Die Tier-Detektive

Die Tier-Detektive
Seeadler stehen unter Schutz. Doch immer wieder kommt es vor, dass sie dennoch getötet werden. Foto: Patrick Pleul/dpa

Wenn ein Verbrechen passiert, kommt die Spurensicherung und sammelt Hinweise. Das kennt man aus Krimis. Für Wildtiere gibt es so etwas auch. Experten sammeln Spuren, um herauszufinden, was einem getöteten Tier passiert ist.

Sie arbeiten wie Detektive und kommen so Dieben, Betrügern und anderen Verbrechern auf die Spur. Doch bei den Fällen geht es nicht um Bargeld oder Diamanten. Es geht stattdessen um Tiere. Genauer gesagt um Wildtiere wie Greifvögel, Wölfe oder Fische. Denn das, was Arne Ludwig und sein Team machen, nennt man Wildtier-Forensik.

Junge Störe werden wieder in der Natur ausgesetzt. Denn die Fische waren dort fast ausgerottet. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Das Team nimmt seine Arbeit zum Beispiel auf, wenn ein Wildtier getötet wurde. Denn immer wieder werden Tiere absichtlich vergiftet oder verbotenerweise geschossen. „Vieles, an dem wir arbeiten, ist geheim“, erklärt der Biologe. Das hat etwas damit zu tun, dass das Team bei Gericht hilft. Regelmäßig sagen die Wildtier-Forensiker bei Verhandlungen als Experten aus. So sollen Menschen geschnappt werden, die Wildtieren schaden.

Proben mit Gen-Material

In ihrem Labor in der Stadt Berlin untersuchen die Fachleute dafür unter anderem Tierhaare, Blut oder Proben mit Gen-Material. Dieses Gen-Material nennt man auch DNA. Darin sind wichtige Sachen gespeichert. Etwa, um welche Tierart es sich genau handelt und woher das Tier ursprünglich stammt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn es um den Handel mit geschützten Tierarten geht. Oft werden dafür Tiere in der Wildnis gefangen und für viel Geld verkauft, obwohl das verboten ist.

Auch Betrügern kommen die Fachleute so auf sie Spur. Zum Beispiel, wenn es um Lebensmittel wie Kaviar geht. Bei den Kügelchen handelt es sich um Fischeier, die manche Leute gerne essen. Die Eier stammen vom Stör. Früher wurden die Weibchen getötet, um an die Eier zu kommen. Das führte dazu, dass der Stör zwischenzeitlich fast ausgerottet war. Um die Tiere zu schützen, wurde der Handel mit wildem Kaviar verboten. Das bedeutet: Man darf nur Eier von Fischen nehmen, die aus einer Fischzucht stammen. Zum Glück müssen die Tiere dafür auch nicht mehr getötet werden.

Greifvögel wie der Rotmilan stehen unter strengem Schutz. Doch immer wieder werden sie von Menschen getötet. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Es wird viel getrickst

Doch halten sich alle Verkäufer daran und lassen die wilden Störe in Ruhe? Das wollten Arne Ludwig und sein Team wissen. Dazu suchten sie in den Eiern unter anderem nach bestimmten Stoffen, die mit dem Futter aufgenommen und dann im Körper und den Eiern eingelagert werden. „In der Fischzucht bekommen die Störe ein spezielles Futter. Das unterscheidet sich von dem, was die Fische in freier Wildbahn fressen“, erklärt der Experte. Dadurch lagern Zuchtfische andere Stoffe im Körper ein als die Fische in Freiheit.

Die Fachleute haben herausgefunden, dass beim Kaviar ziemlich getrickst wird: In vielen Proben haben sie wilden Kaviar entdeckt. Für die Störe erst mal eine echt schlechte Nachricht. Doch wer so
etwas weiß, kann auch mehr für den Schutz der Fische tun.

Von Stefanie Paul (dpa)