„Klassik kann Kindern Mut machen“

„Klassik kann Kindern Mut machen“
Malte Arkona. Foto: Ben Wolf

Bestimmt kennst du ihn als Moderator des Tigerentenclubs oder von „Die beste Klasse Deutschlands“: Malte Arkona ist ein bekanntes Gesicht im Fernsehen. Und spätestens ab heute ist es auch oder vor allem seine Stimme. In der neuen Hörspiel-Reihe „Malte & Mezzo“ nimmt er dich mit auf eine Reise durch sämtliche Facetten von klassischer Musik. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was er an Klassik so faszinierend findet. Und warum das auch etwas für Kinder ist.

Kim Unger und Malte Arkona sind bei der Show «Die beste Klasse Deutschlands» mit dabei. Foto: Melanie Grande/KiKA/Bavaria Entertainment/dpa

Interview

Herr Arkona, am Freitag geht es für Malte & Mezzo nach Italien – und auf dem Weg im Auto läuft klassische Musik. Was denken Sie, bei wie vielen Familien ist das heute der Fall, wenn sie in den Urlaub fahren?
Ich schätze mal, bei etwa drei Prozent der Familien (lacht). Das werden wohl sehr wenige sein. Aber genau das ist einer der Gründe, warum wir dieses Mozart-Thema ausgerechnet mit auf eine Autofahrt nehmen – um zu zeigen: Klassische Musik kann überall in unserem Alltag sein.

Wie war das bei Ihnen? Wie sind Sie in Kontakt mit klassischer Musik gekommen?
In meiner Kindheit war das Thema immer präsent, ich habe schon früh etwa die Opern „Hänsel und Gretel“ oder „Peter und der Wolf“ zuhause gehört. Die Menschen, die diese Stücke komponiert haben, gibt es zwar nicht mehr, aber sie haben uns etwas hinterlassen. Und ihre Musik enthält das pure Leben. Das ist die Chance der Klassik – sie nimmt das hohe Tempo raus, das der Alltag oft hat. Und Ziel ist, auch mit unserem Hörspiel natürlich, dass Kinder Klassik auch mal live erleben. Sich eines Tages in ein Konzert setzen und dort selbst etwas für sich mitnehmen.

Was ist denn an Mozart und Beethoven heute noch aktuell?
Aktuell waren und sind vor allem die Gefühle, die ihre Musik ausdrücken – das geht von tieftraurig bis hin zu einer Leichtigkeit, die Lebensfreude auf uns heute überspringen lässt. Und das, obwohl die Komponisten es selbst in ihrem Leben nicht immer leicht hatten. Mozart beispielsweise saß einen großen Teil seines Lebens in einer Kutsche, auf engstem Raum mit der Familie und bei kältesten Temperaturen. Oder Beethoven, der ab Mitte 20 immer weniger hören konnte. Trotz dieser schwierigen Situationen haben sie etwas Besonderes erschaffen – und das wiederum kann Kindern Mut machen, sich an schwierigen Tagen aufzuraffen. Oder sich bewusst zu entspannen, denn jeder hat mal diese Tage, die man am liebsten aus dem Lebenslauf streichen möchte.

Malte Arkona. Foto: Ben Wolf

Was müssen klassische Musikschaffende Ihrer Meinung nach tun, um Kinder mehr in diese Kultursparte zu integrieren?
Ungehemmt mit Begeisterungsfunken sprühen und keine Angst vor einer einfachen Sprache haben. Das ist eine spannende Herausforderung. In einem Konzertsaal sitzen womöglich Jugendliche, die noch nie etwas vom Köchelverzeichnis – also der ausführlichen Liste von Mozarts Werken – gehört haben. Und auf der anderen Seite 75-Jährige, die alles in- und auswendig kennen. Konzert und Theater sollte außerdem für niemanden heißen, sich zwanghaft schick zu machen, um dann eine Stunde lang still und ruhig zu sein. Jede Frage muss erlaubt sein!

Welche Rolle würden Sie sagen, nimmt denn dabei Ihr Freund Mezzo in den Hörspielen ein? Sie hätten sie ja theoretisch auch alleine machen können.
Natürlich – ich stand bei den Aufnahmen ohnehin alleine vor dem Mikro und habe mit mir selbst gesprochen. Aber das Schöne an Mezzo ist: Er ist der Unerschrockene, der Fragen stellt und auch mal hemmungslos sagt „Kenne ich nicht“. Ich bin hingegen der Erklärbär, Nerd und Musikliebhaber. Hoffentlich nicht zu nervig für Mezzo. Es wirkt so, als wüsste ich permanent alles, aber natürlich musste ich mich vorher auch erstmal einlesen.

Neben Ihrem Job als TV-Moderator sind Sie regelmäßig als Musikvermittler in Konzertsälen unterwegs. Was würden Sie denn zu einem Kind sagen, das Sonntagsnachmittags vor der Wahl steht: Theater und Museum mit den Eltern oder Spielenachmittag mit Freunden?
Grundsätzlich schließt sich ja beides nicht aus (lacht). Aber vielleicht muss man sich bewusst machen: Es gab Zeiten, da haben Musiker „gerockt“, ganz ohne Steckdose. Da hat man ohne Wlan zusammen gespielt und sich Geschichten erzählt. Und wer beginnt, diese Geschichten zu verstehen, die um die Musik drum herum gebaut sind – der will auch mitkommen. Und solange das noch nicht live klappt, bietet unser Hörspiel diese Geschichten komplett keimfrei zum streamen.

Das Gespräch führte Elisa Sobkowiak