Imkern in der Stadt: So summt es in Köln

Ralf Heipmann bei seinen Völkern im Lentpark in Köln. (Foto: Uwe Weiser)
Ralf Heipmann bei seinen Völkern im Lentpark in Köln. (Foto: Uwe Weiser)

Isst du gerne Honigbrötchen zum Frühstück? Dann weißt du sicher, dass du das fleißigen Honigbienen verdankst. Honigbienen leben bei einem Imker, der sich um sie kümmert und den Honig erntet. Fast alle Imker in Deutschland machen das nicht als Beruf, sondern als Hobby, und immer mehr von ihnen imkern in der Stadt.

Ralf Heipmann (Foto: Uwe Weiser)

Ralf Heipmann hat in Köln rund 100 Bienenvölker. (Foto: Uwe Weiser)

„In Köln sind es rund 330 Imkerinnen und Imker“, sagt Ralf Heipmann. Er ist selbst Imker und 2. Vorsitzender des Kölner Imkervereins. In der Stadt finden Bienen heute sogar besser Nahrung als auf dem Land, denn dort wachsen auf großen Flächen oft nur eine Sorte Pflanzen. In den Städten gibt es aber viele verschiedene Blumen und Bäume, an deren Blüten sie Pollen und Nektar finden. Außerdem werden keine chemischen Mittel gespritzt, die können für Bienen schädlich sein.

„Je nach Stadtviertel schmeckt der Honig anders“, verrät Ralf Heipmann, „das liegt unter anderem daran, was dort für Pflanzen blühen.“ Duda hat ihm beim Imkern über die Schulter geschaut.

Fleißige Untermieter

Flugloch (Foto: Uwe Weiser)

Der Eingang in den Stock: Das Flugloch (Foto: Uwe Weiser)

Eine Hollywoodschaukel, grüner Rasen und Obstbäume – der Garten von Ralf Heipmann am Rande des Agnesviertels ist eine Ruheoase in der Stadt. Von wegen Ruhe, hier wird fleißig gearbeitet! Neun Bienenstöcke stehen hier: In jedem davon wohnt ein Bienenvolk, das im Sommer jeweils bis zu 50 000 Tiere zählt.

Jedes Bienenvolk hat seinen Stock in einer eigenen Holzkiste. Ein schmaler Schlitz bildet den Eingang, das sogenannte Flugloch. Dort herrscht stets emsiges Summen. Seit mehr als zehn Jahren imkert Ralf Heipmann, inzwischen hat er seinen Beruf als Wirtschaftsingenieur aufgegeben und widmet sich ganz den Honigbienen.

„Angefangen habe ich mit zwei Bienenvölkern, heute sind es rund 100“, erzählt Ralf Heipmann. Seine Bienenstöcke stehen überall in Köln: zum Beispiel auf dem Dach des Excelsior Hotel Ernst am Dom, auf den Köln-Arcaden in Kalk, bei Schloss Bensberg oder am Stadtrand in Esch.

Viele Aufgaben

Wer Bienen hält, hat immer was zu tun. (Uwe Weiser)

Wer Bienen hält, hat immer was zu tun. (Uwe Weiser)

Imker tragen Verantwortung: „Bienen sind Lebewesen! Man muss ihnen etwas Zeit schenken“, sagt Ralf Heipmann. In Kursen lernt man, was zu beachten ist. „Im März, wenn es wärmer wird, stecken die Bienen die Nase vor die Tür. Dann geht es ans Auswintern“, erklärt der Imker.

Zunächst macht er die Holzkisten sauber, vergrößert das Flugloch, nimmt alte Waben heraus und hängt neue Holzrahmen hinein. In die bauen die Bienen frische Waben für die Eier der Königin. Klettern die Temperaturen über 10°C, sammeln die Bienen in der Umgebung Nektar und Pollen, aus dem sie Honig machen.

„Nach jedem Volk schaue ich einmal die Woche. Die wichtigste Zeit ist von April bis Juni, Urlaub ist dann nicht drin“, erklärt Ralf Heipmann. Er muss auch darauf achten, dass genug Platz im Stock ist, damit es den Bienen nicht zu eng wird.

