Was macht einen der dunkelsten Flüsse der Welt so schwarz?
Ein Forscherteam aus der Schweiz hat einen der dunkelsten Flüsse der Welt gefunden. Travis Drake hat den Fluss Ruki untersucht und herausgefunden, was ihm seine schwarze Farbe gibt.
„Der Fluss Ruki ist so schwarz, wenn du deine Hand ins Wasser hältst, ist sie nicht mehr zu sehen“, sagt der Forscher Travis Drake. Er und seine Kollegen haben herausgefunden, dass der Fluss Ruki im afrikanischen Land Kongo einer der dunkelsten Flüsse der Welt ist.
Ist dieser Fluss besonders dreckig? „Das Wasser des Ruki ist zwar sehr dunkel, aber nicht dreckig“, erklärt Travis Drake, der an einer Universität in unserem Nachbarland Schweiz forscht. „Die Farbe des Wassers allein sagt dir nicht, ob das Wasser sauber ist. Das Wasser des Flusses Ruki könntest du problemlos trinken. Die Menschen, die dort leben, machen das täglich.“
Wasser hat keine Farbe
Seine Farbe erhält der Fluss durch die Teilchen, die im Wasser gelöst sind. Denn Wasser selbst hat keine Farbe. Woher kommen diese Teilchen? Ein großer Teil des Wassers in einem Fluss ist Regenwasser. Der Forscher erklärt: „Der Regen landet auf seinem Weg in einen Fluss auf Bäumen, Sträuchern, Gräsern. Er sickert durch die Erde. In Städten fließt er über den Asphalt. Dabei nimmt das Wasser kleine Teilchen der Oberflächen oder der Erde mit.“

In seinem Labor untersucht Forscher Travis Drake Wasserproben aus dem Fluss Ruki. Foto: Mariana Friedrich/dpa
Diese Teilchen haben Farben. „Wenn in dem Wasser Teilchen von Pflanzen oder Erde enthalten sind, wirkt es etwas dunkler“, sagt Travis Drake. So ist es beim Ruki: Material von abgestorbenen Dschungel-Pflanzen landet durch Regen im Fluss. Anderes Material kann Flüssen andere Farben geben. „Sind in der Erde viele Eisenteilchen, sieht das Wasser rot aus. Können die Teilchen Licht nicht reflektieren, sieht das Wasser schwarz aus. Bei Kohlenstoffen ist das zum Beispiel so“, erklärt der Wissenschaftler.
Wie bei einer Tasse Tee
Je mehr Teilchen im Flusswasser enthalten sind, umso intensiver wirkt die Farbe. Travis Drake vergleicht das mit einer Tasse Tee. „Wenn du den Teebeutel nur kurz in das Teewasser hältst, bleibt das Wasser fast durchsichtig. Wenn du den Tee lange ziehen lässt, sich also immer mehr Teilchen im Wasser lösen, wird das Wasser immer farbiger.“ Im Fluss Ruki im Kongo sind viel mehr Teilchen enthalten, die den Fluss dunkel färben, als in allen anderen Schwarzwasserflüssen. „Das macht den Ruki zu einem der dunkelsten Flüsse der Welt“, sagt Travis Drake.
Aber wieso ist es interessant, die Farbe von Flüssen zu untersuchen? „Die Farbe eines Flusses kann dir sehr viel darüber verraten, was an Land passiert“, sagt Travis Drake. „Wir messen, ob Stoffe vom Land in die Flüsse kommen, die da nicht sein sollten und den Tieren und Pflanzen vielleicht sogar schaden“, erklärt der Forscher. Das können zum Beispiel Stoffe aus der Landwirtschaft sein, Medikamente, Öl oder andere Verunreinigungen. „Wie ein Arzt eine Blutprobe von einem Patienten nimmt und untersucht, ob es dem Patienten gutgeht, schauen die Wissenschaftler in Wasserproben, ob es der Umgebung um einen Fluss gutgeht.“
Von Mariana Friedrich (dpa)





