Besuch auf der Rheinstation

Forschung mal anders. Die Uni Köln hat auf dem Rhein ein Forschungsschiff. (Foto: Michael Bause)
Forschung mal anders. Die Uni Köln hat auf dem Rhein ein Forschungsschiff. (Foto: Michael Bause)

Flink schnappt der kleine Signalkrebs mit seiner Schere zu. Doch Georg Becker weiß genau, wie er das Tier anfassen muss, damit er nicht gezwickt wird. Der Signalkrebs ist erst etwa drei Jahre alt und damit noch lange nicht ausgewachsen. Eigentlich lebt er im Rhein. Momentan aber wohnt er ein paar Meter darüber: In einem Aquarium auf der Ökologischen Rheinstation der Universität Köln. Die Station befindet sich auf einem Hausboot auf dem Rhein, mitten in Köln-Marienburg. Georg Becker ist Biologe und erforscht auf dem 60 Meter langen Boot Lebewesen, die im Wasser leben.

Die ökologische Rheinstation

Georg Becker ist Biologe und arbeitet auf der Rheinstation. Er kennt die geheime Unterwelt des Rheins ganz genau. Foto: Michael Bause

Georg Becker ist Biologe und arbeitet auf der Rheinstation. Er kennt die geheime Unterwelt des Rheins ganz genau. Foto: Michael Bause

Die Rheinstation ist in Europa einmalig. Nur hier wird das Rheinwasser direkt aus dem Fluss zum Boot hochgepumpt. Im Labor fließt es dann durch Rinnen, in denen Würmer, Muscheln und viele andere Arten des Rheins leben.

So können die Wissenschaftler die Tiere und Pflanzen fast wie in ihrer natürlichen Umgebung untersuchen. Müssten Wasser und Tiere erst in Kisten zur Universität verfrachtet werden, würden das viele Tiere gar nicht erst überleben.

Was ist Ökologie?

Alle Lebewesen im Rhein haben Aufgaben. Muscheln zum Beispiel filtern das Wasser. Foto: Michael Bause

Alle Lebewesen im Rhein haben Aufgaben. Muscheln zum Beispiel filtern das Wasser. Foto: Michael Bause

„Die Ökologie ist eine Wissenschaft innerhalb der Biologie, die sich mit Lebewesen und ihrer Umwelt beschäftigt“, erklärt Georg Becker. Zum Beispiel damit, wie sich die Wassertemperatur, das Licht oder die Geschwindigkeit der Wasserströmung auf die Tiere auswirken. Oder wie sich die verschiedenen Tierarten in einer Lebensgemeinschaft wie dem Rhein gegenseitig beeinflussen. Das ist wichtig zu wissen, um die Lebensweise der Tiere zu verstehen.  Jedes Tier hat eine Aufgabe in der Lebensgemeinschaft. Muscheln zum Beispiel filtrieren das Wasser und tragen so dazu bei, dass es sauber bleibt.

Woran arbeiten die Forscher dort?

Auf der Forschungsstation dürfen auch Schüler mit ihrer Klasse an biologischen Fragestellungen arbeiten. Foto: Michael Bause

Auf der Forschungsstation dürfen auch Schüler mit ihrer Klasse an biologischen Fragestellungen arbeiten. Foto: Michael Bause

Die Forscher untersuchen, welche Pflanzen und Tiere im Rhein leben und wie sie auf veränderte Bedingungen reagieren. Sie nehmen dafür auch Proben aus dem Wasser. Mit einem Bagger werden sogar Proben aus dem Rheinboden genommen, denn darin leben ebenfalls Tiere wie Würmer. Auch Muscheln verbuddeln sich häufig im Sandboden, nur noch zwei Röhren schauen dann wie Schnorchel aus dem Sand heraus. Außerdem werden Studenten- und Schülergruppen auf dem Boot unterrichtet.

