Umweltfreundliche Massen

Umweltfreundliche Massen
Möglichst viele Fans sollen bei der EM mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Fußball-Europameisterschaft der Männer soll ein umweltfreundliches Turnier werden. Doch was wird dafür getan? Und reicht es aus?

Im Juni ist bei uns in Deutschland richtig viel los. Dann ist Fußball-EM. Zehntausende Fans werden etwa nach Hamburg, Berlin, Frankfurt und München reisen, um sich Spiele anzuschauen. Unterwegs und im Stadion werden sie essen und trinken. Da fällt auch viel Müll an. Trotzdem will die Europameisterschaft ein nachhaltiges Turnier sein. Wie soll das gehen?

„Für ein nachhaltiges Turnier ist es wichtig, dass wir die Natur bestmöglich schützen“, sagt Andreas Schär. Er ist der Geschäftsführer für die EM 2024. „Dafür versuchen wir, dass möglichst viele Personen mit dem Bus, der Bahn, dem Fahrrad oder zu Fuß zum Stadion kommen und auf das Flugzeug oder Auto verzichten.“

Das Volksparkstadion in Hamburg ist einer dort Orte, an denen in Deutschland gespielt wird. Foto: Christian Charisius/dpa

Deshalb kann man mit der Eintrittskarte für ein Spiel den ganzen Tag die Busse und Bahnen im Austragungsort nutzen. Auch die Deutsche Bahn bietet günstigere Fahrkarten für die Fans an, die in die Stadien
 wollen.

Ungenaue Ziele

Das findet auch Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe richtig. Aber: „Die Veranstalter der EM haben ihre Ziele häufig so formuliert, dass man sie nicht genau messen kann.“ Weniger Verkehr rund um die Stadien oder weniger Kurzflüge, steht dort zum Beispiel. „Aber wie viel weniger denn?“, fragt der Umweltschützer. Er hätte sich unter anderem ein klares Verbot von Autos rund ums Stadion und von Kurzstreckenflügen für Mannschaften und die Veranstalter gewünscht.

„Insgesamt sind die Voraussetzungen in Deutschland gut, um bei der EM die Umweltauswirkungen im Vergleich zu früheren Turnieren zu verringern“, findet Thomas Fischer. Die Wege zwischen den Spielorten sind eher kurz. Die deutsche Nationalmannschaft zum Beispiel spielt erst in München, dann in Stuttgart und schließlich in Frankfurt. Diese Orte liegen vergleichsweise nah beieinander.

Müll möglichst vermeiden

Zu einem nachhaltigen Turnier gehört aber noch mehr als der Reiseverkehr. Andreas Schär erklärt: „Zudem soll so viel Müll wie möglich vermieden werden und dieser recycelt werden, wenn er nicht zu verhindern ist.“ Becher sollen möglichst wiederverwendbar sein. Außerdem können die Leute an Trinkwasserbrunnen ihre Becher und Flaschen wieder auffüllen. Thomas Fischer findet jedoch: Nicht nur Becher, sondern auch Verpackungen wie Pommesschalen müssten wiederverwendbar sein.

Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft möchten ein erfolgreiches Turnier spielen. Foto: dpa

Auch zu den offiziellen Fanartikeln hat der Umweltschützer eine Meinung. „Vieles wird in Ländern hergestellt, die wenig auf den Umweltschutz und auch auf die Menschenrechte achten.“ Es gibt Gesetze, die verhindern sollen, dass solche Produkte bei uns verkauft werden. Trotzdem sei es wichtig, dass die Anbieter genau hinschauen, wo sie ihre Artikel bestellen, sagt der Umweltschützer.

Wird die EM seiner Meinung nach ihr Ziel erreichen? „Sie wird zu den umweltfreundlicheren Veranstaltungen dieser Art gehören. Aber man hätte noch viel mehr tun können“, meint Thomas Fischer.

Sparsam im Stadion

In zehn Stadien in Deutschland wird die Europameisterschaft ausgetragen. Dafür ist viel Energie nötig: für Flutlicht und andere Beleuchtung zum Beispiel, die Kameratechnik und die Übertragung zu den Fernsehsendern. Auch Wasser rauscht in Mengen durch die Leitungen der Stadien.

Einige Stadien versuchen schon, bei den Spielen Energie und Wasser zu sparen. Sie nutzen zum Beispiel LED-Lampen in den Flutlichtanlagen. Die LEDs brauchen viel weniger Strom. In den Toiletten kann man auch Regenwasser oder sogenanntes Grauwasser zum Spülen benutzen. Grauwasser ist Wasser, das nicht teuer extra als Trinkwasser aufbereitet wurde.

Trotzdem entsteht bei solchen Veranstaltungen das klimaschädliche Gas CO2. Das soll an anderer Stelle ausgeglichen werden. Die Veranstalter zahlen Geld in eine Art Topf ein. Mit dem Geld können dann zum Beispiel kleinere Vereine umweltfreundliche Projekte umsetzen.

Von Philipp Brandstädter (dpa)