, wer sie gemacht hat. Denn jeder, der ein Smartphone hat, kann ein Video machen – und im Internet hochladen. Oft passiert das unter einem falschen Namen.

Diskussion um einen Mann: Worum geht es?

Ein Mann hat in der Diskussion um die Videos für Aufregung gesorgt: Hans-Georg Maaßen ist der Chef des Bundesverfassungsschutzes. Er hatte in einem Interview gesagt, dass es in Chemnitz keine „Hetzjagd“ gegeben habe. Damit widersprach er Kanzlerin Angela Merkel. Außerdem hatte Hans-Georg Maaßen gesagt, dass das Video der angeblichen Hetzjagd nicht echt gewesen sei. Als Begründung sagte er, es sei gefälscht worden, um von dem Tod des 35 Jahre alten Mannes abzulenken. Aber er hatte dafür keine Beweise genannt.

Nach Aussagen von zwei Zeitungen soll der Chef des Bundesverfassungsschutzes mittlerweile zurückgerudert sein. Er habe erklärt, dass er falsch verstanden worden. Er habe nicht bezweifelt, ob das Video „authentisch sei“, sondern ob das Video „authentisch eine Menschenjagd zeige“.

Also, wie du siehst, ist die Lage kompliziert!

Verfassungsschutz: Was ist das?

Aufgabe des Verfassungsschutzes ist, dafür zu sorgen, dass die Verfassung geschützt wird. Das ist in Deutschland das Grundgesetz. Der Verfassungsschutz sorgt vor allem dafür, dass sich alle Menschen in Deutschland an Grundregeln halten. Dazu gehört zum Beispiel, dass niemand wegen seiner Religion, Herkunft oder Hautfarbe schlecht behandelt wird. Der Verfassungsschutz beobachtet Leute oder Gruppen, die die Sicherheit in Deutschland gefährden. Dazu zählen zum Beispiel links- oder rechtsextreme sowie terroristische Gruppen.

Der Bericht: Wie geht es jetzt weiter?

Viele Politiker und andere Menschen hatten Hans-Georg Maaßen kritisiert. Sie hatten gesagt, dass er Beweise für seine Behauptung bringen müsse. Wenn er das nicht tue, müsse er zurücktreten. Bundesinnenminister Horst Seehofer ist der Chef von Hans-Georg Maaßen. Er hat ihn aufgefordert, einen Bericht zu schreiben, in dem er seine Aussagen erklärt. Nun warten alle gespannt darauf, was in dem Bericht steht. Bis jetzt haben nur zwei Zeitungen berichtet, dass der Chef des Bundesverfassungsschutzes seine Aussagen relativiert haben soll.

VON KATHY STOLZENBACH