Jeder Stein ein Lebensraum

Laien sehen nur Schlamm - Georg Becker eine ganz Welt von Lebewesen. Foto: Michael Bause

Laien sehen nur Schlamm – Georg Becker eine ganz Welt von Lebewesen. Foto: Michael Bause

Jeder Stein im Rhein ist bereits ein eigener kleiner Lebensraum. Darauf wachsen zum Beispiel winzige, einzellige Algen und Bakterien. Und jeder dieser Lebensräume ist einzigartig. Zum Beispiel wachsen auf einem Stein, der in der Sonne liegt, mehr Algen, als auf einem Stein, der immer im Schatten ist. Und wenn mehr Algen da sind, gibt es auch mehr Schnecken, die die Algen abkratzen und sich von ihnen ernähren. Georg Becker untersucht diese Lebensräume, indem er zum Beispiel Steine ins Wasser legt und beobachtet, von welchen Lebewesen sie besiedelt werden.

Welche Tiere leben im Rhein?

Georg Becker erklärt Besuchern die Rheinstation. Foto: Michael Bause

Georg Becker erklärt Besuchern die Rheinstation. Foto: Michael Bause

Es gibt im Rhein winzig kleine Tiere und Pflanze, die nur aus einer Zelle bestehen wie zum Beispiel die Mikroalgen. In einem Liter Rheinwasser sind Millionen winziger Lebewesen, die du mit bloßem Auge gar nicht sehen kannst. Außerdem leben im Rhein etwas größere, aber immer noch sehr kleine Tiere wie Zuckmückenlarven und Flohkrebse. Und schließlich die großen Tiere,  wie Fische und große Krebse.

Im Rhein gibt es zum Beispiel Fische wie Flussbarbe, Zander, Aal und Rotauge. „Je größer die Tiere sind, desto weniger davon leben im Wasser“, sagt Georg Becker. Vor einigen Jahrzehnten war der Rhein so schmutzig, dass es dort nicht mehr viele Tiere gab. Mittlerweile leben wieder viele Arten darin. Allerdings ganz andere, als noch vor 100 Jahren. Das liegt daran, dass viele Tiere aus anderen Teilen der Welt zugewandert sind. Welche das sind, das beobachten die Forscher ganz genau.

Blinde Passagiere

Die chinesische Wollhandkrabbe wurde im Rhein gefunden. Sie wurde durch ein ausländisches Schiff eingeschleppt. Foto: Michael Bause

Die chinesische Wollhandkrabbe wurde im Rhein gefunden. Sie wurde durch ein ausländisches Schiff eingeschleppt. Foto: Michael Bause

Meist ist es der Mensch, der Tiere aus anderen Ländern mitbringt. Als es im Rhein immer weniger heimische Krebse gab, haben Menschen Flusskrebse aus Nordamerika in den Rhein gesetzt. Auch der kleine Signalkrebs ist ein Nachfahre dieser amerikanischen Krebse. Allerdings haben diese Tiere eine Krankheit mitgebracht, an der sie zwar selbst nicht erkrankt sind, die jedoch die heimischen Krebse befallen hat. Die gibt es seitdem noch seltener. Ein weiterer Einwanderer ist die Wollhandkrabbe aus China. Sie hat tatsächlich ganz pelzige Scheren.

Sie wurde „aus Versehen“ eingeschleppt. Transportschiffe nehmen nämlich Wasser auf, um unterschiedliche Beladung auszugleichen, so dass sie nicht schief im Wasser schwimmen. Am Ziel angekommen, lassen sie das Wasser wieder ab – und mit ihm häufig Tiere, die als blinde Passagiere mitgereist sind. Wenn sie es schaffen, im Rhein zu leben und sich zu vermehren, verändern sie die Lebensgemeinschaft dort. Manchmal ist das nicht schlimm. Doch ab und zu gefährden diese Einwanderer heimische Tierarten. Zum Beispiel, weil sie andere Tiere fressen.

www.rheinstation.uni-koeln.de

Von Jasmin Krsteski

 

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