Süße Ernte

Die Bienenkönigin ist der Mittelpunkt des Volkes. (Bild: Uwe Weiser)

Die Bienenkönigin ist der Mittelpunkt des Volkes. (Bild: Uwe Weiser)

Für die Honigernte benutzt Ralf Heipmann eine spezielle Holzkiste, die er auf den Bienenstock oben draufsetzt. Zwischen dieser Kiste und dem Bienenstock befindet sich ein Gitter, durch das die Bienen nach oben krabbeln und Honig in die Waben füllen können. Da die Bienenkönigin größer ist als die Arbeiterinnen, passt sie nicht durch das Gitter. So ist sicher, dass in den Waben nur Honig ist, aber keine Eier.

Nach ein paar Tagen schaut der Imker nach, ob die Waben in der oberen Kiste schon mit Honig befüllt sind. „Wenn die Bienen wieder nach unten in den Bienenstock gekrabbelt sind, kann ich die Holrahmen mit den vollen Honigwaben herausnehmen“, erklärt er. In seiner Imkerei hat er spezielle Maschinen, mit denen er die Wachsdeckel von den Waben entfernen, den Honig herausschleudern und in Gläser abfüllen kann.

Keine Angst vor Stichen

Zwei Mal im Jahr wird Honig geerntet, im Mai und im Juli. Doch im Spätsommer ist die Arbeit für den Imker noch nicht vorbei: Damit die Bienen nach der Honigernte genug zu essen haben, versorgt er sie mit Rübenzuckerwasser. Außerdem macht er sie fit gegen Schädlinge wie die gefährliche Varroa-Milbe. Dieser Schädling kann Bienen so krank machen, dass sie sterben. „Ohne die Pflege eines Imkers würden die Honigbienen deshalb heute kaum überleben“, sagt Ralf Heipmann.

Bei der Arbeit am Bienenstock trägt er eine helle Jacke mit einer Kapuzenhaube zum Schutz gegen Stiche. „Vor allem die Haare sollte man bedecken, denn für Bienen sieht man sonst aus wie ein Bär, der ihnen den Honig klauen will“, sagt er. Von einem Bienenvolk werden nur die Königin und die sogenannten Winterbienen älter als einige Wochen. Wenn es im Herbst kühler wird, kuscheln sie sich zu einer Kugel zusammen und wärmen sich den Winter über gegenseitig.

Hilfe für Bienen

Iris Pinkepanke (rechts) und Stefanie Breil haben die Honig Connection gegründet. (Foto: Max Grönert)

Iris Pinkepanke (rechts) und Stefanie Breil
haben die Honig Connection gegründet. (Foto: Max Grönert)

Seit vielen Jahren beklagen Forscher, dass es immer weniger Insekten und damit auch Honig- und Wildbienen gibt. Sie sind aber sehr wichtig, denn bei ihrer Suche nach Nektar bestäuben sie Pflanzen und sorgen dafür, dass Obst und Gemüse wachsen. „Bienen bringen uns nur Gutes: Sie produzieren Honig, Wachs, Pollen für die Bestäubung. Im Gegenteil zu anderen Nutztieren wie Rind und Schwein belasten sie die Umwelt aber nicht“, sagt Iris Pinkepank.

Gemeinsam mit ihrer Imkerkollegin Stephanie Breil hat sie die „HonigConnection“ beim Kölner Imkerverein gegründet. Sie informieren unter anderem an Schulen, wie Umweltgifte und Futtermangel den Honig- und Wildbienen zu schaffen machen und was man dagegen tun kann. „Zum Beispiel Kräuter und bienenfreundliche Blumen pflanzen, weniger Fleisch essen, viel Gemüse essen und lokalen Honig kaufen“, erklärt die Imkerin.

Wenn du dich für das Imkern interessierst, schau mal auf der Website von Ralf Heipmann auf www.domimkerei.de oder beim Imkerverein auf www.koelner-imkerverein.de.