So entsteht ein Hörspiel im Tonstudio

Noe arbeitet schon als Sprecherin und vertont Hörspiele.
Noe hat die Hauptrolle in dem Hörspiel „Der Kinderfresser“ von Klaus Strenge eingesprochen.

Hörst du auch gerne Hörspiele zum Einschlafen? Und hast du dich schon mal gefragt, wie so eine Geschichte aufgenommen wird? Wir haben die 12-jährige Noe bei Aufnahmen in einem Tonstudio in Köln-Ehrenfeld begleitet. Sie spricht die Cilly van Zimt im Hörspiel „Der Kinderfresser“ von Klaus Strenge.

Darum geht es im Hörspiel

Cilly van Zimt hat Angst vor einem Monster unter ihrem Bett. Aber niemand will ihr glauben, vor allem ihr Vater nicht. Doch eines Nachts kriecht das Kinderfresser-Monster unter Cillys Bett hervor. Aber es will gar keine Kinder fressen, sondern viel lieber Abenteuer mit Cilly erleben. Das Hörspiel gibt es schon zu kaufen, es wurde 2017 aufgenommen.

In den kommenden Wochen geht „Der Kinderfresser“ auf Lesereise durch ganz NRW, auch drei Kölner Schulen sind dabei. Für diese Veranstaltungen hat Noe an unserem Tag im Tonstudio ein schaurig-schönes „Einführungsgedicht“ eingesprochen.

Im Aufnahmeraum

„Das Sprechen hat mir von Anfang an riesigen Spaß gemacht“, sagt Zoe. (Foto: Max Grönert)

Hier spricht Noe ihre Texte ins Mikrofon. Das schwarze Schild vor dem Mikro ist der sogenannte „Popschutz“. Das ist ein schwarzer, ringförmiger Rahmen, der mit einem Gewebe bespannt ist. Er soll die „P-Töne“ der Sprecher, auch Pop-Luftstöße genannt, vor dem Mikrofon abbremsen. Mit dem Schutz klingt es besser.

Die Decke im Studio ist mit Schaumstoffplatten ausgekleidet, so gibt es keinen störenden Rückschall.

Das Mikrofon ist mit dem Computer im Nebenraum verbunden, hier werden dann alle Töne perfekt abgemischt.

Hier kommen die Töne zusammen

Nebenan sitzt Ton-Profi Peter Wieschermann am PC. Ein richtiges Mischpult, wie es das früher gab, hat er nicht mehr. Heute läuft alles über den Computer. Das Mischpult sieht man nur noch als virtuelle Abbildung auf dem PC.

Ton-Profi Peter Wieschermann passt auf die Technik auf. (Foto: Max Grönert)

Wenn der Text eingesprochen ist und Klaus Strenge, der Autor und Regisseur des Hörspiels mit der Aufnahme zufrieden ist, kann Peter Wieschermann den Ton verändern.

Zum Beispiel kann er ein Echo einfügen oder einen Hall, dass die Aufnahme so klingt wie in einer Höhle. Das gesprochene Gedicht von Noe soll klingen wie unheilvolles Geflüster. Am Ende schneidet Peter dann die Tonspuren zusammen. Versprecher kann er aus einer Tonspur herausschneiden.

Bevor es losgeht

Sprecher arbeiten ähnlich wie Schauspieler. Ohne Kamera zwar, aber vor dem Mikrofon. Damit ihre Stimmen gut und locker klingen, wärmen sie sich auf, bevor es losgeht. Noe macht das mit Unterstützung von Andrea Herrmann von der Kölner Agentur Härmanz.

Die beiden machen im Aufnahmeraum Atemübungen und Klatschspiele mit ihren Händen. Sie pusten und sagen ganz oft in verschiedenen Stimmlagen „Scho-ko-la-de“. „Beim Aufwärmen geht es darum, beide Gehirnhälften miteinander zu verbinden“, erklärt Andrea Hermann.

Sprecherin Noe, 12 Jahre

„Am Anfang muss ich mich immer reindenken in Cilly. Über den Kopfhörer höre ich dann die Geräusche, die eingespielt werden. Das Sprechen hat mir von Anfang an riesigen Spaß gemacht. Manchmal spreche ich zu schnell und eben bin ich einmal kurz in der Zeile verrutscht, aber ansonsten klappt das wirklich gut. Als wir das komplette Hörspiel aufgenommen haben, war ich zweimal die Woche etwa zwei bis drei Stunden hier im Tonstudio. Und das für drei Wochen. Ich gehe auf die Ursulinenschule in Köln, spiele Theater und habe auch schon mal eine Büttenrede gehalten. Auch in einem Kinofilm habe ich mitgespielt. An dem Kinderfresser-Hörspiel mag ich, dass Cilly so mutig ist.“

Regisseur Klaus Strenge

Es ist wichtig, dass sich das ganze Team im Studio gut versteht. (Foto: Max Grönert)

Klaus Strenge, Zoe, Andrea Hermann und Peter Wieschermann verstehen sich gut im Studio. (Foto: Max Grönert)

„Ich sage den Sprechern, wie ihre Sätze klingen sollen. Ich sitze zwar im anderen Raum, aber wenn ich eine bestimmte Taste drücke, dann hören sie mich über ihren Kopfhörer. Manchmal möchte ich, dass ein Textteil zum Beispiel fröhlicher oder trauriger klingt. Eben habe ich Noe gesagt, dass sie das Wort „vielleicht“ sprachlich ein bisschen mehr auseinander ziehen soll, um die Wirkung in dem Satz noch spannender zu machen. Die Geschichte vom Kinderfresser habe ich mir schon 1998 ausgedacht, als ich eine längere Zeit mit dem Zug gefahren bin. Ich habe dann über die Jahre immer mal wieder daran gearbeitet und 2015 habe ich das Hörspiel fertig geschrieben.“

Von Christina Rinkl