Zur Schule über Grenzen

Zur Schule über Grenzen
Néo geht auf eine besondere Schule. Denn das Schengen-Lyzeum liegt in einem Dreiländereck. Foto: Jennifer Heck/dpa

Mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern unterhält Néo sich auf Französisch und Deutsch. Seine Schule liegt in einem Dreiländereck. Das merkt man auch an dem Schulweg des Jungen.

Bevor Néo in der Schule ankommt, hat er schon zweimal eine Grenze überquert. Der elf Jahre alte Schüler wohnt im Bundesland Rheinland-Pfalz in Deutschland. Seine Mama nimmt ihn jeden Morgen mit zu ihrer Arbeitsstelle ins Nachbarland Luxemburg.

„Dort gegenüber ist eine Bushaltestelle, wo die Schulbusse auch vorbeifahren“, erklärt Néo. Mit dem Bus fährt er schließlich weiter ins Saarland. In dem Bundesland besucht er die sechste Klasse des Schengen-Lyzeums. Er fährt also von Deutschland nach Luxemburg und wieder nach Deutschland.

Yves Steichen (links) ist Néos Klassenlehrer. Foto: Jennifer Heck/dpa

Néos Schule befindet sich in einem Dreiländereck. An dieser Stelle grenzen Deutschland, Frankreich und Luxemburg aneinander. Zwischen den Ländern kann man also schnell hin und her fahren. Grenzkontrollen gibt es dort in der Regel nicht. Das geht, weil Politiker vor fast 40 Jahren einen speziellen Vertrag unterschrieben haben: das Schengener Abkommen.

Deutsch, Französisch und Luxemburgisch

Das macht auch Neós Schule so besonders: Die meisten Schülerinnen und Schüler sprechen Deutsch, Französisch und Luxemburgisch. Das seien die Sprachen, die dort in der Gegend gesprochen würden, erklärt Néo.

Mit seinen Freunden redet der Schüler meist auf Französisch, mit manchen auch auf Deutsch. „Deutsch ist für mich Schulsprache, die habe ich hauptsächlich in der Schule und im Kindergarten gelernt“, erklärt er. Zu Hause ist er der Einzige, der Deutsch spricht. Denn Néos Papa ist Luxemburger, die Mama Französin.

An Néos Schule wird viel in Arbeitsgruppen gearbeitet. Seine Lieblingsfächer sind Informatik und Arbeitslehre. Dort haben sie in diesem Jahr mit Holz gearbeitet, im vergangenen Jahr wurde gekocht.

Néo besucht die sechste Klasse einer besonderen Schule. Die meisten Kinder dort sprechen Deutsch, Französisch und Luxemburgisch. Foto: Jennifer Heck/dpa

Das Miteinander steht im Vordergrund

„Es geht nicht nur ums Zusammenlernen“, sagt Néos Klassenlehrer Yves Steichen. Am Schengen-Lyzeum würden die europäischen Werte vermittelt. „Im Vordergrund stehen das Zusammenleben und das Voneinanderlernen“, erklärt er. „Weil wir zusammenleben, ohne dass es ein Thema ist.“

In den nächsten Tagen und Wochen geht es in den Nachrichten besonders viel um Europa. Denn vom 6. bis 9. Juni steht die Europawahl an. Dann wird in den 27 Ländern der Europäischen Union gewählt, also auch in Deutschland, Frankreich und Luxemburg.

Néo nimmt an manchen Tagen nach der Schule wieder den Bus nach Luxemburg zur Arbeit seiner Mama. Manchmal fährt er auch direkt zu seinem Zuhause in Deutschland. Dort wohnt Néo gern. „Ich denke, ich werde später in Deutschland oder Frankreich leben“, sagt er. Weil seine Großeltern in Frankreich wohnen, fühlt er sich auch zu diesem Land verbunden.

Viele Sprachen und viele Lehrkräfte

An manchen Schulen gehört das schon fast zum Alltag: Die Mathe-Stunde fällt zum Beispiel aus, weil der Lehrer fehlt. An der Schule des elf Jahre alten Neó aber sind oft gleich mehrere Lehrkräfte für den Unterricht eingeplant.

Denn Néo besucht eine außergewöhnliche Schule im Dreiländereck, wo sich Deutschland, Luxemburg und Frankreich treffen. Die Kinder dort lernen ab der fünften Klasse drei Sprachen: Deutsch, Luxemburgisch und Französisch. Néo hat deshalb auch gleich drei Klassenlehrer, einen in jeder Sprache.

Ab der neunten Klasse werden manche Fächer zweisprachig unterrichtet. Der Geschichtsunterricht sieht dann so aus: „Da sind zwei Lehrer in der Klasse, die sich abwechseln“, erklärt Néos Klassenlehrer Yves Steichen. „Der eine Lehrer hält eine Stunde auf Französisch, der andere auf Deutsch.“ In der Oberstufe findet das Fach komplett auf Französisch statt.

Von Jennifer Heck (dpa)