Kinderreporter fragen die Ministerpräsidentin

Kinderreporter fragen die Ministerpräsidentin
Fine (von links), die Ministerpräsidentin, Jona und Carolin im Gespräch (Foto: Grönert)

Sie ist die Ministerpräsidentin, die Regierungschefin, von Nordrhein-Westfalen: Hannelore Kraft (55).  Mit ihrer Partei SPD will sie bei der Landtagswahl am 14. Mai wieder die meisten Stimmen holen. Unsere Kinderreporter Fine, Jona und Carolin haben Hannelore Kraft getroffen.

Fine: Ich habe mir den Sitzplan des Landtags im Internet angeschaut und gesehen, dass Sie zwei Sitzplätze haben. Warum? Wo sitzen Sie öfter?

Ruft manchmal rein: Hannelore Kraft (Foto: Grönert)

Hannelore Kraft: Ich sitze meistens auf dem Platz der Ministerpräsidentin. Direkt vorne am Rednerpult ist die Regierungsbank und dort habe ich den ersten Platz. Den anderen Sitzplatz habe ich, weil ich auch Abgeordnete bin, nämlich vom Wahlkreis Mülheim an der Ruhr. Übrigens muss man in Nordrhein-Westfalen Mitglied des Landtages sein, um überhaupt Ministerpräsidentin werden zu können – das ist in anderen Bundesländern nicht der Fall. Ab und zu setze ich mich auch mal hinten auf den Abgeordneten-Platz. Das mache ich vor allem dann, wenn ich ein bisschen meckern und reinrufen will. Das ist von vorne nämlich nicht erlaubt.

Jona: Die SPD möchte, dass bald jeder selbst entscheidet, ob man G8 oder G9 macht. Ich bin selbst auf dem Gymnasium und kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll …

Hannelore Kraft: Früher sind die Schüler neun Jahre aufs Gymnasium gegangen. Dann wurde G8 eingeführt. Im Nachhinein finde ich, dass der größte Fehler war, ein Jahr aus der Mittelstufe wegzunehmen. Wir wollen die Sekundarstufe I jetzt wieder um ein Jahr länger machen, bis zum Ende der 10. Klasse. Das nimmt den Druck aus den unteren Klassen: Man muss dann nicht mehr so viele Stunden in der 5., 6. oder 7. Klasse machen. Anfang der Klasse 10 müssen sich die Schülerinnen und Schüler dann einzeln entscheiden: Will ich schnell weitermachen oder langsam? Schnell heißt: Ich mache in der 10 ein paar Stunden mehr, überspringe die 11 und mache G8. Langsam heißt: Ich mache insgesamt 13 Jahre bis zum Abitur. Es wird beides zusammen an jedem Gymnasium gehen und das entspannt die Situation für alle.

Jona: Was halten Sie generell von G8?

Klar, besonders das Thema Schule interessierte unsere Reporter. (Foto: dpa)

Hannelore Kraft: Ich glaube, es gibt nicht wenige Schülerinnen und Schüler, die wollen G8 und die werden das auch gut schaffen. Und es gibt welche, die wollen sich ein bisschen mehr Zeit lassen, auch für andere Dinge am Rande der Schule, etwa Sport oder Musik. Mein Sohn ist zum Beispiel in der 11. Klasse ein Jahr als Austauschschüler in die USA gegangen. Für ihn war es gut, dass es damals noch G9 gab, denn sonst hätte er das früher machen müssen. Viele Eltern fanden es nicht gut, dass bei G8 Auslandsaufenthalte schwerer organisierbar sind. Ich glaube es ist gut, wenn künftig jeder nach seinen Fähigkeiten und Interessen entscheiden kann.

Carolin: Fänden Sie es besser, wenn alle Schüler bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet würden?

Hannelore Kraft: Die Frage der Schulstruktur haben wir schon 2011 in Nordrhein-Westfalen entschieden. Wir Parteien wollten nicht mehr darüber streiten, welche Schulform angeblich die bessere und welche die schlechtere ist. Wir haben damals einen sogenannten Schulfrieden geschlossen: Mit dabei waren die beiden großen Parteien SPD und CDU, aber auch die Grünen. Und deshalb bleibt jetzt auch erst mal alles so, wie es ist. Ich persönlich glaube, längeres gemeinsames Lernen ist gut und richtig. Deswegen wählen das viele Eltern für ihre Kinder. In der Politik reden wir jetzt aber vor allem über Qualität von Schule, über Inhalte, darüber was ihr lernen sollt und wie wir noch digitaler werden können. Außerdem renovieren wir die Schulen gerade mit viel Geld, mit zwei Milliarden Euro nämlich.

Das Interview führten unsere Kinderreporter Fine, Jona und Carolin